Web Real-Time Communication

„Wonderful, but I don’t believe it“: Browser-basierte Echtzeitkommunikation mit WebRTC

Moritz Hoffmann

(c) Shutterstock / Gamegfx

WebRTC (Web Real-Time Communication) ist ein Standard für Kommunikationsprotokolle und APIs, der als Browser-Implementierung eine Echtzeitkommunikation zwischen Rechnern im Web ermöglichen soll. Seit der Freigabe durch Google im Jahr 2011 wird das Projekt als offener Standard vom W3C-Konsortium fortentwickelt. In einem aktuellen Blogbeitrag dämpft Christian Jensen, Developer Evangelist bei Sinch, nun die Erwartungen an WebRTC für den Mobile-Bereich.

Die Kommunikation von Client zu Client über Web-Browser soll den Usern die Installation eigener Software für Telefon- und Videokonferenzen, für Data Sharing oder einen geteilten Desktop ersparen. Dem von einer W3C-Arbeitsgruppe mit Unterstützung von Google, der Mozilla Foundation und der Opera Software ASA entwickelten Prinzip nach können User per Klick auf einen Button im Browser andere User erreichen und das – so die Idee – auch unabhängig von der verwendeten Software.

„…would be wonderful, but I don’t believe it“

Dem widerspricht Jensen auf ProgrammableWeb explizit. Zwar sei der mit HTML5 und JavaScript entwickelte Standard bestens geeignet, um Probleme bei der Stimmübertragung und den Codecs zu lösen. Allerdings reiche die bisherige Entwicklungsarbeit nicht aus, um auf die entsprechenden Nutzerdaten zuzugreifen.

Eben das aber sei für die entscheidenden Player im Mobile-Bereich die einzige Motivation, die Web-Kommunikation per Browser Calling für mobile Geräte voranbringen. Sowohl Apple, als auch Facebook oder Skype haben dafür bereits ihre eigenen Lösungen:

They know who you know and where your friends are on the network (if not location, but what devices and what channels to push on). So even if everyone had a WebRTC-based browser, the most useful scenario is customer service where agents sit and wait for a call.

Wie offen ist WebRTC wirklich?

Vor diesem Hintergrund gibt es schlichtweg keinen Grund, warum beispielsweise WhatsApp ein Interesse daran haben sollte, seine User-Basis per WebRTC-Nutzung mit Skype zu teilen. Trotz aller Potentiale des offenen Standards ist die Software-Unabhängigkeit lediglich für Browser konsequent umzusetzen. Freilich gibt es auch hier immer noch Zweifel, dass sich WebRTC schnell zum Standard entwickeln wird.

So merkte zu Beginn dieses Jahres Itay Rosenberg in einem Beitrag auf TechCrunch an, dass die bereits im Projekt kooperierenden Browser-Anbieter ihre „Strategic War Games“ endlich beenden müssten. Hier sieht nicht nur Jensen vor allem Apple am Zug. Das Unternehmen hinter dem Safari-Browser habe nach seinen öffentlichen Überlegungen zu einer Freigabe seines Chat-Dienstes FaceTime im Jahr 2010 nichts mehr zum Thema WebRTC verlauten lassen. Stattdessen werde im Rahmen von iOS8- und OS X-Updates lieber auf die Call-Vernetzung zwischen verschiedenen Apple-Geräten gesetzt.

WebRTC ohne Apple?

Abgesehen von Apples Safari sind mit Mozilla Firefox, Google Chrome und nun auch Microsofts neuem Browser Edge WebRTC-Implementierungen verfügbar. Warum hält sich Apple trotz eigener Real-Time-Produkte hier so deutlich zurück? WebRTC-Berater Tsahi Levent-Levi hat hierzu vor kurzem eine interessante Antwort gegeben. Weder gehe es dabei um ein grundlegendes Desinteresse, noch um Probleme bei der technischen Umsetzung. Im Gegenteil sei die Sache ganz einfach eine Frage der Zeit:

It just has to do with timing. Timing of the current hardware they have in the hands of their customers. And how long it would be until the older devices wear off and replaced by newer ones, more capable of bringing experience that Apple sees as good enough for them to work with.

Es bleibt abzuwarten, ob sich diese Prognose als richtig erweist. Klar dürfte sein, dass die Kooperation der großen Browser-Anbieter gesichert sein muss. Ohne diese sollte es für WebRTC auch unabhängig von der Software-Frage im Mobile-Bereich keine wirklich stabile Grundlage geben. Für Jensen ist dennoch klar: „WebRTC is definitely beyond being just here to stay„.

Aufmacherbild: Male and female call center avatar icons flat von Shutterstock / Urheberrecht: Gamegfx

 

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Moritz Hoffmann
Moritz Hoffmann
Moritz Hoffmann hat an der Goethe Universität Soziologie sowie Buch- und Medienpraxis studiert. Er lebt seit acht Jahren in Frankfurt am Main und arbeitet in der Redaktion von Software und Support Media.
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