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Rückblick mit unseren Autoren – Teil II

9 Experten berichten: Wie hat sich Java in 20 Jahren verändert?

Redaktion JAXenter
Java

© Shutterstock.com / Maksim Kabakou

Am Anfang war die Sprache, sie hieß Java. Als Sun Microsystems vor 20 Jahren die Entwicklerwelt mit diesem neuen Produkt erhellte, konnte wohl noch niemand ahnen, was für Erfolgsgeschichte damit geschrieben werden sollte. Unserer Autoren besprechen im zweiten Teil unseres Rückblicks die wichtigsten Unterschiede zwischen der Programmiersprache damals und heute.

Mit nur fünf Entwicklern – Patrick Naughton, Mike Sheridan, James Gosling und Bill Joy – fing alles an. Heute liefert Java eine wichtige Grundlage für unseren vernetzten und digitalisierten Alltag. Ob auf Server- oder Client-Seite, ob auf handlichen Mobiltelefonen oder in gigantischen Rechenzentren: überall findet sich die Programmiersprache. Aber das war nicht immer so. In Teil zwei unseres Rückblicks auf 20 Jahre Java Magazin erläutern einige Autoren, wie sich das Ökosystem rund um Java für sie verändert hat.

Nachdem unsere Wegbegleiter im ersten Teil die Frage beantworteten, welches ihr persönlich am meisten beeindruckender Java-Moment in den letzten zwanzig Jahren war, und was ihr Bild des Java-Ökosystems seitdem am nachhaltigsten geprägt oder gar verändert hat, stellen wir diesmal die Frage:

Java damals und heute: Was ist für dich der wichtigste Unterschied?

Experte für Enterprise Java und Systemintegration. @thfro

Thilo Frotscher

Der für mich wichtigste Unterschied zwischen damals und heute ist die unfassbare Menge an Frameworks, Technologien und Tools, die in der Zwischenzeit für Java entstanden und die überwiegend Open Source für jedermann verfügbar sind. Diese Verfügbarkeit von Know-how und Lösungen, in die so unglaublich viel Entwicklungszeit eingeflossen ist, ermöglicht es uns heute, technisch hoch komplexe Systeme mit vergleichbar wenig Aufwand zu entwickeln und uns stattdessen mehr mit der Fachlichkeit zu beschäftigen. Wenn wir bloß nicht so verliebt darin wären, trotzdem immer wieder an der Technologie herumzubasteln.

Unabhängiger Technologieberater Mobile Applications und Services.

Kay Glahn

Als ich im Jahr 1995 mit meinem Informatikstudium begonnen habe, ist unter den Studenten ziemlich bald das Gerücht umgegangen, dass man mit einer neuen Programmiersprache namens Java nun die langweiligen HTML-Seiten mit grafischen Animationen aufpeppen könne. Kurz darauf waren dann Java-Applets im seinerzeit führenden Netscape-Browser verfügbar, was Java zu seinem Durchbruch verholfen hat. Damals hat noch niemand geahnt, dass sich Java einmal als Plattform für die Serverentwicklung durchsetzen wird. Doch nachdem sich Applets im Browser nie im großen Stil etablieren konnten und in den letzten Jahren immer mehr in der Belanglosigkeit versunken sind, hat Java sich seit dem Erscheinen der Enterprise Edition einen festen Platz in der Serverwelt erobern können.

Freiberuflicher Softwareentwickler. Programmiert Java aus Leidenschaft.

Arno Haase

Java hat inzwischen ein solides Zuhause im Bereich der Serveranwendungen gefunden und ist dabei so weit gereift, dass Effizienz nur in sehr seltenen Fällen ein Argument dagegen ist. Sogar im Bereich des High Frequency Trading hat es sich einen festen Platz erobert. Wenn ich da an die frühe Java-Zeit mit Applets denke oder an den Hype um Swing für betriebssystemunabhängige GUIs …

Seit mehr als 25 Jahren in der IT tätig, CTO der Crossbow GmbH.
@malagant

Michael Johann

Heute sehe ich den Nutzen von Java weniger in der Sprache als vielmehr in der virtuellen Maschine. JRuby als Ruby-Implementierung für die VM hat mich eine sehr lange Zeit begleitet, nicht nur wegen der gesteigerten Performance und dem Threading, sondern auch wegen der Möglichkeit, Ruby in Java-Projekten einfach in Form von WAR-Dateien zu deployen.
In meinen aktuellen Projekten findet sich immer auch eine Java-basierte Komponente, und meine Entwicklungsumgebung stammt nach wie vor aus dem Hause JetBrains und läuft auf der JVM. Zusammenfassend ist Java für mich heute die VM, und die kann ich nach wie vor vielseitig einsetzen.

Trainer, Consultants, zusammen Ko-Autoren mehrerer Bücher.

Dr. Angelika Langer und Klaus Kreft

Damals in den 1990er-Jahren des vorigen Jahrhunderts ist Java als einfachere Alternative zu C++ angetreten. Es gab eine relativ simple Sprache und ein ziemlich übersichtliches JDK – mehr nicht. Heute – was ist Java? Die Sprache hat erheblich an Komplexität zugelegt, man denke nur an Generics und Lambdas. Das JDK ist so mächtig gewachsen, dass man es per Modulsystem und Runtime Images wieder kleinkriegen muss. Es gibt ein ganzes Ökosystem von unzähligen Build-Tools, Bibliotheken, Frameworks etc. Java gestern und heute? Kein Vergleich!

Ist Principal Consultant bei innoQ.
@bitboss

Michael Plöd

Früher gab es auf Basis der JVM eigentlich nur Java als Programmiersprache. Heute ist die JVM eine sehr solide und vor allem beliebte Runtime-Plattform für zahlreiche spannende Sprachen wie JRuby, Scala, Groovy, Kotlin oder Clojure. Diese betrachte ich allerdings nicht als Konkurrenz, sondern als äußerst willkommene Innovatoren. Vor allem die in Java 8 eingeführten Neuerungen wie Streams oder Lambdas hätte es ohne diese JVM-Sprachen wohl nicht gegeben.

Fellow bei innoQ, seit mehr als fünfzehn Jahren Architekt und Berater.
@ewolff

Eberhard Wolff

Am Anfang war Java der Underdog und eher auf dem Client zu Hause. Mittlerweile hat Java eine unglaubliche Karriere hingelegt. Es ist gerade auf dem Server mehr als etabliert, und es hat eine Durchdringung, die keiner von Javas Vorgängern je erreicht hat. Durch die Vielzahl von Open-Source-Projekten und die Größe der Community entstehen ständig neue Ideen und Projekte, sodass Java immer noch innovativ ist. In der Community gibt es außerdem immer neue Gesichter, sodass die Java-Plattform offensichtlich auch langfristig attraktiv ist.

Ist mit embarc unterwegs. Blickt auf zwanzig Jahre IT-Erfahrung zurück und stets gespannt nach vorn.
@StefanZoerner

Stefan Zörner

Viele Java-Anwender, auch konservative Unternehmen, sehen die Vorteile individueller spezieller Lösungen (z. B. schnelles Aufgreifen neuer technologischer Trends) heute genauso wie die Vorteile einheitlicher Lösungen und der Standardisierung (z. B. leichter Wechsel von Entwicklern zwischen Teams). Im Einzelfall schätzen sie Individualisierung sogar mehr. Damit verlieren Standards in der Java-Welt an Bedeutung, und Vorhaben mit einem Mix aus Technologien und Sprachen sind nicht mehr verpönt (inkonsistent), sondern akzeptiert; polyglott ist das neue normal. Moderne Architekturstile wie Microservices oder Self-contained Systems fördern dies. Als Konsequenz sind reine Java-Lösungen mit ausschließlich Java-Technologien heute die Ausnahme. Moderne Web-Frontends sind z. B. die Domäne von JavaScript, das wiederum ganz eigene Tools und Frameworks mit sich bringt.

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