JAXenter: Git soll ja zum neuen Standard bei Eclipse werden und CVS – und langfristig wohl auch Subversion – ablösen. Wie weit sind die Projekte schon bei ihrer Umstellung auf Git?

Matthias Sohn: Der Countdown für die Pensionierung von CVS bei Eclipse läuft, bis Ende des Jahres soll die Migration abgeschlossen werden. Mittlerweile nutzen 57 Prozent aller Eclipse-Projekte ausschließlich Git [3], auch die meisten großen Projekte wie Platform, CDT, Mylyn und z. B. auch das Eclipse Packaging Projekt, das die Eclipse-Distributionen erstellt, sind umgestiegen. Neue Projekte starten praktisch alle mit Git. Eine Vorreiterrolle spielen bei der Migration die Projekte, die am Juno Release Train teilnehmen, 61 nutzen Git, 6 CVS und 11 Subversion [4]. 15 Eclipse-Projekte nutzen mittlerweile den Gerrit Code Review Server der Eclipse Foundation [5], um Code Reviews und Contributions zu erleichtern.

JAXenter: Wie geht es weiter mit EGit? Welche Neuerungen stehen in Eclipse Kepler an?

Matthias Sohn: Das nächste Release 2.1 ist für den September geplant, es wird mit Juno SR1 ausgeliefert werden. Wir arbeiten schon seit einiger Zeit an der Implementierung des Git Garbage Collectors [6] und wollen diesen mit 2.1 releasen.

Google hat begonnen einen neuen Publish-Subscribe-Mechanismus [7] in JGit einzubauen, der es ermöglichen soll, Git Repositories automatisch von einem zentralen Git-Server mit neuen Änderungen zu versorgen. Damit kann die Serverlast deutlich reduziert werden und die geklonten Git-Repositories aller subskribierten Entwickler sind dann immer, bis auf einen kleinen Zeitversatz von wenigen Sekunden, mit dem Server synchronisiert. Damit werden alle Clones zu lebendigen Kopien des zentralen Repositories, sodass immer alle dort veröffentlichten Änderungen kurze Zeit später auch in den Repositories der Entwickler zur Verfügung stehen.

Ein GSoC Student arbeitet an Activity Tracing für Mylyn [8], bei dem unter anderem die Integration zwischen EGit, Gerrit und Mylyn verbessert werden soll. Außerdem planen wir EGit in weitere Eclipse-Packages mit aufnehmen zu lassen, sodass keine manuelle Installation mehr nötig sein wird.

JAXenter: Welche persönlichen Highlights siehst du sonst noch in Eclipse Juno?

Matthias Sohn: Juno ist der erste Release-Train auf Basis von Eclipse 4 (genauer 4.2), damit wird diese neue Plattformversion erwachsen, im Vergleich zum letzten Jahr hat sich dort viel getan. Code Recommenders wird die Verwendung von APIs in der Entwicklung durch intelligente Codeassistenten deutlich erleichtern. Hier fließen viele innovative Ideen aus dem Forschungsbereich in die Eclipse-Community, da dieses Projekt vor allem von Hochschulen vorangetrieben wird. Eclipse Orion verlässt den Incubator und wird mit dem Release-Train ausgeliefert, ich bin gespannt, welche Anwendungsbereiche diese neue Eclipse-Entwicklungsplattform im Browser erschließen wird. Und last but not least wird mit Juno der Mylyn Gerrit Connector [9] im Release Train ausgeliefert und bringt eine ausgereifte Gerrit Code Review Integration für Eclipse mit.

JAXenter: Vielen Dank für dieses Gespräch!

Dr. Matthias Sohn leitet gemeinsam mit Shawn Pearce (Google) die Eclipse-Projekte JGit und EGit und trägt auch zur Entwicklung von Gerrit Code Review und Eclipse Mylyn Reviews bei. Er arbeitet bei SAP als Scrum Product Owner im Bereich der Java-Technologieentwicklung und leitet das SAP-Git-Team, das zum harten Kern der Projekte JGit, EGit und Gerrit Code Review gehört.
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