Lunch & Learning

Workplace Learning Culture: Wie man durch gemeinsames Mittagessen fit für die Zukunft wird

Savvas Hajiraftis

© Shutterstock.com / Lightspring

Egal ob Neuling in der IT oder langjähriger Veteran – von der Workplace Learning Culture kann jeder profitieren, um flexibler und besser auf die neuen Anforderungen des Marktes zu reagieren. Wie das genau funktioniert, wollen wir uns in diesem Beitrag ansehen.

Die Arbeitswelt wird technischer, schneller und demnächst, sofern die Entwicklung weiterhin ungebremst voranschreitet, auch automatisierter. Wer als Programmierer oder Entwickler im IT-Sektor arbeitet, hat hier in der Regel einen guten Stand. Doch gilt gerade auch hier, dass es immer wichtiger wird, möglichst flexibel und agil zu sein. Wer dazu in der Lage ist, sich z.B. eigenständig neue Technologien anzueignen und neue Sprachen zu erlernen, hat einen immensen Vorteil.

Allerdings sollte man sich nicht in die Irre führen lassen, denn nicht nur das Erlernte stellt diesen Vorteil dar, sondern die Fähigkeit zu lernen selbst. Diese Idee soll mit der Workplace Learning Culture (WLC) gefördert werden, denn eine sich stets verändernde Arbeitswelt verlangt nach einem neuen Lernkonzept, das dazu in der Lage ist, auf den Wandel zu reagieren.

Was genau ist WLC?

Die Workplace Learning Culture (WLC) zielt darauf ab, flexibleres Denken und Handeln zu gewährleisten. Mit der WLC soll der Arbeitsplatz zu einem Ort werden, an dem nicht nur gearbeitet wird, sondern auch das Lernen im Beruf nicht zu kurz kommt. In seinem Artikel „Building a Workplace Learning Culture“ zeichnet Lou Bichard, Frontend-Software Entwickler aus London, ein  Bild, in dem Wissen und Erfahrung nicht mehr die alleinigen Faktoren für Erfolg oder Misserfolg sind. Jetzt – im Kontext der komplizierter werdenden Welt – komme es vor allem auf die Bereitschaft zum Lernen an und darauf, bestehendes Wissen mit anderen zu teilen. Durch das Lernen soll eine Widerstandsfähigkeit oder auch Antifragilität geschaffen werden, mit der man nicht nur Herausforderungen meistern kann, sondern an ihnen wächst und besser wird.

Um zu verstehen, was die WLC ist, muss man einen Blick in die Vergangenheit werfen. Das ist notwendig, weil Lernen früher anders stattfand. Es war vor allem eine Sache der Formalität: Lernen wurde verordnet. Dafür mussten die Skill-Gaps festgestellt werden, dann konnte man sich nach entsprechenden Formen der Weiterbildung umschauen, zu denen man seine Teams oder Mitarbeiter schickte. Somit wurde Wissen sehr gezielt und fast schon eingeschränkt erworben – das Lernen fand zu einem bestimmten Zweck statt und war nicht auf allgemeine Flexibilität oder Problemlösungsfähigkeit angelegt.

In einer WLC ist das anders. Hier steht vor allem die Fähigkeit zu lernen und sich über das Erlernte mit anderen Menschen auszutauschen im Vordergrund. Dadurch sollen Mitarbeiter und Teams befähigt werden, flexibel auf Probleme zu reagieren und souveräner zu agieren.

Durch Fehler lernen

Das Fehlermachen ist ebenso essentiell wie das Wissen der Mitarbeiter. Denn nur wer Fehler begeht und dies erkennt, wird dazu in der Lage sein, aus ihnen zu lernen. Zu oft ist es der Fall, dass das Fehlermachen als Indiz für Inkompetenz gedeutet wird. Doch Fehler stellen eine Informationsquelle dar, die man positiv nutzen kann und sollte. Wichtig ist dabei, Fehler nicht auf rein defizitärer Ebene zu betrachten, sondern sie so zu instrumentalisieren, dass sie als sinnvolle Lerneinheit dienen können.

Wie man eine Lernkultur kultiviert

Jetzt stellt sich die Frage, wie man am besten eine gemeinsame Lernkultur etablieren kann. Gerade in der IT, in der oft mehrere Teams an verschiedenen Projekten arbeiten und die Kommunikation nicht immer zwangsläufig face-to-face abläuft, kann sich dieser Punkt als schwierig erweisen, insbesondere dann, wenn es an der nötigen Zeit mangelt. Hierfür existiert ein interessanter Ansatz, der diese Punkte berücksichtigt: das Lunch&Learning (L&L).

Lunch & Learning

Die Idee ist einfach: Beim Lunch&Learning trifft man sich zum Essen mit seinem Team oder anderen Kollegen und lernt dabei etwas. Der Gegenstand des Lernens kann erst einmal offen gelassen werden, aber die Möglichkeiten hierfür sind vielfältig.

Sicherlich gibt es noch andere Formen des inoffiziellen Lernens, wie z.B. Kata-Sitzungen, CoPs (Communities of Practice) oder Stand-Ups. Doch bietet sich L&L insbesondere dann an, wenn nicht nur bereits bestehende Teams ihre Fähigkeiten verbessern, sondern auch Neuzugänge auf den aktuellen Stand gebracht werden sollen. Jeder Teilnehmer kann hier vom Wissen des jeweils anderen profitieren.

Zudem hat L&L eine starke soziale Komponente. Nicht nur Wissen wird vermittelt, sondern man erfährt auch etwas über die Arbeitskultur, die Motivationen, die Herausforderungen und Lösungsansätze der anderen. All dies findet in einer ungezwungenen Atmosphäre statt und lädt dazu ein, selber Fragen zu stellen oder sein eigenes Wissen mit den anderen zu teilen.

Beim L&L muss es aber nicht nur um die Arbeit im Unternehmen oder des Teams gehen. Die Themen, die besprochen werden, können auch externe Projekte von Mitarbeitern sein. Das Ziel ist es ja, eine Lernkultur zu etablieren und nicht nur Fachwissen auszutauschen. Dadurch könnten neue Möglichkeiten zum Vorschein kommen, die sich mit der Arbeit verbinden lassen und somit dazu anregen, den eigenen Horizont zu erweitern.

Doch erfordert die Durchführung eines L&L, trotz des informellen Scheins, einiges an Planung. Es folgen einige Tipps, an denen man sich orientieren kann.

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1. Themen auswählen und vorbereiten

Finden Sie heraus, was Ihre Mitarbeiter interessiert. Sie können hierfür z.B. Umfrage-Dokumente benutzen und dadurch feststellen, was als Thema des L&L dienen soll. Alternativ können Sie auch einfach fragen, ob jemand ein besonderes Thema hat, das er vorstellen möchte. Bedenken Sie, dass es sich dabei nicht zwingend um jemanden aus dem eigenen Team handeln muss. Hier zeigt sich eine der großen Stärken des L&L: Es kann zu einer besseren Transparenz und einem vertieften Verständnis der Arbeit im Unternehmen führen. Es kann z.B. sehr erhellend sein, endlich zu verstehen, warum ein Anwendungsteil in einer ganz bestimmten Form programmiert sein muss, weil sonst andere Teams nicht damit arbeiten können. Gleichzeitig können Rückfragen gestellt werden, und daraus kann sich ein Dialog entwickeln.

2. Konsistenz und Routine

L&L kann im kleinen Kreis auch sehr spontan stattfinden. Aber sofern Sie planen, z.B. mehrere Teams und Mitarbeiter einzubeziehen, ist es sinnvoll, den Ablauf zeitlich zu strukturieren. Dies könnte dann so aussehen, dass das L&L an festen Tagen in der Woche stattfindet. So können ihre Mitarbeiter die Teilnahme besser einplanen, und es kommt zu einer gewissen Routine. Wenn Ihre L&L-Gruppe größer wird, ist es zudem von Vorteil, einen festen Raum zur Verfügung zu haben. Auf diese Weise können Sie z.B. Material vorbereiten, wenn einer der Sprecher einen aufwendigeren Beitrag präsentieren möchte.

3. Sprecher besorgen

Gibt es ein Thema, das alle brennend interessiert, aber keiner meldet sich oder verfügt über die notwendige Expertise? Warum nicht einfach einen Externen einladen, der Ihre L&L-Gruppe an seinem Wissen teilhaben lässt? Alternativ kann es auch ein Sprecher sein, dessen Expertise ein Feld ist, das von Ihrer Arbeit betroffen ist. Dies wiederum kann zu neuen Impulsen führen, wie die eigene Arbeit verbessert werden kann. Es ist diese Form von Lernen und Wissen, die durch das L&L angefeuert werden soll, also scheuen Sie sich nicht davor, auch fremde Stimuli einzubringen.

Fazit

L&L ist auf organisatorischer Ebene nicht die leichteste Methode zur Etablierung einer Lernkultur. Aber sie bietet durch ihre gute Zugänglichkeit für die Teilnehmer einen schnellen und ungezwungenen Einstieg in das Lernen am Arbeitsplatz. L&L kann also eher als Fundament verstanden werden, auf dem in späteren Phasen mit anderen Methoden aufgebaut werden kann. Insbesondere die Betonung der sozialen Seite des L&L kann den Austausch von Wissen begünstigen, da sich Ihre Mitarbeiter und Teams nicht nur in einem Arbeitskontext kennenlernen können, sondern in Form einer Gemeinschaft, die an Weiterbildung interessiert ist. Zudem gibt es den Vorteil, dass durch neue Impulse von außen die eigene Arbeit in einem kreativ-sozialen Modus neu entdeckt werden kann.

Geschrieben von
Savvas Hajiraftis
Savvas Hajiraftis
Savvas Dimitrios Hajiraftis ist seit November 2017 Teil der JAXenter-Redaktion und studiert Lehramt an der Technischen Universität Darmstadt.
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