Künstliche Intelligenz überall

Die Zukunft der Qualitätssicherung: Testautomatisierung und KI

Raffi Margaliot

© Shutterstock / Tashatuvango

Das letzte Jahr hat Unternehmen dazu gebracht, ihre Digitalisierungsstrategie überstürzt umzusetzen. Im Rahmen der Pandemie und der damit einhergehenden Restriktionen mussten IT-Abteilungen schnell Remote-Infrastrukturen anbieten und Programme entwickeln, die das Arbeiten von überall ermöglichen. Die beschleunigte digitale Transformation verdeutlichte die zentrale Rolle von Qualitätssicherung in Unternehmen. Auch die Ergebnisse des World Quality Reports 2020-2021 (WQR) deuten daraufhin hin, dass Qualitätssicherung eine immer größere Rolle einnimmt, auch in Hinblick auf unterschiedliche Unternehmensziele. Raffi Margaliot, Senior Vice President und General Manager bei Micro Focus, gibt einen Überblick über die wichtigsten Erkenntnisse aus dem WQR und einen Ausblick, wie Unternehmen in Zukunft durch den Rückgriff auf neue Technologien wie Automatisierung und Künstliche Intelligenz (KI) profitieren.

Der Anfang November 2020 veröffentlichte WQR von Capgemini, Sogeti und Micro Focus zeigt erneut die stetige Transformation der Qualitätssicherung von einer isolierten Aufgabe zu einem tragenden Pfeiler der Digitalisierung in Unternehmen. Im Rahmen des Reports wurden 1.750 CIOs und andere leitende Technologieexperten aus 10 Branchen und 32 Ländern befragt. Eine zentrale Erkenntnis: Das wichtigste Ziel für Testing und Qualitätssicherung ist mit 74 Prozent Zustimmung der Beitrag zum Unternehmenswachstum und den Geschäftsergebnissen – ein Anstieg um sechs Prozentpunkte im Vergleich zum WQR aus dem Jahr 2018. Außerdem zeichnet sich der Trend ab, dass die Befragten annehmen, durch die Qualitätssicherung auch strategische Ziele erreichen zu können. So scheint die zunehmende Bedeutung der Endnutzerzufriedenheit mit den steigenden Erwartungen an die Qualitätssicherung einherzugehen.

Agile Methoden und DevOps auf dem langsamen Vormarsch

Der WQR 2020-2021 deckte auf, dass das Bewusstsein für eine frühzeitige, teamübergreifende Sicherheitsstrategie innerhalb des Entwicklungszyklus gestiegen ist. Dies erklärt den verstärkten Rückgriff auf agile Methoden und DevOps-Ansätze im Bereich der Qualitätssicherung. Ein Trend, den vergangene WQRs bereits erfassten und den der aktuelle WQR ebenfalls identifiziert, ist eine Steigerung der Testautomatisierung mit dem Ship-Left-Ansatz. Eine umfassende Implementierung von DevOps-Praktiken und agilen Methoden ist jedoch noch nicht erfolgt. So geben die Befragten an, In-Sprint-Automatisierung nur in geringem Maße zu nutzen. Außerdem weisen die Teams mangelnde Expertise im Bereich der Qualitätssicherung auf. Diese beiden Herausforderungen müssen Unternehmen in Zukunft meistern, wollen sie durch Qualitätssicherung ihre definierten Ziele erreichen.

Chancen und Herausforderungen: Automatisierung und KI

Neben agilen Methoden und DevOps-Ansätzen findet eine weitere fortschrittliche Praxis langsam Einzug in die Qualitätssicherung: Der Einsatz von KI. Dabei ist dieses kein gänzlich neues Konzept. In den vergangenen Jahren hat sich jedoch die Leistungsfähigkeit von Computern und Cloud-basierten Serviceleistungen stetig verbessert. Außerdem wurde die Anwendung von KI auf bestehende Datensätze einfacher. Diese technologischen Rahmenbedingungen ermöglichen den umfassenden Einzug von KI in die Qualitätssicherung, was die Zahlen des WQRs bestätigen. 88 Prozent der Befragten gaben an, dass der Bereich ihrer Testaktivitäten, der am stärksten wächst, KI-basiert ist. 86 Prozent sehen in KI ein Schlüsselkriterium bei der Auswahl neuer Qualitätssicherungs-Lösungen. Die größte Herausforderung sehen die Befragten mit 34 Prozent bei Qualifikationslücken der Mitarbeiter, dabei verringerte sich diese Zahl im Vergleich zum letzten WQR um zwei Prozent.

Neben KI kann auch die Implementierung von Automatisierung die Qualitätssicherung unterstützen. Dabei identifizieren die Befragten in den vergangenen WQRs vor allem den Mangel an Mitarbeitern mit ausreichender Fachkenntnis und Erfahrungen im Bereich Testautomatisierung als Herausforderung. Zusätzlich gaben zwei Drittel der Befragten des aktuellen WQRs an, dass die Frequenz, in der sich Anwendungen verändern, zu hoch sei. Dies erschwere den umfassenden Rückgriff auf Testautomatisierung. Eine weitere Herausforderung scheint das Vertrauen in die Technologie darzustellen: Lediglich 37 Prozent der Befragten sind der Ansicht, dass sich die Investitionen in Testautomatisierung auszahlen. Der WQR zeigt außerdem: Der Zweifel an der Generierung von Nutzen durch die Testautomatisierung äußert sich beispielsweise bei deutschen Befragten in einem geringen Testautomatisierungsgrad über alle erfassten Testaktivitäten hinweg. Dem gegenüber stehen vielversprechende Zahlen für die Zukunft: 68 Prozent der Befragten geben an, dass sie über die erforderlichen Automatisierungstools verfügen, 63 Prozent geben an, genügend Zeit für die Testautomatisierung zu haben.

Best Practices: Die Qualitätssicherung von Morgen

Die aktuellen Umstände erfordern eine schnelle Bereitstellung von Lösungen und Software, die Unternehmen auf dem Weg ins neue Normal unterstützen. Daher müssen die Test-Ökosysteme und Qualitätssicherungsprozesse in Unternehmen optimiert werden. Durch die Vergleiche der Ergebnisse der unterschiedlichen Reports lassen sich deutliche Trends identifizieren: Agile Methoden und DevOps-Praktiken scheinen langsam ihren Einzug in die Qualitätssicherung zu finden. Dies ist elementar, denn wer wettbewerbsfähig bleiben will, braucht neuartige, vernetzte Arbeitsweisen beim Testing. Außerdem zeigt der Report: Es mangelt an Expertise. Egal ob bei DevOps-Praktiken, im Bereich der Testautomatisierung oder bei Qualifikationen im Bereich KI, Unternehmen müssen die bestehenden Defizite ihrer Mitarbeiter erkennen und aktiv dagegen vorgehen. Nur so können sie die Chancen, die die neuen Ansätze und Technologien bieten, auch nutzen. Agile Methoden, DevOps-Praktiken, KI und Automatisierung unterstützen Mitarbeiter dabei, stets frühzeitig zu agieren und schaffen eine Testumgebung, die Qualitätssicherung bestmöglich unterstützt.

Geschrieben von
Raffi Margaliot

Raffi Margaliot leitet den Produktbereich Application Delivery Management bei Micro Focus und verfügt über mehr als ein Jahrzehnt Erfahrung in der Entwicklung von Geschäftsstrategien, der Produktentwicklung und der Bereitstellung innovativer Technologielösungen, die Kundenprobleme adressieren. Raffi war einer der Gründer der heutigen Application-Lifecycle-Management-Plattform und kam durch die Übernahmen von HPE Software und HPs Übernahme von Mercury Interactive zu Micro Focus. Er schloss die Hebrew University of Jerusalem in Israel sowohl mit dem Bachelor- als auch dem Master-Abschluss in Informatik ab.

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