Integration von IT-Drittanbietern als Geheimrezept

5 Ansätze, wie Entwickler Businessmodelle aufwerten können

Thomas Gude

© Shutterstock/dotshock

Derzeit erleben wir, wie Mikrotechnologien immer mehr Branchen der Wirtschaft von Grund auf verändern. Darin liegt ein Potential verborgen, das im Web-Bereich schon alltäglich angewandt wird, aber auch in anderen Wirtschaftszweigen ausgeschöpft werden kann. Wer sein Produkt als Ausgangspunkt für die Ideen von IT-Drittanbietern etablieren kann, wird möglicherweise als Schnittstelle unendlicher Innovationen dienen. Für einen solchen langfristigen Erfolg müssen Wege gefunden werden, unternehmensfremde Entwickler ins Businessmodell zu integrieren. Der Beitrag zeigt fünf davon auf.

Mittlerweile vollziehen sich informationstechnologische Prozesse in einer Komplexität, die für Außenstehende kaum mehr nachvollziehbar ist. Verständlicherweise wird es dadurch nicht unbedingt einfacher, mögliche Aspekte und Bereiche im eigenen Unternehmen zu identifizieren, die von Third-Party-Entwicklern profitieren könnten. Michael Vakulenko hat fünf Wege zusammengetragen, die zeigen, wie ein produktiver Einsatz von Entwicklern aussehen könnte.

1. Entwickler sind Kunden

Das hört sich zunächst banal an, aber natürlich ist hier nicht gemeint, dass ein Supermarkt von Entwicklern profitiert, weil die ihre alltäglichen Einkäufe dort erledigen. Vielmehr geht es darum, dass Entwickler bekanntlich auch Arbeiter sind und dementsprechend Arbeitsgerät brauchen. Statt Drehbank und Bohrmaschine benutzen sie IDEs und unterschiedlichste Tools. Diese müssen eingekauft werden. Folglich gibt es Firmen, die sich allein darauf spezialisiert haben und so ihr Geld verdienen.

Unternehmen mit eigener IT-Abteilung können sich allerdings auch überlegen, ob ihr Department über eigene Entwicklungen und Ideen verfügt, die an andere Unternehmen verkauft werden könnten. Ein Beispiel sind die Amazon Web Services(AWS), die ursprünglich als Infrastruktur für Amazons Kerngeschäft, den Onlinehandel, gedacht waren. Heute stellt AWS einen der bedeutendsten Dienstleister im immer wichtiger werdenden Bereich des Cloud Computings dar.

2. Entwickler erweitern Produkte

Kreatives Potential gibt es unter Entwicklern mehr als reichlich. Gelingt es Unternehmen, dies für sich zu aktivieren, kann der Nutzen riesig sein. Dazu ist es nötig, Produkte für IT-Spezialisten außerhalb des Unternehmens zu öffnen. Das mobile App-Geschäft ist vielleicht das beste Beispiel. Durch die Bereitstellung seinesDeveloper Programs konnte Apple nicht nur kleinen Entwicklerschmieden zum Erfolg verhelfen, sondern gleichzeitig garantieren, dass durch immer neue, innovative und unterhaltsame Angebote im App Store die Apple-Produkte konstant nachgefragt blieben.

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Ähnliches ist für das Internet of Things vorstellbar. Man denke etwa an die StichworteSmart Home, vernetztes Heim, Heimautomation. Für Anbieter von zentralisierten Haussteuerungen eröffnet sich ein gigantischer Markt von Haushaltsprodukten, die in die Haussteuerung eingebunden werden könne – von der Heizung bis zur Kaffeemaschine. Hier kann man sich auf Drittanbieter verlassen, die zuerst Zugang zur entsprechenden Entwicklertools brauchen, um dann mit ihren Produktideen die Nachfrage nach den zugrundeliegenden Systemen aufrecht zu erhalten.

3. Entwickler verarbeiten Big Data

Entwickler können ebenfalls bei der Einfuhr der Big Data-Ernte behilflich sein. Beispielsweise leisten sie Unterstützung bei der Verfeinerung der Werbemechanismen von Facebook und Google. Geschickte Datenauswertung macht es möglich, Werbung passgenau auf die individuellen User zuzuschneiden. Die genannten Firmen sind dazu aber auf die Kooperation von Drittanbietern angewiesen.

Facebook etwa versucht, möglichst viele App- und Serviceanbieter dazu zu bringen, ihre Loginprozesse mit dem Social Media-Portal kurzzuschließen. Auf diese Weise erhält der Konzern weitere Einblicke in das Userverhalten und kann seine Werbung entsprechend anpassen. Google dagegen kann via Android registrieren, welche Apps ein User benutzt. Auch hier helfen Drittanbieter dabei, Datenmengen zu generieren, zu spezifizieren und dadurch die Werbemechanismen von Google Ads zu verbessern. Für beide Unternehmen bedeutet das selbstverständlich größeren Umsatz.

4. Entwickler fungieren als Multiplikatoren

Öffnet eine Firma ihr Produkt für Entwickler, öffnen diese vielleicht neue Märkte für die Firma. Auf diese Weise fungieren ITler gewissermaßen als organische Multiplikatoren, die bestenfalls aufwendige Werbekampagnen überflüssig machen. Wo der Bedarf schon durch Drittanbieter hergestellt ist, muss dies nicht mehr künstlich geschehen.

Nehmen wir Twitter: Der Kurznachrichtendienst unterstützt klugerweise Entwicklerdabei, seinen Service in andere Webseiten, Apps und dergleichen zu integrieren. So werden User einerseits durch mannigfaltige Kanäle auf die Existenz von Twitter aufmerksam. Möglicherweise entwickeln sie so das Bedürfnis, selbst Teil der Plattform zu werden. Andererseits entsteht die Notwendigkeit für Organisationen jedweder Art – seien es Regierungen, Firmen, Parteien oder Sportvereine – selbst auf Twitter präsent zu sein. Was wiederum neue User zieht, somit die Relevanz von Twitter stärkt, was letztendlich Quelle des langfristigen Erfolgs des Unternehmens ist.

5. Entwickler sind Verkäufer

Man kann das Potential von Entwicklern auch direkt in den Verkauf einbinden. Wem es gelingt, die Produkte von Drittanbietern als Verkaufskanal für die eigenen Waren zu nutzen, kann die Reichweite seines Businessmodells erheblich erweitern. Natürlich sollte man seine Geschäftspartner am Gewinn beteiligen. Aber der zu erwartende Nutzen dürfte die Investition mehr als sinnvoll machen.

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Wieder operiert Amazon auf Höhe der Zeit. Unter dem Namen Mobile Associates Program hat das Unternehmen ein API an den Start gebracht, das es anderen Firmen erlaubt, in ihren Apps Waren aus dem Sortiment von Amazon zu vertreiben. Das Unternehmen beteiligt dafür seine Partner mit sechs Prozent an den Einnahmen.

Fazit

Bereits jetzt ist zu beobachten, dass immer mehr Unternehmen Entwicklerprogramme, eigene APIs und Programmierumwelten zur Verfügung stellen. Dass der Trend anhalten wird, ist ebenso absehbar. Wer in Zukunft mit der Konkurrenz Schritt halten will, muss heute anfangen, sein Businessmodell für 3rd-Party-Entwickler zu öffnen.

Aufmacherbild: startup business people group working everyday job von Shutterstock / Urheberrecht: dotshock

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Geschrieben von
Thomas Gude
Thomas Gude
Thomas Gude studiert Buch- und Medienpraxis an der Goethe Universität Frankfurt am Main und arbeitet seit August 2015 als Werkstudent bei Software & Support Media. Vorher hat er Politikwissenschaft und Politische Theorie in Hannover und Frankfurt am Main studiert.
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