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Die Wiederentdeckung des „Originals“ der agilen Softwareentwicklung

Extreme Programming: XP Revisited

Holger Breitling

Heute erscheint in der öffentlichen Wahrnehmung häufig Scrum als das dominierende agile Vorgehensmodell - mit Kanban als aktuell trendigem "Sidekick". Dabei wird vergessen, dass die agile Bewegung mit Extreme Programming (XP) begann und viele so genannte "Scrum"-Projekte heute mindestens so viel XP wie Scrum enthalten. Grund genug, einmal gründlich zurück und extrem nach vorne zu blicken!

Extreme Programming (XP) ist die Entwicklungsmethodik, welche die Grundlage für die agilen Vorgehensweisen in der Softwareentwicklung gelegt hat. XP fand als erste dieser Methoden große Verbreitung. Das "Geburtsprojekt" von XP war die Entwicklung des Chrysler Comprehensive Compensation Systems. Dieses Projekt beim Autohersteller Chrysler, kurz C3 genannt, sollte ein neues, modernes Lohn- und Gehaltsabrechnungssystem erstellen und damit mehrere parallel operierende Legacy-Systeme im Konzern ablösen. Nachdem im Jahr 1995 mit der Implementierung begonnen worden war und diese nicht zufriedenstellend verlief, startete Chrysler das Projekt 1996 unter Führung von Kent Beck neu.

Vom C3-Projekt zu Extreme Programming

Beck, zu diesem Zeitpunkt bereits als Experte für Programmierung (Smalltalk, Patterns) und Entwicklungsmethodik (Refactoring) bekannt, konnte mit Rückendeckung des Managements im C3-Projekt seine Entwicklungsphilosophie annähernd in Reinform umsetzen: Das Projektteam wandte im Verlauf all jene Techniken an, die später Extreme Programming ausmachen sollten. Das C3-Projekt spielte deshalb anfangs eine große Rolle dabei, die Geschichte von XP zu erzählen und sich darüber auszutauschen, unter anderem im Wiki von Ward Cunningham [1]. Das C3-System wurde im Jahr 1997 produktiv eingeführt und übernahm die Lohn- und Gehaltsabrechnung von knapp 10 000 Angestellten. Es sollte anschließend weiter entwickelt und auf mehr Angestellte ausgedehnt werden; die Weiterentwicklung wurde jedoch im Jahr 1999 eingestellt [2].

Kent Beck fasste das im C3-Projekt erprobte (und zum Teil auch dort erarbeitete) Vorgehen in Form von Werten, Variablen und zwölf Techniken (Practices) zusammen und nannte es "Extreme Programming". Ende des Jahres 1998 erzählte das C3-Team seine Geschichte in einer Case Study mit dem Titel "Chrysler goes to ,Extremes'" [3], ein Jahr später veröffentlichte Beck dann bei Addison-Wesley "Extreme Programming Explained - Embrace Change" [4], das XP-Buch, das ein kleines Beben in der Welt der Informatik auslöste, weil es sich entschieden gegen vorherrschende Trends stellte und provokant formuliert war.

Im Februar 2001 verabschiedeten namhafte Softwareentwickler und Methodenvertreter dann das viel zitierte Agile Manifest [5]. Neben Kent Beck waren u. a. Schwaber, Beedle und Sutherland (Scrum), Alistair Cockburn (Crystal), Jim Highsmith (Adaptive Software Development) sowie Ward Cunningham, Robert C. Martin und Martin Fowler beteiligt. Trotz dieser Allianz sollte sich die agile Bewegung in den folgenden Jahren vorrangig von dem Interesse nähren, das XP durch eine ganze Reihe von Veröffentlichungen (u. a. die XP Series bei Addison-Wesley), Konferenzen und das Echo beim Publikum erzeugen würde.

Ein komprimierter Blick auf XP

Extreme Programming lässt sich anhand von sechs Aspekten komprimiert darstellen:

  • Die abgeflachte Kostenkurve
  • Die vier Variablen von XP
  • Die vier Werte von XP
  • Der "extreme" Ansatz
  • Die zwölf Techniken von XP
  • Die Rollen von XP
 
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