Torben Weis über Hintergünde und Ziele des Apache-Wave-Projekts

Zur Metamorphose von "Google Wave" zu "Apache Wave"

„Google Wave wird eingestellt“, hallte es Anfang August durch den Äther. Doch statt die noch junge Google-Kommunikationsplattform tatsächlich zu Grabe zu tragen, hatte Google im Septmber entschieden, große Teile des Quellcodes unter dem Namen „Wave-in-a-Box“ zur Verfügung zu stellen. Ende November nun die nächste freudige Botschaft: Das Wave-in-a-Box-Projekt wurde als offizielles Open-Source-Projekt unter dem Dach der Apache Software Foundation vorgeschlagen. Projekt-Committer Torben Weis erhellt die Hintergründe und Ziele der Metamorphose von „Google Wave“ zu „Apache Wave“.

JAXenter: Google Wave soll als offizielles Apache-Projekt weiterentwickelt werden. Welche Vorteile bringt der Umzug zur Apache Software Foundation?

Torben Weis: Die Apache Software Foundation ist bekannt dafür, starke Communities um Open-Source-Technologien aufzubauen. Als Apache-Incubator-Projekt wird Wave noch mehr interessierte Entwickler anziehen. Außerdem stellt Apache eine exzellente Infrastruktur, ausgereifte Richtlinien und Governance-Modelle zum Betreiben eines Open-Source-Projekts bereit.

Ein wichtiger Aspekt von Apache-Projekten ist, dass sie stets durch eine Vielzahl interessierter Parteien gestützt werden. Dies untermauert, dass Wave mehr ist als ein Stück Open-Source-Quellcode. Wave hat sich zu einem lebendigen Projekt mit einer vielfältigen Community aus unterschiedlichen Stake Holdern und zahlreichen Code-Committern entwickelt.

JAXenter: Welche Änderungen wurden an der Codebasis vorgenommen, seitdem Google die Einstellung von Wave als eigenständiges Produkt angekündigt hat?

Torben Weis: Google Wave war immer die Referenz-Implementierung, während andere kommerzielle oder quelloffene Projekte an der Umsetzung kompatibler Angebote gearbeitet haben. Damals enthielt FedOne, die von Google unterstützte Open-Source-Codebasis, Lösungen für die trickreichen Algorithmen (insbesondere Operational Transforms) und die Kommunikationsinfrastruktur. Allerdings waren das Open-Source-UI und der Server lediglich als Beispiel-Implementierungen gedacht, um neue Entwickler und Projekte auf den rechten Weg zu führen. Auf der Google I/O 2010 hat Google weitere signifikante Teile des Produktionscodes Open Source zur Verfügung gestellt, insbesondere den Real-Time-Texteditor und das unterliegende Wave-Datenmodell.

Mit Googles Ankündigung, Google Wave als eigenständiger Service einzustellen, wurden noch mehr Teile des internen Produktionscodes der Open-Source-Codebasis hinzugefügt. Tatsächlich wurden die Open-Source-Bemühungen dadurch regelrecht beflügelt. Dank dieser Anstrengungen verfügt Wave-in-a-Box (WiaB) nun über ein sehr schönes und leistungsstarkes Web UI. Der Server wird gerade erweitert, um Persistenz, User-Verwaltung und Zugangs-Kontrolle zu ermöglichen. Angesichts dieser Entwicklungen kam bei Google und der Community der Wunsch auf, „Google Wave“ durch „Apache Wave“ zu ersetzen und einerseits die Referenzimplementierung für die Wave-Technologie bereitzustellen sowie andererseits eine Deployment-fähige Lösung für das kollaborative Editieren im Web anzubieten.

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