World Wide Web: Nur online sein, genügt nicht

Bernd Beiser, Geschäftsführer der NetNames GmbH

Cybersquatter besetzen Domains, wo die Unternehmens- oder Markennamen sehr ähnlich sind, und setzen Firmen so unter Zugzwang: Ein gut durchdachtes Domainnamenmanagement schützt Firmen und Verbraucher.

Als bekannt wurde, dass der Starkicker David Beckham zu LA Galaxy wechseln würde, witterte ein Onlinebetrüger das große Geschäft. Er ließ alle Domainversionen des LA-Galaxy-Namens, die ihm einfielen, registrieren und wurde so zum Besitzer von Domains wie www.lagalaxy.org, www.lagalaxy.info und www.galaxy.co.uk. Der Haken: Alle Beckham-Fans, die mehr über den Wechsel ihres Idols erfahren wollten, landeten auf Webseiten mit kostenpflichtiger Pay-per-Click-Werbung.

Kein Einzelfall, denn mit Seiten wie diesen scheffeln so genannte Cybersquatter Geld. Cybersquatting leitet sich dabei vom englischen Wort für Hausbesetzer (squatter) ab. Der Website-Schwindel hat Methode: Nach Angaben der internationalen Organisation zum Schutz von geistigem Eigentum (World Intellectual Property Organisation – WIPO) ist die Zahl der Cybersquatting-Vorfälle im Jahr 2006 um ein Viertel angestiegen.

Ein Netz von Namen

Weltweit sind derzeit über 120 Millionen Domainnamen als vor allem Website- und E-Mail-Adressen registriert. Aber sie helfen auch Onlinemarken, sich vor Missbrauch geistigen Eigentums zu schützen und werden daher zum Beispiel für Geschäftsideen reserviert. In der Internetgesellschaft ist der Domainname eines der wichtigsten Unternehmensgüter, das es zu organisieren und zu schützen gilt. Er schafft Identität im Cyberspace und ist die maßgebliche Verbindung zwischen der Offline- und der Onlinewelt. Die gemeinnützige Internet Corporation for Assigned Names and Numbers (ICANN) verwaltet das Domain Name System (DNS) und sorgt dafür, dass jede Adresse einmalig und ein Domainname seiner IP-Adresse zugeordnet ist. Diese Internetprotokolladresse dient zur eindeutigen Adressierung von Rechnern und anderen Geräten in einem IP-Netzwerk.

Oft fehlen noch Gesetze

Während in den meisten Ländern bereits umfassende Gesetze zum Schutz von Unternehmensrechten bestehen, ist die Domainvergabe bislang nur unzureichend abgesichert. Zwar schützen die USA Domainnamen und das mit ihnen verbundene geistige Unternehmenseigentum durch den Anticybersquatting Consumer Protection Act (ACPA). Doch in anderen Ländern stecken ähnliche Ansätze noch in den Kinderschuhen. Bei der Registrierung von Domainnamen gilt das Prinzip: Wer zuerst kommt, mahlt zuerst. Genau dieses System nutzen Cybersquatter. Sie registrieren Begriffe, die den Namen bekannter Unternehmen oder Marken sehr ähnlich sind, um sie dann meistbietend zu verkaufen. Zu diesem Zweck verwenden sie etwa Schreibweisen mit Bindestrich, noch freie Domainsuffixe wie co.uk oder rufschädigende Domainnamen wie www.ich-hasse-xyz.de. Hier gibt es die Möglichkeit, Cybersquatter zu verklagen, doch kann dies sehr zeitaufwendig sein. Unternehmen, die externe, imagegefährdende Domainregistrierungen bemerken, können sich daher an Domainnamenmanagement-Spezialisten wenden. Diese sammeln stichhaltige Beweise und nehmen die rechtliche Rückgewinnung in die Hand. Auf diese Weise ist es möglich, negative Auswirkungen einzudämmen, damit potenzielle Kunden nicht länger auf falschen Websites landen.

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Bernd Beiser, Geschäftsführer der NetNames GmbH
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