10 Dinge, die Entwickler unproduktiver machen

Selim Baykara

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Die Produktivität in einem Unternehmen hängt von einer ganzen Reihe von Faktoren ab: dem Betriebsklima, dem Führungsstil der Vorgesetzten, der Motivation der Mitarbeiter. Für Vorgesetzte und Chefs ist dabei vor allem letzterer Punkt interessant, nämlich die Frage, wie sie Angestellte so begeistern können, dass sie vollen Einsatz zeigen und nicht einfach Dienst nach Vorschrift leisten.

Was dabei oft in Vergessenheit gerät, ist die anderen Seite: Entwickler wären oftmals froh, wenn der Chef sie schlicht produktiv arbeiten lassen würde. Was tun Chefs nicht alles für Dinge, die der Produktivität ihrer Mitarbeiter im Weg stehen? Dieser Frage ging die populäre Bloggerin Allison Green nach; ihre Ergebnisse hat sie jetzt in einer Liste veröffentlicht: die 10 häufigsten Fehler, mit denen Vorgesetzte die Produktivität ihrer Angestellten herabsetzen.

Ganz vorne liegt dabei der Chef, der keine Befugnisse abgeben mag. Wie ein Staubsauger zieht er Kompetenzen, Zuständigkeiten und jedes noch so unwichtige Detail an sich heran und gewährt seinen Angestellten keinerlei Freiräume. Ergebnis: der Arbeitsfluss gerät ins Stocken, Prozesse verlangsamen sich und der Betrieb arbeitet weniger effizient als eigentlich möglich wäre. Damit eng verbunden ist der Chef, der Aufgaben nicht sinnvoll delegieren kann. Mitarbeiter betrachtet er als Hilfskräfte und nicht so sehr als eigenverantwortliche Individuen – eine Sichtweise, die sich nur schlecht auszahlt, da die Mitarbeiter im Endeffekt auch nur noch genau das machen, was man ihnen vorschreibt und kein bisschen mehr.

Zu weiteren häufigen Fehlern zählen allgemeine Kommunikationsschwächen. Chefs, die die Ziele des Unternehmens nicht kommunizieren und die kein oder kein ausreichendes Feedback zurückgeben, riskieren, dass aneinander vorbei gearbeitet wird und etwaige Stärken und Talente der Mitarbeiter brachliegen. Auch übertriebene Kleinlichkeit kommt nicht gut an. Wer selbst bei der kleinsten Grippe auf ein ärztliches Attest besteht und Heimarbeit generell ablehnt, riskiert langfristig den guten Willen und die Loyalität der Mitarbeiter.

Die Liste sieht bei Allison Green folgendermaßen aus:

  • Chef ist der Flaschenhals, der die Mitarbeiter ausbremst
  • Verantwortlichkeiten werden nicht wirklich delegiert
  • Erwartungen werden nicht klar vermittelt
  • Es wird kein konstruktives Feedback abgegeben
  • Angestellte sind stets auf Abruf und verfügen über keine konzentrierten Arbeitszeiten
  • Angestellte werden nicht gefragt, was sie benötigen, um ihren Job besser zu machen
  • Homeoffice-Verbot
  • Ärztliches Attest für Krankmeldungen
  • Keine Weiterbildung und Trainings anbieten
  • Ein Klima der Angst etablieren

Kommt Ihnen der ein oder andere Punkt bekannt vor? Nun, ob Homeoffice die Produktivität fördert – oder dieser doch eher schädlich ist, wird nach dem Homeoffice-Vorbot der Yahoo!-Chefin Marissa Mayer ja gerade heftig diskutiert. Was meinen Sie dazu? (Tipp: In der W-JAX-Session (Home-)Office? diskutieren Martin Lippert und Matthias Lübken das Pro und Kontra von Homeoffice auf Basis der eigenen Erfahrungen bei Pivotal bzw. Adcloud).

Interessant ist an der Liste aber auch, was nicht darauf auftaucht. Das fängt bei so einfachen Dingen wie dem netten Wort oder dem Lob an, das der Vorgesetzte ab und zu mal mit dem Mitarbeiter wechseln sollte. Das kostet nichts, fördert die Zugehörigkeit zum Betrieb und schafft ein gutes Gefühl auf beiden Seiten. Handfestere Dinge, die man ebenfalls in einer solchen Liste erwarten würde, sind Incentives und finanzielle Anreize für Mitarbeiter, sowie die Tatsache, dass alle Angestellten fair und gleichberechtigt behandelt werden. Gerade der letzte Punkt ist in vielen Betrieben ein Problem, da Chefs oft ihre Lieblinge haben und die anderen sich dann unbewusst „zweitklassig“ vorkommen – eine Wahrnehmung, die sich dann auch in der Arbeitsleistung niederschlägt.

Was Angestellte wirklich antreibt, hat übrigens der Motivationsforscher Daniel Pink beschrieben:

  • Autonomie –  selbstbestimmtes Arbeiten ist weitaus nachhaltiger
  • Meisterschaft – bezeichnet das Streben, in etwas besser zu werden
  • Übergeordneter Zweck – wenn die Arbeit einem inspirierenden, übergeordneten Ziel dient, wird sie als sinnstiftend empfunden

Für alle, die das Video noch nicht kennen: Hier der sehenswerte Motivationsratgeber für Chefs und solche, die es werden wollen:

Aufmacherbuild: Unproductive word on grey background von Shutterstock / Urheberrecht: DeeaF

Geschrieben von
Selim Baykara
Selim Baykara
Selim Baykara studiert Anglistik, Amerikanistik und Soziologie an der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz.
Kommentare
  1. Perfetti2013-09-30 15:04:04

    Sehr effektiv ist es auch aus einer Programmierabteilung gleichzeitig ein Callcenter für Endbenutzeranfragen zu den Themen Windows, Word, Excel, Powerpoint usw. zu machen.

    Die Argumentation des IT-Leiters: "Damit können Sie dann auch andere Mitarbeiter des Unternehmens kennenlernen!"

    War nie unser Wunsch. Was anspruchvolles in Angriff zu nehmen lohnt sich kaum - denn der nächste Anruf kommt bestimmt ...

  2. Anne Köhler2013-10-08 16:39:15

    Die oben aufgelisteten 10 Dinge machen sicherlich nicht nur Entwickler unproduktiv. Trotzdem stimme ich natürlich zu. Trotz der Yahoo-Angelegenheit bin ich aber der Meinung, dass der Trend doch mehr und mehr in Richtung Home Office bzw. zumindest Home Office Möglichkeit geht. Das ist gut und wirkt natürlich automatisch einigen der 10 Punkte entgegen.

  3. Hmaster2015-08-26 11:35:15

    Mir fehlt als Produktivitätskiller noch der allgemeine Meetingwahnsinn. Man hetzt von einer Besprechung zur nächsten und kommt nie in den "Flow".

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