XaaS – Everything as a Service?

Infrastructure as a Service (IaaS)

Die bislang wohl am weitesten verbreitete Serviceebene Infrastructure as a Service (IaaS) beschreibt die Bereitstellung von Infrastrukturkomponenten wie Serversystemen. Der Nutzer kann ein „Stück“ Infrastruktur bedarfsgerecht verwenden. Aus der Cloud kommt dabei im Wesentlichen die Rechenleistung, die Rechnerinstanz muss der Servicenehmer aber weitgehend selbst verwalten. Er entscheidet über Betriebssystem, installierte Software und die Benutzerrechte und ist damit auch dafür verantwortlich, dass die Anwendungen für die User bereitgestellt werden und nutzbar sind. Die Cloud ist ausschließlich für die Bereitstellung der Rechenleistung und gegebenenfalls der Speicherkapazität verantwortlich.

Wurde bisher bei neuen Anforderungen (z. B. bei der Einführung einer neuen Software) die IT-Umgebung durch neue Hardware wie Storage-Systeme oder Server erweitert, werden die benötigten Systeme jetzt nur noch „deployt“, d. h. virtuell zur Verfügung gestellt. Ein erster kommerzieller Ansatz wurde von Amazon Web Services mit dem Elastic Cloud Computing EC2 [3] oder dem Simple Storage Service S3 [4] umgesetzt. Hier können die gewünschten Ressourcen via Internet gemietet werden. Die Abrechnung erfolgt nach der Nutzungsdauer, also der tatsächlich benötigten Rechenzeit, oder dem belegten Speicherplatz.

Der große Vorteil dieser Serviceebene liegt in der schnellen und einfachen Verfügbarkeit neuer, zusätzlicher Rechenleistung beziehungsweise Speicherkapazität. Und genauso schnell können die Systeme quasi wieder zurückgegeben werden. Es entstehen nur Kosten für die Zeit der tatsächlichen Nutzung. Gerade in Entwicklungsabteilungen, wo beispielsweise kurzfristige Tests, ein Proof of Concept oder Ähnliches durchgeführt werden sollen, bietet das Cloud Computing hier durch IaaS vollkommen neue und vor allem preiswerte Möglichkeiten. Aber auch besondere Aufgaben in den Fachabteilungen wie etwa ein Jahresabschluss oder Saisonzeiten bei Bestellprozessen (z. B. das oft zitierte Weihnachtsgeschäft) können hier einfach, effektiv und günstig mit zusätzlichen Ressourcen ausgestattet werden.

Diese Beschreibungen implizieren geradezu die Annahme, dass es sich hier um eine Public Cloud handeln muss. Im Unternehmen nicht vorhandene Infrastruktur kann flexibel, kurzfristig und auf Zeit „dazugekauft“ werden. Nichtsdestoweniger denken auch Verantwortliche in den IT-Abteilungen über die Einführung von Cloud-Technologien für IaaS nach, um auf Anfragen flexibler reagieren und die Dienstleistungen selbst schneller anbieten zu können. In diesem Fall handelt es sich letztlich um eine konsequente Weiterentwicklung bei der Bereitstellung von Systemen mittels der in der Regel ohnehin vorhandenen Virtualisierungstechnologien.

Platform as a Service (PaaS)

Platform as a Service (PaaS) kann als eine Erweiterung oder Ergänzung oberhalb von IaaS oder als eigenständige Architektur betrieben werden. Bei PaaS handelt es sich um eine Laufzeitumgebung, die dynamisch genutzt werden kann, und auf der normalerweise unterschiedliche Software und Programme betrieben oder entwickelt werden. Einer der bekanntesten Anbieter für PaaS ist Google mit seiner App Engine [5] für den Betrieb von Java- oder Python-basierten Anwendungen. Die Abrechnung erfolgt anhand von Quotas, die sich auf Anwendungs-Requests, CPU-Zeit oder Bandbreiten beziehen. Auch Windows Azure von Microsoft zählt zu den PaaS-Produkten [6].

Die Hauptkomponente bei PaaS sind Web Services. Anstelle des Einsatzes eines monolithischen Systems werden Anwendungen oder Teile daraus als Services bereitgestellt. So ergeben sich Vorteile für die Wiederverwendung dieser Dienste; beispielsweise kann ein Dienst, der eine Kundennummer liefert, sowohl im Bestellprozess als auch bei der Rechnungsstellung verwendet werden. Im Kontext des Cloud Computing werden diese Dienste nun übergreifend zur Verfügung gestellt, können gegebenenfalls sogar firmenübergreifend zugegriffen werden (B2B). Die Abrechnung der Web Services erfolgt dann ebenfalls bedarfsorientiert auf Basis verschiedener Kennzahlen (z. B. anhand der Anzahl der Aufrufe eines Web Service, des übertragenen Datenvolumens etc.).

Der Servicenehmer von PaaS hat im Gegensatz zu IaaS keinen Zugriff auf die hinter den Services liegenden Systeme, auch nicht auf die (virtuellen) Rechnerinstanzen. Er kann lediglich seine selbst- oder fremdentwickelten Programme in einer Laufzeitumgebung aus der Cloud betreiben. Bei Problemen ist er somit auch auf die schnelle und wirksame Unterstützung durch den Service-Provider angewiesen. Seiteneffekte durch andere Programme in der gleichen Cloud-Umgebung kann er selbst nicht beeinflussen, insbesondere dann nicht, wenn die Plattform in einer Public Cloud bereitgestellt wird.

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