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Ausblick mit unseren Autoren – Teil III

Nochmal 20 Jahre Java? – Die Prognosen unserer Experten

Redaktion JAXenter
Java

© Shutterstock.com / Maksim Kabakou

20 Jahre sind für eine Programmiersprache eine echte Ewigkeit. Umso schöner ist es, die Java-Welt schon so lange begleiten zu können. Wir hoffen natürlich, dass es noch einmal mindestens 20 Jahre weitergeht und wagen mit unseren Autoren einen Blick in die Zukunft: Wo geht die Reise für Java-Experten hin?

Als John Gage und Marc Andreessen 1995 Java offiziell vorstellten, wusste wohl noch niemand, welche neuen Welten sich damit auftun würden. Nur drei Jahre später hatte aber ein findiger Redakteur den richtigen Riecher – das Java Magazin war geboren. Seither ist viel passiert. Umso spannender ist der Blick in die Zukunft. Ob wir wohl auch in 20 Jahren noch über Java in seiner heutigen Form berichten werden?

Schon im ersten und zweiten Teil unserer Reihe haben wir mit einigen unserer Autoren und Wegbegleitern über ihre beeindruckendsten Momente in der Java-Welt und die wichtigsten Unterschiede zwischen damals und heute gesprochen. Dieses mal wollen wir einen Ausblick in die Zukunft wagen:

Wie lautet deine Prognose – wo geht die Reise für Java-Experten hin?

Experte für Enterprise Java und Systemintegration. @thfro



Thilo Frotscher

Ich bin fest davon überzeugt, dass sich Java-Experten auf noch viele weitere Jahre voller spannender Aufgaben freuen können. Obwohl schon häufig totgesagt, zählt Java weiterhin zu den am meisten verbreiteten und beliebten Programmiersprachen. Und ich sehe keinen Grund, weshalb sich dies mittelfristig ändern sollte. Java lebt sehr stark von seiner sehr aktiven und engagierten Community, die durchaus auch bereit ist, für ihre Ziele zu kämpfen, wie die Entwicklung um EE4J gezeigt hat. Und so wird es ganz sicher gelingen, Java auch weiterhin maßvoll zu modernisieren und an die Anforderungen aktueller IT-Trends anzupassen.

Unabhängiger Technologieberater Mobile Applications und Services.







Kay Glahn

Obwohl böse Zungen schon seit geraumer Zeit behaupten, dass Java das COBOL der Zukunft sei, denke ich, dass Java allein schon wegen seiner starken Verbreitung im Enterprise-Bereich noch über Jahrzehnte eine wichtige Rolle spielen wird. Denn trotz zahlreicher modernerer Sprachen, die sich zurzeit in bestimmten Bereichen – wie Python im KI-Bereich – etablieren, hat sich auch Java über die Jahre ständig weiterentwickelt. Java wurde ursprünglich für den Einsatz auf Consumer-Geräten wie Set-Top-Boxen geschaffen. Aus dieser Zeit stammt auch noch das typische Beispiel der Java-fähigen Kaffeemaschine. Obwohl sie das Potenzial hatte, konnte sich die Java-Plattform auf mobilen Endgeräten aus politischen und lizenzrechtlichen Gründen leider nicht durchsetzen. Java als Sprache blieb den Entwicklern mobiler Apps zwar auf Android bis heute erhalten, allerdings hat sie mit Kotlin auch hier mächtige Konkurrenz bekommen. Während mittelfristig Java auf Android noch die Sprache der Wahl sein wird, denke ich, dass sich dies auf lange Sicht durchaus ändern kann.

Freiberuflicher Softwareentwickler. Programmiert Java aus Leidenschaft.







Arno Haase

Java als Sprache ist meiner Ansicht nach sehr verkrustet und entwickelt sich langsamer weiter als jede andere (halbwegs verbreitete) Programmiersprache. Innovation innerhalb der Sprache ist ausdrücklich nicht gewollt. HotSpot als Plattform und das Ökosystem der Bibliotheken sind natürlich innovativ und lebendig und werden es wohl auch bleiben.
Das führt meiner Einschätzung nach zu einem zunehmend tieferen Graben zwischen einfachen Entwicklern, die Bibliotheken benutzen, und den wenigen, die ihre Funktionsweise verstehen. Annotations sind ja z. B. ein schwacher Ersatz dafür, dass Java keine Makros hat. Sie erschweren es aber, als Entwickler auf Codeebene nachzuvollziehen, was genau passiert. Zur Laufzeit erzeugte Implementierungsklassen im Stil von Spring Data verstärken diesen Effekt. Diese Art von Framework ist in der Java-Welt so weit verbreitet, dass wir sie für selbstverständlich nehmen. Andere Sprachen wir Scala, Groovy oder Ruby haben da aber eine sehr andere Kultur, die das Lernen und die Mündigkeit von Entwicklern fördert.

Seit mehr als 25 Jahren in der IT tätig, CTO der Crossbow GmbH.
@malagant









Michael Johann

Die Reise für Java-Experten ist abhängig davon, was für Aufgaben der einzelne Entwickler übernehmen möchte. Ich persönlich glaube nicht, dass ich jemals wieder JSF oder ähnliche Dinge nutzen würde. Für jeden Zweck gibt es heute das richtige Werkzeug, und das sind im Web nach wie vor HTML, JavaScript und CSS. Hält man sich die rasante Entwicklung im Bereich der Sprache Go vor Augen, sieht man deutlich: Polyglott ist in.
Dabei fällt auf, dass JavaScript als Sprache ebenfalls auf einer Art VM basiert, nämlich der Browser-Engine. Node.js und React sind populäre Beispiele für Server- und Client-basierte JavaScript-Projekte. Soll heißen: Wenn Java-Entwickler mit Webprojekten zu tun haben, werden sie zukünftig weniger auf Java setzen und mehr auf die passenden Werkzeuge des Webs. Entsprechendes gilt, wenn Java-Entwickler in den Bereich DevOps mit Containern vorstoßen. Dort wird der ein oder andere schnell mit Go in Berührung kommen. Wer allerdings im Java-EE-Umfeld Backend-Prozesse entwickelt, wird auf absehbare Zeit bei Java bleiben und braucht keine Angst haben, Scala lernen zu müssen.

Trainer, Consultants, zusammen Ko-Autoren mehrerer Bücher.

Dr. Angelika Langer und Klaus Kreft

Schwer zu sagen. 2018 werden wir vielleicht Java 10 und Java 11 an uns vorbeiziehen lassen. Oracle ändert gerade die Releasestrategie und will sogar proprietäre Dinge wie Flight Recorder und Mission Control Open Source zur Verfügung stellen. Es gibt fundamentale Änderungen. Java ist so hektisch – oder agil – wie noch nie. Wer weiß, wo die Reise hingeht.

Ist Principal Consultant bei innoQ.
@bitboss

Michael Plöd

Ich denke, Java-Experten werden auch auf absehbare Zeit sehr gefragt sein. Aus beruflicher Sicht würde ich mir als Java-Programmierer(in) keine Sorgen machen. Ich denke, wir als Java-Community würden uns einen sehr großen Gefallen tun, wenn wir als Gruppe versuchen würden, heterogener zu werden. So sehe ich zum Beispiel noch immer viel zu wenige Frauen in den Büros und auf einschlägigen Veranstaltungen.

Fellow bei innoQ, seit mehr als 15 Jahren Architekt und Berater.
@ewolff

Eberhard Wolff

Manchmal erwische ich mich bei dem Gedanken, dass ich jetzt zwanzig Jahre Java gemacht habe. Was spricht dann gegen weitere zwanzig Jahre mit Java? Details von Java-Technologien interessieren mich nicht mehr so viel wie Architektur, Microservices oder Continuous Delivery. Dabei spielt Java aber nach wie vor eine wichtige Rolle.
 

Ist mit embarc unterwegs. Blickt auf zwanzig Jahre IT-Erfahrung zurück und stets gespannt nach vorn.
@StefanZoerner


Stefan Zörner

Viele Unternehmen betreiben über lange Jahre gewachsene geschäftskritische Java-Anwendungen beträchtlicher Größe. Oftmals weisen diese nicht die heute geforderte Flexibilität auf (fachliche Änderungen schnell umsetzen, technologische Trends bezüglich UI oder Betrieb leicht adaptieren). Eine Modernisierung oder Teilablösung ist dann unausweichlich. Erfahrungswissen in diesem Bereich, etwa schrittweise Modularisierung/Entkopplung, ist bereits heute sehr gefragt.
Bei neuen Technologien sollten Java-Experten meiner Meinung nach vor allem Entwicklungen rund um Virtualisierung und Automatisierung im Auge behalten (auch im Hinblick auf Modularisierung). Mit Java haben die betreffenden Lösungen oftmals nicht direkt zu tun, ihrer Anwendung in Java-Projekten steht das aber nicht im Wege.

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