Bericht vom Eclipse Mars DemoCamp in Kassel

Zieleinlauf für Eclipse Mars

Sophie Hollmann

Rund um die Welt finden auch in diesem Sommer wieder eine ganze Reihe von DemoCamps statt. Im Zentrum steht wie immer das neueste Eclipse-Release, diesmal mit dem Namen „Mars“. Am 15. Juni 2015 fand das DemoCamp in Kassel zum ersten Mal nicht im „Zirkus Rambazotti“, sondern im frisch eingeweihten Science Park Kassel statt.

Das Programm zog mit seinen spannenden Vorträgen über neue Eclipse-Technologien etwa 40 Interessenten an. Wie immer bot das DemoCamp für alle Teilnehmer auch die Gelegenheit, Bekannte und Freunde aus der Eclipse Community wiederzutreffen und neue Kontakte zu anderen Eclipse-Enthusiasten zu knüpfen. Die Begrüßung übernahm Manuel Bork von Yatta, dann ging es auch schon ans Eingemachte: Insgesamt fünf Demos standen auf dem Programm.

 A Journey to Mars – Das neue Eclipse-Release entdecken

In der ersten Demo beleuchtete Andreas Scharf (Yatta Solutions GmbH) das kommende Eclipse-Release Mars. Als eine der wichtigsten Neuerungen stellte er Verbesserungen beim Download und bei der Installation vor: Packages lassen sich zukünftig von der Downloadseite aus direkt über den Eclipse Installer einbauen. Von hier aus können zum Beispiel der Installationsordner festgelegt und die Option für einen Eintrag im Startmenü gewählt werden. Die benötigten Pakete werden heruntergeladen und ein neuer Workspace kann gestartet werden.

Darüber hinaus lässt sich der Workspace-Pfad nun aus Eclipse heraus anzeigen. Das kann sinnvoll sein, um bei vielen gleichzeitig laufenden Eclipse-Instanzen den Überblick zu behalten. Auch Mars‘ Konsole ist deutlich besser verwendbar. Mehrere gleichzeitig gestartete Prozesse können auch gleichzeitig terminiert werden. Der Scroll-Lock wird beim Scrollen durch die Konsolenausgabe jetzt automatisch ein- und ausgeschaltet. Ebenso lassen sich Zeilenumbrüche ein- und ausschalten, was beim Kopieren langer Zeilen hilfreich ist. Darüber hinaus besteht mit Mars die Möglichkeit, geöffnete Editoren endlich wieder zu pinnen oder einer Dateiendung einfach einen standardmäßig zu verwendenden Editor zuzuweisen.

Unter der Haube bietet Mars eine verbesserte Compiler-Performance und – anders als noch in Luna – eine optimierte Null-Check-Flow-Analyse. Der Support für Lambda-Expressions wurde ebenfalls verbessert. Und wenn der Quelltext mal nicht richtig eingerückt wird, lässt sich mit einem neuen Formatter-API jetzt auch tiefer in die Formatierung eingreifen. Für eine bessere Performance könnte ein neues API für Jobgroups in Mars sorgen, das den Eclipse Plug-ins bei der Parallelisierung von Hintergrundaufgaben hilft.

Auch der Eclipse Marketplace wird übersichtlicher. Plug-ins werden versionsabhängig angezeigt, so dass keine redundanten Einträge für andere Eclipse-Versionen mehr sichtbar sind. Bei der Installation von Plug-ins sind optionale Features durch eine vordefinierte Auswahl nun auch als solche zu erkennen.

Mit einem automatischen Error-Reporter, sowie einer Erkennung von UI-Freezes wurden außerdem wichtige Schritte getan, um die Qualität und Stabilität von Eclipse für das Mars Release und darüber hinaus zu verbessern.

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A Journey to Mars, vorgestellt von Andreas Scharf

 

Die Ceylon-IDE

Die zweite Demo begann mit einem Ausflug in die Kolonialgeschichte: Während Java noch heute für Kaffeeanbau weltberühmt ist, verbindet man Ceylon mit Tee. Schon die Namensgebung der Programmiersprache Ceylon spielt also ebenso auf die Gemeinsamkeiten wie auf die Gegensätze zu Java an.

Dietmar Höhmann (IT-Con Beratung und Service) führte die IDE für Ceylon vor, die von Red Hat als Java-Alternative entwickelt wurde. Die 2011 von Gavin King – bekannt durch Hibernate und Seam – vorgestellte Programmiersprache zeichnet sich durch ein modernes Typkonzept und eingebaute Modularität aus. Ziel von Ceylon war es von Anfang an, im Vergleich zu Java fortschrittlichere Sprachfeatures sowie eine gut lesbare Syntax zu bieten.

Die Ceylon eigenen Sprachkonstrukte verhindern Zugriffe auf Null-Referenzen oder illegale Typumwandlungen bereits zur Compile-Zeit. Ceylon wird für die JVM kompiliert und bietet ebenfalls Support für die JavaScript-Kompilierung. Die Ceylon-IDE wird als Plug-in für Eclipse bereitgestellt.

Eine Tasse Ceylon gab es von Dietmar Höhmann

Eine Tasse Ceylon gab es von Dietmar Höhmann

Einfache Installation und Sharing des Eclipse-Setups

Frederic Ebelshäuser (Yatta Solutions GmbH) lieferte ein Update zum Profiles-Projekt. Ein neues Eclipse-Setup aufzusetzen kann lange dauern und frustrierend sein, zum Beispiel wenn ein ganzes Team ein Update einspielen muss. Yatta Profiles soll das Einrichten von Eclipse vereinfachen und beschleunigen.

Eine App, der Launcher, wandelt die Eckdaten einer einmal erstellten Eclipse-Workspace-Kombination zu einem Profil um, das dann zum Beispiel mit Teammitgliedern geteilt werden kann. Updates sind allen Nutzern automatisch zugänglich, die das entsprechende Profil installiert haben. Der Launcher ermöglicht es außerdem, alle installierten Eclipse-Instanzen zu starten und zu verwalten. Profiles baut auf dem bekannten Oomph-Projekt auf. Die Beta-Version steht demnächst zum Test bereit. Registrieren kann man sich bereits unter profiles.yatta.de.

Leichter Eclipse installieren mit Profiles, vorgestellt von Frederic Ebelshäuser

Leichter Eclipse installieren mit Profiles, vorgestellt von Frederic
Ebelshäuser

Graphische Eclipse-Editoren mit Graphiti – die Model-driven Big Data Analytics Tool Suite

Dem Problem, wie komplexe Datenanalysen grafisch und damit allgemein verständlich darzustellen sind, widmete sich Marcel Hahn (Hahn Projects) in seinem Vortrag. Am Beispiel der Model-Driven Big Data Analytics (MDBDA) Tool Suite erläuterte er die Vorzüge von Graphiti als Eclipse-basiertes Grafikframework zur schnellen und einfachen Entwicklung von grafischen Editoren. Dabei verwies er besonders auf die gute Dokumentation und einfache Handhabbarkeit von Graphiti und das gut sortierte Java-API.

Im laufenden Mars-Release-Train wurden eine Menge Bugs gefixt sowie der Support für lang laufende Berechnungsjobs deutlich verbessert. Zudem gibt es darin weit mehr Kontrollmöglichkeiten über den Undo/Redo-Stack.

MDBDA ist eine in Eclipse integrierte Tool-Suite, mit der sich Datenanalysen auf grafischer Ebene spezifizieren lassen und mit der anschließend auch der Analyse-Code generiert werden kann. Die Tool-Suite greift auf Technologien wie zum Beispiel Graphiti, EMF, Xtend und Xcore zurück und unterstützt die Arbeit mit verschiedenen Datenquellen wie Cassandra, Neo4J oder Hadoop HDFS. Lizensiert ist MDBDA unter der Apache-Lizenz 2.0.

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Mit etwa 40 Teilnehmern war das Eclipse DemoCamp in Kassel gut besucht

 

Das Jubula-Client-API

Sebastian Struckmann (BREDEX GmbH) beleuchtete zum Abschluss die Möglichkeit, Jubula-Tests auch in Java zu schreiben. Hauptsächlich richtet sich Jubula bekanntlich an fachliche Tester, seit Januar steht jedoch auch das Java-API zur Verfügung. Die Konzepte sind noch immer die gleichen, doch durch die neu geschaffene strikte Trennung in API und altbekanntes Jubula UI lassen sich Tests nun direkt über die IDE in Java programmieren.

Der gleiche Test kann damit sowohl in der Jubula-ITE (Integrated Testing Environment) als auch mit dem Jubula-Client-API durchgeführt werden. Was die Kombination von Java und Jubula-Aktionen leistet, zeigte sich an den „Türmen von Hanoi“. Mittels eines Vierzeilers kontrollierte Jubula eine JavaFX-Anwendung, um die Blöcke zu verschieben. Die Jubula-Client-API ist bereits seit 2014 separat nutzbar und wird nun Teil von Eclipse Mars.

Ausklang

Ein abendliches Grillen, das in Kassel schon Tradition ist, rundete den Abend ab und bot bis tief in den Abend Gelegenheit zu weiteren Gesprächen rund um das anstehende Release. Weiter geht die DemoCamp Tour am 19. Juni in Wien und am 23. Juni in Bangalore.

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Geschrieben von
Sophie Hollmann

Sophie Hollmann ist Technische Redakteurin und bei Yatta mit der umfassenden Dokumentation von Yatta Profiles for Eclipse betraut. Die
Spezialistin in Sachen strukturierter Text ist für die knackige Aufbereitung wichtiger Informationen zuständig. Die vielen verschiedenen Informationen und technischen Daten in ihrem Kopf hält sie in der Freizeit mit Cellospielen und Radtouren unter Kontrolle.

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