Suche
... auf Basis von Newtons Gesetz der Motivation

5 Tipps für mehr Produktivität

Ann-Cathrin Klose

© Shutterstock.com / Kit8.net

Wer viel zu tun hat, braucht dafür genug Motivation und Energie. Sonst wird der Job zur Qual! Mit den richtigen Tricks kann aber auch die anstrengendste Aufgabe leicht von der Hand gehen. Motivation und Konzentrationsvermögen folgen nämlich physikalischen Gesetzen!

Fangen wir gleich mit der wichtigsten Lektion in Sachen Motivation und Energie an: Es geht nicht darum, allein mit maximaler Willenskraft besonders hohe Ziele zu erreichen. Das ist durchaus möglich und klappt manchmal. Zum langfristigen Erfolg gehört aber viel mehr als der pure Wille. Wer mit dem Kopf durch die Wand will, holt sich nämlich schneller eine Beule, als dass er die Wand eingerissen bekäme.

Bessere Wege zu mehr Motivation

Stattdessen geht es darum, gehirn- und situationsgerecht zu agieren und an der richtigen Stelle anzusetzen, um Erfolg zu haben oder sich zumindest nicht mehr so schwer mit alltäglichen Aufgaben zu tun. Wer versteht, wie Motivation neurochemisch funktioniert und was die Gesetze der Physik mit unserem Arbeitsverhalten zu tun haben, kann mit diesen Prinzipien großes erreichen. Und das, ganz ohne sich selbst zu quälen und an den eigenen Impulsen zur Prokrastination abzuarbeiten (lesen Sie auch „3 Tipps gegen Prokrastination„). Das ist  nämlich genau das gleiche wie bei den lästigen Diäten. Wer tut, was ihm nicht liegt, verfällt irgendwann wieder in das alte Verhalten. Und dann war der ganze Aufwand umsonst. Das lässt sich aber vermeiden.

1. Informations-Overload vermeiden

Das erste Prinzip der gehirngerechten Optimierung des Arbeitsverhaltens hat mit dem Dopamin-Haushalt im Gehirn zu tun. Dopamin ist ein Neurotransmitter, der im Allgemeinen mit der schnellen Lustbefriedigung verbunden wird. Darum wird er häufig im Kontext von Suchterkrankungen erwähnt. So ist es dann auch das Dopamin, das uns dazu verleitet, den halben Tag auf Facebook zu verbringen. Das Prinzip ist das gleiche wie bei der ganzen Tafel Schokolade und den Zigaretten: Schnelle Kicks durch kurzfristigen Genuss verschaffen uns unmittelbar ein  gutes Gefühl. Das hält aber nicht lange an. Also machen wir damit weiter. Dieses Muster wird unter anderem durch das Dopamin im Gehirn gesteuert.

Das Problem daran ist aber, das uns nur eine begrenzte Menge an Energie und Aufmerksamkeit pro Tag zur Verfügung steht. Verteilen wir unsere kognitiven Ressourcen kontinuierlich auf Dutzende von unwichtigen, kleinen Informationsbrocken (also auf Facebook, Twitter und Co.), ist das Gehirn irgendwann völlig überflutet. Dann fällt die eigentliche Arbeit noch viel schwerer. Das ist ein Teufelskreis, aus dem man am besten direkt zu Beginn aussteigt: Wer den Tag ohne Smartphone und Computer beginnt und sich erst zur Arbeit in die digitale Welt begibt, vermeidet viele Risikofaktoren für die Prokrastination und den Dopamin-gesteuerten Teufelskreis des kurzen Glücks. Im Laufe des Tages kann es außerdem helfen, in kurzen Pausen nach draußen zu gehen, statt auf Facebook. Auch den Zugang zu schnellen Befriedigungen wie den sozialen Netzwerken zu sperren, um dem Gehirn eine Pause zu gönnen, kann hilfreich sein.

Im Laufe des Tages kann es außerdem helfen, in kurzen Pausen nach draußen zu gehen, statt auf Facebook.

2. Dopamin richtig nutzen

Der Dopamin-Effekt kann aber auch genutzt werden, um anstrengende Aufgaben leichter zu erledigen. Wer seinen Dopamin-Haushalt richtig trainiert, kann ihn dadurch so ausrichten, dass das Verlangen nach kurzfristigem Spaß sich in Motivation verwandelt. Dazu ist es sinnvoll, Aufgaben in kleine Abschnitte zu unterteilen. So werden wieder und wieder schnelle Erfolge zu erlebt, die mit einer sinnvollen Tätigkeit zusammenhängen, nicht mehr mit dem Social-Media-und-Schokolade-Hamsterrad. Dadurch wird das Belohnungssystem des Gehirns ebenfalls stimuliert und lernt, dass Arbeit genau so gut ist wie vermeintlich spaßigere Tätigkeiten.

Dafür ist aber auch Abwechslung wichtig. Wer immer nur dasselbe tut, wird sich irgendwann langweilen – exzessive Prokrastinatoren kennen das Problem wahrscheinlich. Irgendwann wird auch Facebook uninteressant, die Prokrastination zur Qual und das Arbeiten gelingt doch nicht. Dann fehlt es nämlich trotzdem an den bereits aufgebrauchten kognitiven Kapazitäten und man sitzt im Teufelskreis fest. Davor schützt man sich, indem man sowohl beruflich als auch in der Freizeit immer mal wieder etwas Neues ausprobiert. Das sorgt für genug Kicks, die den Spaß an der Sache erhalten.

Irgendwann wird auch Facebook uninteressant, die Prokrastination zur Qual.

3. In Bewegung bleiben

Und jetzt wird es endlich physikalisch: Das erste Newtonsche Gesetzt besagt, dass ein Körper seinen gegenwärtigen Zustand nur dann verändert, wenn genug Energie auf ihn einwirkt. Ansonsten verbleibt ein ruhender Körper im Ruhezustand, der Prokrastinator prokrastiniert also weiter. Umgekehrt gilt aber auch, dass ein bewegtes Objekt in Bewegung bleibt, bis es gebremst wird. Übertragen auf die Problematik des Arbeitstages bedeutet das, dass es erst einmal anstrengend ist, in Bewegung zu kommen, dann aber leicht ist, in Bewegung zu bleiben! Dieses physikalische Prinzip ist durchaus ermutigend, wenn es um die Motivation geht.

James Clear hat sich ausführlicher mit Newtons Gesetzen und ihrer Übertragung auf die Motivation befasst und empfiehlt daraus resultierend die Zwei-Minuten-Methode zum Einstieg in die Arbeit: Wer für zwei Minuten an einer kleinen Aufgabe arbeitet, tut sich leichter daran, danach einfach weiter zu machen. Der erste Schritt muss dabei nicht mit der Kernaufgabe verbunden sein; tatsächlich ist es oft relativ egal, was man tut, solange man etwas tut, was als Arbeit durchgeht. Und dann geht es einfach weiter, ganz im Sinne des ersten Newtonschen Gesetzes!

Es ist erst einmal anstrengend, in Bewegung zu kommen, dann aber leicht, in Bewegung zu bleiben!

4. Die richtigen Kämpfe wählen

Auch Willenskraft ist eine begrenzte Ressource, genau wie die bereits dargestellte mentale Kapazität. Darum sollte sie auf die richtigen Aufgaben verwendet werden. Dass Prokrastination per Definition zur Beschäftigung mit den falschen Dingen führt, versteht sich von selbst. Aber auch wenn man diesen Punkt überwunden hat, ist noch nicht gesagt, dass die gewählte Aktivität wirklich Aufmerksamkeit verdient. Manchmal wäre es einfach trotzdem besser, seine Energie anders einzusetzen. Gerade dann, wenn es ums Durchhalten geht, weil eine Aufgabe auch nach dem ersten Schritt nicht leichter wird, sollte man genau überlegen, ob die Aufgabe wichtig genug ist, um sie durchzuziehen.

Manche Entwickler könnten beispielsweise auf die Idee kommen, mit jeder neuen Technologie auf ihrem Fachgebiet Schritt halten zu wollen – selbst dann, wenn sie nur am Rande mit der Technologie zu tun haben. Das kostet natürlich viel Zeit und Energie. Dass es schwer fällt, eine Auswahl zu treffen ist verständlich; dennoch lohnt es sich manchmal eben nicht, jedes neue Framework möglichst schnell zu testen. Und auch, wenn es um die Frage danach geht, wie sorgfältig man arbeitet, gibt es einiges zu bedenken. So mag Code, der erst mal „irgendwie fertig“ ist, verlockend wirken, weil eine Aufgabe erledigt ist. Aber Achtung: Bugs haben die Angewohnheit, den Weg zurück zum Verursacher zu finden. Darum kann es sinnvoll sein, lieber weniger verschiedene Aufgaben anzugehen und dafür mehr Energie in eine Aufgabe zu investieren. Dinge beim ersten mal richtig zu machen, senkt den Arbeitsaufwand dauerhaft gewaltig!

Manchmal lohnt es sich eben nicht, jedes neue Framework möglichst schnell zu testen.

5. Entlastung schaffen

Ein weiteres Problem in Bezug auf die eigenen Kapazitäten zur Bewältigung anliegender Aufgaben stellt Newtons drittes Gesetz dar. Kräfte treten immer paarweise auf. Wirkt die wiedergefundene Motivation sich also positiv auf das Arbeitsverhalten aus, muss das noch nicht bedeuten, dass die Arbeit gleich leichter fällt. Dem gegenüber stehen im Berufsalltag nämlich weitere hemmende Kräfte: Zu viel Anforderungen, Stress und Schlafmangel benennt James Clear als Beispiele dafür.

Was dann passiert, hat viel mit dem klassischen Bild der Streckbank zu tun: An allen Enden zerren verschiedene Anforderungen an der eigenen Aufmerksamkeit und Willenskraft – und man versucht seine Energie zwischen allen aufzuteilen. Hier gilt es, zuerst einmal zu üben, auch mal nein zu sagen und einen persönlichen Ausgleich zu schaffen. Wer genug schläft, nicht ständig erreichbar ist und weniger Aufgaben auf einmal zu bearbeiten hat, kann die der Motivation entgegenwirkende Kraft verringert werden, sodass es gar nicht so schwer fällt, der Versuchung zum wilden Surfen im Netz zu widerstehen und das eigene Gehirn auf Produktivität zu trainieren.

Üben, auch mal nein zu sagen.

Einfach anfangen!

Welche Strategie am besten funktioniert, ist immer von der individuellen Situation abhängig. Am Ende hat unser eigenes Verhalten aber eine große Wirkung darauf, wie motiviert und konzentriert wir an die Arbeit gehen können. Mit der richtigen Strategie lässt sich also viel Stress im Arbeitsalltag reduzieren.

Verwandte Themen:

Geschrieben von
Ann-Cathrin Klose
Ann-Cathrin Klose
Ann-Cathrin Klose hat allgemeine Sprachwissenschaft, Geschichte und Philosophie an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz studiert. Bereits seit Februar 2015 arbeitete sie als redaktionelle Assistentin bei Software & Support Media und ist seit Oktober 2017 Redakteurin. Zuvor war sie als freie Autorin tätig, ihre ersten redaktionellen Erfahrungen hat sie bei einer Tageszeitung gesammelt.
Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.