Interview mit Naomi Owusu, CEO bei Tickaroo

Women in Tech: „Im Moment sind wir alle sehr Ego-orientiert – das betrifft aber beide Geschlechter“

Dominik Mohilo

In unserer Artikelserie „Women in Tech“ stellen wir ebenso spannende wie inspirierende Frauen vor, die erfolgreich in der IT-Branche Fuß gefasst haben. Heute im Fokus: Naomi Owusu, CEO bei Tickaroo.

Die Tech-Industrie wird von Männern dominiert – so weit, so schlecht. Doch langsam, aber sicher bekommt der sogenannte Boys Club Gesellschaft von begabten Frauen: Immer mehr Frauen fassen in der Branche Fuß.

Aus diesem Grund wollen wir hier spannenden und inspirierenden Frauen die Möglichkeit geben, sich vorzustellen und zu erzählen, wie und weshalb sie den Weg in die Tech-Branche gewählt haben. Aber auch Themen wie Geschlechtervorurteile, Herausforderungen oder Förderungsmöglichkeiten kommen zur Sprache.

Unsere Women in Tech: Naomi Owusu

Naomi Owusu Women in Tech
Naomi Owusu ist CEO und Co-Founder von Tickaroo und dort vor allem für Business Growth, Strategie und Skalierung zuständig. Vor der Gründung des Regensburger Unternehmens arbeitete sie als Beraterin. Ihr Schwerpunkt lag auf Produktstrategien digitaler Medien und insbesondere die Planung und Konzeption mobiler Applikationen gehörten zur ihren Arbeitsbereichen. Die Idee zu Tickaroo kam ihr bei der Umsetzung einer Sport-App, als sie feststellte, dass es an guten Tools zur Live-Berichterstattung mangelt. Motiviert, zielstrebig und ganz nach dem Motto „just do it!“, setzen sich Naomi und ihr Team heute täglich und mit vollem Einsatz dafür ein, das Produktportfolio auszubauen und das Live-Content-Tool zu optimieren.

Was hat dein Interesse für die Tech-Branche geweckt?

Als ich acht oder neun Jahre alt war, hat ein Informatiker meiner Mutter einen Schneider Computer mit nach Hause gebracht. Ich erinnere mich, dass er mir ein paar Disketten mit Spielen darauf in die Hand gedrückt hat, ich glaube das waren Bombjack und noch irgendein Knight/Werwolf-Spiel. Was ich mit RUN BIN anfangen konnte, lernte ich jedenfalls relativ schnell. Ich weiß nicht mehr wie genau der Lernprozess vonstatten ging, aber ich habe diese Spiele so gerne gespielt, dass sie aufzurufen nach einiger Zeit kein Problem mehr war. Kontinuierlich fing ich dann an, auf den Disketten zu stöbern und Befehle auszuprobieren – frei nach dem Motto: „Trial and Error“. Von da an war immer ein Computer im Haus. Später kamen die Floppy Disks und dann ein Modell später sogar Farbe hinzu. Als schließlich Modems im Handel erhältlich waren, durfte das natürlich auch nicht fehlen. Man kann also sagen, Tech ist schon immer ein natürlicher und fester Bestandteil meines Alltags gewesen.

Ich höre oft Storys, die mich beeindrucken und inspirieren.

Der Computer war in meiner Jugend ein Entertainment-Werkzeug. Während meines Psychologie- und Pädagogik-Studiums bin ich dann u.a. mit dem Thema Usability in Berührung gekommen. Ich habe einen Kurs zur Programmierung besucht, wobei sich meine IT-Kenntnisse bis dahin nur auf praktische Dinge beschränkt haben, die mir das Studium erleichterten. Nie hatte ich bis zu diesem Zeitpunkt aktiv programmiert. Schließlich habe ich meinen Schwerpunkt dann in die Konzeption und in das Projektmanagement.

Vorbilder und Antagonisten

Ein Vorbild habe ich nicht. Ich höre oft Storys, die mich beeindrucken. Da höre ich dann ganz genau zu und versuche mich davon inspirieren zu lassen. Gleichermaßen muss ich zugeben, dass man mir nie Steine in den Weg gelegt hat. Und falls doch, dann habe es nicht gemerkt oder dem einfach keine Beachtung geschenkt.

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Ein Tag in Naomis Leben

Ich bin Geschäftsführerin und Mitgründerin bei Tickaroo, einer Live-Content-Plattform, und sorge dafür, dass wir als Team unsere Ziele präzise formulieren und erfolgreich erreichen.

Ich war – und bin immer noch – für viele Projekte verantwortlich, bei denen mehrere Entwickler, Konzepter, Designer und Product Owner zusammenarbeiten müssen und mussten. Sehr interessant fand ich zum Beispiel, als wir es geschafft haben, aus einem renommierten Restaurantführer nur mit den Printdaten eine dynamische mobile App zu erstellen. Natürlich ist die Plattform, die wir um Tickaroo gebaut haben, eines meiner spannendsten Projekte. Als CEO bleibt mir jedoch nur noch Zeit für strategische Entscheidungen bezüglich unseres Produktes. Das ging überraschend schnell – auch ohne Programmierpraxis.

Herausforderungen und Hindernisse

Ich glaube Frauen machen sich immer noch zu viele Gedanken. „Kann ich das?“ oder „Schaffe ich das?“ lauten dabei die größten Fragen an sie selbst, vielleicht sind deshalb sind die Berührungsängste größer. Für mich gibt es keinen Grund, warum bestimmte Dinge eine Frau machen sollte oder bestimmte Dinge ein Mann. Letztendlich geht es doch um die Kooperation und darum, das bestmögliche Ergebnis zu erzielen. Jeder Mensch hat unterschiedliche Fähigkeiten. Für mich ist das Ganze kein Wettbewerb, um besser oder schlechter zu sein. Gegen so etwas bin ich allergisch.

Ich glaube Frauen machen sich immer noch zu viele Gedanken.

Ich persönlich hatte immer Probleme mit meinem Alter und Aussehen und nicht wegen meines Geschlechts. So wurde mein Chef zum Beispiel einmal gefragt, warum er seine „16-jährige Praktikantin“ zu so einem Termin mitnimmt. Ich war 25 und Projektmanagerin. Diese Aussage hat mich aber in keinster Weise beeinflusst. Mein Vater hat mir schon als Kind klar gemacht, dass mich die Leute nach meiner Leistung beurteilen werden und dass ich mich, um ernst genommen zu werden, mehr anstrengen muss als alle anderen. Und dass ich gewisse Vorurteile, nur durch Leistung aus dem Weg räumen kann. Das habe ich als Leitsatz angenommen und mich eben entsprechend verhalten.

Wieso gibt es nicht mehr Frauen in der IT?

Das weiß ich nicht. Ich denke grundsätzlich bräuchte Tech mehr Vielfalt an Persönlichkeitsprofilen!

Die Diversity-Debatte wird jedenfalls noch lange nicht enden und es wird schon noch ein langer Kampf sein. Ich würde mir wünschen, dass die Problemlösung in den Vordergrund rückt und die Menschen sehen, dass sie durch Kooperation und Kollaboration viele Probleme besser, systematischer und langfristiger lösen können – egal in welchem Bereich. Im Moment sind wir alle sehr Ego-orientiert. Das betrifft aber meiner Meinung nach beide Geschlechter.

Tipps & Tricks

Wenn ein Mädchen etwas möchte, sollte es auch genau dies machen. Wir werden alle in Schubladen gesteckt – egal, ob weiblich, männlich, groß, klein, schwarz, weiß, homo- oder heterosexuell –, davon sollte sich wirklich keiner aufhalten lassen. Wir bekommen immer Chancen. Die einen werden mit der Chance bereits geboren, die anderen müssen sich die Chance über Generationen erarbeiten. Ich würde mich jedenfalls nicht aufhalten lassen und wenn ich davon überzeugt bin, dass ich meinen Beitrag zur Tech-Branche leisten kann, würde ich nach Mitteln und Wegen suchen, um dort Fuß zu fassen.

Never give up unless YOU decided to do so!

„Never give up unless YOU decided to do so!“ Diese Devise klingt mega einfach, ist aber super anstrengend. Verfolge deine Ziele und nicht die Ziele der Anderen. Dein Ziel sollte darüber hinaus gehen, möglichst schnell reich und berühmt zu werden. Im Idealfall ist das nur ein Nebeneffekt deines eigentlichen Ziels. Mache „Probleme lösen“ zu deinem Hobby und sorge dafür, dass deine Welt jeden Tag ein bißchen mehr Sinn ergibt. Setze Prioritäten und umgebe dich mit Menschen, die dir Energie und Inspiration schenken, anstatt sie dir zu nehmen!

Geschrieben von
Dominik Mohilo
Dominik Mohilo
Dominik Mohilo studierte Germanistik und Soziologie an der Goethe-Universität in Frankfurt. Seit 2015 ist er Redakteur bei S&S-Media.
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