Frauen in der Tech-Branche im Portrait: Iaroslava Grinchenko

Women in Tech: „Wenn mehr Frauen in die Entwicklung gehen, können wir viele Stereotypen bekämpfen“

Mascha Schnellbacher

© S&S Media

In unserer Artikelserie „Women in Tech“ stellen wir ebenso spannende wie inspirierende Frauen vor, die erfolgreich in der IT-Branche Fuß gefasst haben. Heute im Fokus: Iaroslava Grinchenko, IT-Beraterin und Software-Entwicklerin bei Valtech.

Die Tech-Industrie wird von Männern dominiert – so weit, so schlecht. Doch langsam, aber sicher bekommt der sogenannte Boys Club Gesellschaft von begabten Frauen: Immer mehr Frauen fassen in der Branche Fuß.

Aus diesem Grund wollen wir hier spannenden und inspirierenden Frauen die Möglichkeit geben, sich vorzustellen und zu erzählen, wie und weshalb sie den Weg in die Tech-Branche gewählt haben. Aber auch Themen wie Geschlechtervorurteile, Herausforderungen oder Förderungsmöglichkeiten kommen zur Sprache.

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Women in Tech – die Umfrage

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Women in Tech – die Serie

In der Serie Women in Tech stellen sich inspirierende Frauen aus der IT-Branche vor. Bisher erschienen:

Unsere Woman in Tech: Iaroslava Grinchenko

Heute erzählt uns Iaroslava Grinchenko, IT-Beraterin und Software-Entwicklerin bei Valtech Deutschland, ihre Geschichte. Aufgewachsen ist sie in der Ukraine, wo sie auch Computer Software Engineering studierte. Für ihren Master in Software Systems Engineering kam Iaroslava dann 2011 nach Deutschland. Seit Juni 2015 ist sie bei Valtech.

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Iaroslava ist von klein auf von Technologie fasziniert:

Interesse an Tech besteht eigentlich, seit ich mich erinnere. Ich habe zwar genauso mit Puppen gespielt wie andere Mädchen. Aber alles hat sich geändert, als mein Vater unseren ersten Computer gekauft hat. Damals war ich sechs Jahre alt. Ich habe Stunden bei meinem Vater verbracht, wenn er den PC auseinandergenommen und wieder zusammengebaut hat. Ich habe ihm beim Spielen zugesehen, er hat mir alles erklärt und nach einigen Tage durfte ich alleine Spiele auf DOS installieren und ausführen.

Dementsprechend war auch ihr Weg in die Tech-Branche quasi vorgezeichnet:

Seitdem ich 14 war, wusste ich schon, dass ich Entwicklerin werden möchte. Nach dem Bachelor an der Nationalen Universität Kiew-Mohyla-Akademie bin ich für mein Masterstudium zur RWTH Aachen nach Deutschland gekommen. Natürlich kann man in der Entwicklung verschiedene Wege gehen und ich habe fast alles ausprobiert, was ich ausprobieren konnte: von Mobile- Entwicklung bis zu neuronalen Netzwerken, von Frontend- bis Backend-Entwicklung. Und hier bin ich – eine Backend-Software Entwicklerin.

Ein großes Vorbild auf diesem Weg ist meine Großmutter: Sie war Executive Director von Pepsi in der Ukraine. Sie hatte Zeit und Mut für alles: um wichtige Entscheidungen zu treffen, mit mächtigen Männern zusammenzuarbeiten, aber trotzdem hat sie zwei Kinder großgezogen und ist für ihre Familie immer da, wenn wir ihre Weisheit brauchen.

Iaroslava ist mittlerweile richtig in der Tech-Branche angekommen und arbeitet als IT-Beraterin bei Valtech Deutschland in München.

IT-Beratung bedeutet, dass ich Software entwickele und einen nahen Kontakt zum Kunden habe. Ich liebe es, weil ich jeden Tag neue Probleme löse und dabei kommunikativ bleiben kann.
Was die Entwicklung anbelangt, habe ich immer viele verrückte Ideen. Ich habe schon verschiedene Apps entwickelt: eine Mobil-App, um andere beim Essen in der Mensa kennenzulernen; eine Mobil-App, um die Meinung meiner Freunde zu erfragen, ob ich etwas kaufen soll oder lieber nicht. Und meine momentane Idee: Home Cinema mit Gast-Steuerung.

Warum es aber so wenige Frauen in der Tech-Branche gibt, versteht sie selbst nicht:

Als ich zu meinem Masterstudium nach Deutschland gekommen bin, hat es mich auch überrascht, dass wir keine einzige deutsche Frau hatten. In der Ukraine, wo ich herkomme, gibt es auch nicht viele, aber etwas mehr. Wer ist daran Schuld? Das kann ich nicht sagen. In einem Projekt während des Studiums an der RWTH Aachen habe ich deutschen Kindern von 12/13 Jahren das Programmieren von Lego Mindstorm Robotern beigebracht und die Mädchen waren dabei genauso wissbegierig wie die Jungen.

Gäbe es mehr Frauen in Tech, würde das allen zugute kommen, findet Iaroslava:

Wenn mehr Frauen in die Entwicklung gehen, werden wir in der Zukunft viel mehr Stereotypen bekämpfen. Nicht nur Stereotypen Mann-gegen-Frau, sondern auch Frau-gegen-sich-selbst. Frauen können auch Geld verdienen, Frauen können gleichzeitig hübsch und klug sein, Frauen können alles – aber nur, wenn sie sich selbst nicht aufhalten.

Die Diversity-Debatte wird zwar nicht in der nächsten Zukunft Geschichte sein. Aber hey! Ich bin eine osteuropäische Frau und Backend-Entwicklerin in einem deutschen Unternehmen. Wir sind schon auf dem richtigen Weg 🙂

Zum Schluss hat Iaroslava noch ein paar Tipps parat:

Die Arbeit in IT-Unternehmen und mit Männern macht Spaß! Habt keine Angst, Fehler zu machen, hier funktioniert alles mit Trial-and-Error. Und haltet euch selbst nicht auf!

Der Diversity Check

Wir freuen uns, wenn Sie sich an der folgenden Umfrage beteiligen, die sich an Frauen und Männer richtet. Teilen Sie uns Ihre Erfahrungen zum Thema Diversität in IT-Unternehmen mit!

Geschrieben von
Mascha Schnellbacher
Mascha Schnellbacher
Mascha Schnellbacher studierte Buchwissenschaft und Deutsche Philologie an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Seit Juni 2015 arbeitet sie als Redakteurin in der Redaktion des Entwickler Magazins bei Software & Support Media. Zuvor war sie als Lektorin in einem Verlag sowie als freie Editorin tätig.
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