JAXenter: JavaFX erlebt ja gerade eine echte Renaissance – das Community-Interesse ist groß. Weshalb habt ihr euch für die Integration der JavaFX-Technologie entschieden?

Björn Müller: Nun, JavaFX ist mit dem Erscheinen von Release 2.0 das geworden, was sich Java-Entwickler gewünscht haben: ein modernes UI Framework (Styles, Transformation, Aninmationen, …), das mit Java programmiert werden kann. Viele Dinge, die mit Swing nur über Umwege erreichbar waren (z.B. Animationen) sind nun einfach und direkt über entsprechende Funktionen im Scene Graph (so wird der Control-Baum in JavaFX genannt) möglich. JavaFX macht als Gesamtes einen wirklich gut design-ten Eindruck.
Gerade auch der lange Werdegang von JavaFX hat uns hinsichtlich der langfristigen Auslegung dieser Technologie überzeugt. Es gab schon genug Zeitpunkte, an denen jeder erwartet hatte, dass JavaFX – ähnlich wie Silverlight und Adobe Flex – sich zurückzieht. Aber es ist geblieben und entwickelt sich nun kontinuierlich weiter!

JAXenter: Auf der JAX vergleichen Sie HTML5 mit JavaFX. Hat JavaFX aus Ihrer Sicht das Potenzial, sich als HTML5-Konkurrent zu behaupten? Oder anders gefragt: Wo liegen die Stärken von JavaFX gegenüber HTML5?

Björn Müller: Ja, es wird sich behaupten. Zunächst in dem Bereich der Anwendungen, die auch unserer Positionierung entsprechen: Geschäftsanwendungen, die irgendwo im Betrieb laufen – quasi die Arbeitspferde, die nicht so eine große Außenwirksamkeit haben.

Die Stärken gegenüber HTML5 liegen in drei Bereichen. 1. die wesentlich einfachere und effizientere Entwicklung. 2. die Unabhängigkeit vom Browser des Kunden – und damit das Nichteingehenmüssen auf all die Inkompatibilitätsprobleme. Und 3. die wesentlich langfristigere Auslegung des Frameworks.

Wenn meine Anwendung 15 Jahre laufen soll, ohne in Kernteilen permanent umprogrammiert zu werden, dann denke ich nicht über den aktuellen Web-Hype nach, sondern über eine konstante Technologie für diesen Zeitraum. Hier passt JavaFX optimal hinein.
Ob’s außerhalb dieser Positionierung noch mehr wird – das hängt aus meiner Sich wesentlich davon ab, wie flott die Portierung von JavaFX auf Android und auf iOS laufen wird, wobei Android hier für mich wichtiger ist. Wenn das zur Verfügung steht, dann wird JavaFX viele Entwickler aus dem HTML5-Lager zurückholen!

JAXenter: Und wie geht es weiter mit CaptainCasa?

Björn Müller: CaptainCasa bleibt wie es ist: im Kern klein, technologieorientiert und eingebettet innerhalb einer aktiven Community von Nutzern – und Dienstleistern, die erweiterte Services anbieten. Der Fokus bleibt ganz klar der der umfangreichen, operativ genutzten Geschäftsanwendungen.

JAXenter: Vielen Dank für dieses Interview!

Björn Müller, Jahrgang 1969, ist seit zehn Jahren SAP in verschiedenen Entwicklungsbereichen: Anwendungsentwicklung, Basisentwicklung, Architekturentwicklung. 2001 Gründung der Casabac Technologies GmbH – Pionier im Bereich von Rich Internet Applications auf Basis von Client-Scripting (AJAX); 2005 Übernahme der Casabac durch die Software AG; 2007 Gründung der CaptainCasa Community, einer Verbindung mittelständischer, deutschsprachiger Softwarehäuser mit dem Fokus Rich-Client-Frameworks für umfangreiche, langlebige Anwendungssysteme.
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