RoboVM ist nicht mehr Open Source

Xamarin übernimmt RoboVM

Waldemar Cichon

©Shutterstock/josefkubes

Mit einer kurzen Pressemitteilung, ohne großes Aufsehen, hat Xamarin, der Hersteller des .NET-Cross-Plattform-Frameworks bekannt gegeben, dass es den in der Java-Welt beheimateten Konkurrenten RoboVM übernimmt. Beide Firmen hätten einen sehr ähnlichen Focus und würden sich optimal ergänzen, da sie fast das gleiche in zwei der wichtigsten Programmierumgebungen auf dem Markt bewirken.

„Wenn Xamarin eine Lösung für die Java-Welt von der Pike programmieren würde, würde diese fast genauso wie RoboVM aussehen, weil deren Entwickler denselben, auf native Apps ausgelegten Ansatz verwenden“ sagt Nat Friedeman, CEO und Mitbegründer von Xamarin zu diesem Kauf.

Xamarin ermöglicht das Programmieren von iOS-, Android- sowie Windows-Applikationen mit der gleichen Code-Basis. RoboVM hingegen erlaubt es, in Java iOS-Applikationen zu entwickeln. Beide verwenden einen sogennanten AOT-Compiler, der die in Bytecode/CIL (Common Intermediate Language) vorliegende Applikationen in nativen Maschinencode übersetzt. So lassen sich die Apple-Limitationen bezüglich der zu verwendenden Programmiersprache umgehen.

Zu erwarten ist jetzt, dass demnächst einige Entwicklungen aus Xamarin den Weg in das RoboVM-Studio (und womöglich auch in das Eclipse Plug-in) finden. Dieses würde die Entwicklung von iOS-Applikationen nochmals erleichtern und das fortdauernde Umschalten zwischen XCode und der Java-Entwicklungsumgebung obsolet machen. Da voraussichtlich auch die AOT (Ahead of time) Compiler auf die gleiche technologische Basis gestellt werden, fließen darin die Erkenntnisse beider Firmen zusammen. Das Übersetzen und Linken der nativen iOS-Applikationen wird damit schneller und optimaler erfolgen, als auch kleinere und effizientere Applikationen liefern (z.B. durch den tree-shaking-Algorithmus von RoboVM).

Abkehr von Open Source

In einer weiteren Mitteilung auf ihrer Homepage wird ein neues Pricing-Modell erläutert. Damit ist die bisherige, kostenlose OpenSource-Version mit eingeschränktem Umfang nicht mehr im Programm. Alle Versionen müssen bis auf eine zeitlich beschränkte Trial-Edition im Abo-Verfahren bezahlt werden. Auch sollen sich bestimmte, bisher Open Source verfügbare Code-Teile von GitHub verabschieden. Es ist aber so, dass bis heute noch die entsprechenden Quellcode-Dateien auf GitHub in der aktuellen Version 1.8 zu finden sind.

Warum also eine Abkehr von Open Source? Den Grund dafür begründet Mario Zechner, einer der Gründer von RoboVM damit, dass sich zuletzt sehr viele andere Firmen am Code von RoboVM bedient hätten und diesen in eigenen kommerziellen Produkten verwendet hätten. Im Gegensatz dazu ist seit langer Zeit kaum etwas von außen in das Projekt eingeflossen. Der Trend hierzu war aber bereits seit der Version 1.0 erkennbar, wo in der Open-Source-Variante die Interface-Builder-Integration fehlte, die das Arbeiten mit RoboVM im hohen Maße erleichtert. Welche Firmen sich nun an dem Code von RoboVM bedient hätten, hat Mario Zechner nicht bekanntgegeben.

Aufmacherbild: Vintage tin toy robot von Shutterstock / Urheberrecht: josefkubes

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