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Setzen wir zu großes Vertrauen in Technologie?

Michael Thomas

© Shutterstock.com/ Andrea Danti

Eine aktuelle Studie untersucht, warum die meisten Menschen ein felsenfestes Vertrauen in Technologie setzen und wie dieses persönliche und organisatorische Entscheidungen beeinflussen kann.

Setzen wir zu großes Vertrauen in Technologie? Diese Frage stellt sich vor dem Hintergrund der technologischen Entwicklung (insbesondere der letzten Jahrzehnte) immer wieder aufs neue. Technologie verändert nicht nur unser aller Leben, sondern verändert auch die Art und Weise, wie Unternehmen und andere Organisationen aufgebaut sind, auf nachhaltige Weise. Obwohl es neben den erfolgreichen Technologien auch mehr als genügend Beispiele für teils grandioses Scheitern gibt, ist ein weitgehendes Vertrauen in technologische Lösungen zu beobachten.

Gegenstand der Forschung

Woher dieses rührt, versuchte eine aktuelle Studie der Univesity of Missouri herauszufinden. Wie die Forscher in „The Technology Effect: How Perceptions of Technology Drive Excessive Optimism“ schreiben, hat sich die Technologie bis zu einem Grad entwickelt, dass einzelne Technologien von den meisten Menschen nicht mehr verstanden werden, jedoch trotzdem von diesen angenommen wird, dass sie funktionieren – ein Bezug zum 3. Clarkeschen Gesetz („Jede hinreichend fortschrittliche Technologie ist von Magie nicht zu unterscheiden“) drängt sich förmlich auf. Generell konnten die Forscher feststellen, dass Menschen mit Technologie unbewusst eine Vorstellung von Erfolg verknüpfen, was wiederum zahlreiche Entscheidungen in den unterschiedlichsten Bereichen – wozu auch finanzielle und Geschäftsentscheidungen gehören – beeinflusst. Die Untersuchung dieses Effekts ist gerade deshalb wichtig, so die Forscher weiter, weil Technologie mittlerweile praktisch alle Lebensbereiche durchdringt.

Übersteigertes Vertrauen

Die Autoren haben diesem übersteigerten Selbstvertrauen die Bezeichnung „the technology effect“ verliehen. Die Ursache des Effekts führen die Forscher größtenteils darauf zurück, dass die Menschen in Industriegesellschaften konstant von zahlreichen unterschiedlichen Technologien umgeben sind – naturgemäß insbesondere von denjenigen, die funktionieren und sich als erfolgreich erwiesen haben. Die zahlreichen gescheiterten Technologien hingegen werden ausgeblendet, was letztendlich dazu führt, dass im Grunde allen Technologien eine (Daseins-)Berechtigung zugeschrieben wird.

Offenbar, so die Forscher weiter, vertrauen Menschen auch bei Technologien, mit denen sie keine Erfahrung haben, eher darauf dass diese Lösungsmöglichkeiten für eine große Bandbreite von Problemen liefern. Neue Technologien werden sozusagen automatisch in eine Kategorie eingeordnet, die man mit „tolle Dinge die einfach funktionieren – auch wenn ich nicht weiß, wie“ umschreiben kann. Etablierte Technologien, die nachweislich gut funktionieren – z.B. Elektrizität, Solarkraft, Telefone – rufen hingegen deutlich weniger Begeisterung hervor und die meisten glauben nicht daran, dass diese zu neuen Lösungen führen können.

Bei manchen führt das Vertrauen in die Innovationskraft neuer Technologien gar zu der fatalen Einstellung, sich einen ungesunden, selbstzerstörerischen Lebensstil zu leisten, da irgend jemand in der Zukunft ja möglicherweise eine Lösung für beispielsweise die durch Drogenkonsum hervorgerufenen Gesundheitsschäden finden könnte.

Ein Bewusstsein für den „technology effect“ zu entwickeln, sich klar zu machen, wie unser Verhalten von einem übersteigerten Vertrauen in Technologie subtil beeinflusst wird, steht somit praktisch jedem gut zu Gesicht. Ein netter Nebeneffekt könnte zudem sein, dass einflussreiche Entscheidungsträger in Politik und Wirtschaft künftig regelmäßig Rat von Menschen einholen, die über eine tatsächliche Expertise in einer fraglichen Technologie verfügen – bevor weitreichende Entscheidungen gefällt werden…

Aufmacherbild: Human hand touching an android hand von Shutterstock.com / Urheberrecht: Andrea Danti

Geschrieben von
Michael Thomas
Michael Thomas
Michael Thomas studierte Erziehungswissenschaft an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und arbeitet seit 2013 als Freelance-Autor bei JAXenter.de. Kontakt: mthomas[at]sandsmedia.com
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