Frauen in der Tech-Branche im Portrait: Margarethe R. R. Steffens

Women in Tech – „Tech kann die Welt verbessern“

Mascha Schnellbacher

© S&S Media

In unserer Artikelserie „Women in Tech“ stellen wir ebenso spannende wie inspirierende Frauen vor, die erfolgreich in der IT-Branche Fuß gefasst haben. Heute im Fokus: Margarethe R. R. Steffens, Commercial Manager bei Minxli.

Die Tech-Industrie wird von Männern dominiert – so weit, so schlecht. Doch langsam, aber sicher bekommt der sogenannte Boys Club Gesellschaft von begabten Frauen: Immer mehr Frauen fassen in der Branche Fuß.

Aus diesem Grund wollen wir hier spannenden und inspirierenden Frauen die Möglichkeit geben, sich vorzustellen und zu erzählen, wie und weshalb sie den Weg in die Tech-Branche gewählt haben. Aber auch Themen wie Geschlechtervorurteile, Herausforderungen oder Förderungsmöglichkeiten kommen zur Sprache.

Women_in_Tech_Aufmacher_900x450_farbe1_superweib-900x450Diversity in Tech

Women in Tech – die Umfrage

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Women in Tech – die Serie

In der Serie Women in Tech stellen sich inspirierende Frauen aus der IT-Branche vor. Bisher erschienen:

Unsere Woman in Tech: Margarethe R. R. Steffens

Heute erzählt uns Margarethe R. R. Steffens, Commercial Manager bei Minxli, ihre Geschichte. Während ihres Studiums an der Universität Bayreuth hat Margarethe für das Economics Department des Deutschen Generalkonsulats in Boston, für Beratungen wie PwC, beim Innovation Accelerator des WFP und für Christian Lindner gearbeitet.

Margarethe kann man als Digital Native bezeichnen; für Tech interessiert sie sich von klein auf:

Ich war ein Early User von ICQ, übrigens ein bemerkenswertes Beispiel für eine Anwendung mit Millionen von jungen Nutzern, die aber die Innovation verpasst hat. Ich liebte auch soziale Netzwerke, wobei gefühlt alle drei Monate ein neues „cool“ war. Da meine Eltern die PC-Zeit auf etwa 1h/Tag eingeschränkt haben, musste ich mich entscheiden, wie ich die Zeit optimal nutze. Ansonsten habe ich stapelweise Bücher verschlungen, bevorzugt Utopien, später auch Tech-Blogs.

Bei den ersten Apps interessierte ich mich primär dafür, mein Leben einfacher zu gestalten. Jede nützliche neue Anwendung, über die ich bessere Informationen erhalte, neue Kontakte finde oder Zeit sparen kann, habe ich geladen, aufgesogen und für meine Zwecke eingesetzt.

Richtig interessant wurde es dann aber in ihrem Studium, in dem es unter anderem darum ging, gesellschaftliche und wirtschaftliche Probleme zu analysieren und zu lösen – auch durch Technologie:

In meinen Studienjahren brach die Tech-Revolution gerade erst los. Im Studium Philosophy & Economics haben wir viele Diskussionen über den normativen und positiven Zustand der Welt geführt. Also den Status Quo analysiert, was gerade warum falsch läuft und wie es demokratischer, fairer, gleichberechtigter sein könnte.

Ich glaube, dass Tech die Brücke zwischen positiv und normativ schlagen kann und Menschen ermöglicht, die Welt zu verbessern, ohne zuerst jahrelang auf der Suche nach echtem Einfluss durch UN-Institutionen zu klüngeln oder, in dem Glauben Veränderung zu bringen, möglichst viele Beratungsprojekte zu verkaufen. Diese Branchen arbeiten durchaus zukunftsorientiert, um jedoch bei der Gestaltung der Zukunft aktiv mitzuwirken, ist Informationstechnologie zielführender.

Tech kann die Welt verbessern.

Das Wichtigste in der Tech-Branche ist, dass man auch im langwierigen Prozess der Steigerung von Nutzerzahlen und Profitabilität auf der Zielgeraden der inneren Mitte bliebt und diese verteidigt.

Es gilt, die Vision als moralisch vertretbar zu erhalten und nicht, wie etwa Facebook, für größeres Wachstum der Verbreitung von Unwahrheiten Raum zu geben.

Dabei ist es wichtig, sich auszutauschen und mit und für andere zusammenzuarbeiten, so Margarethe.

Mein LeanIn-Circle mit brillanten Kommilitoninnen und anderen Young Professionals, die ich z. B. auf Recruiting-Veranstaltungen kennenlernte, ist großartig und motiviert, man tauscht sich gerne aus und hilft sich gegenseitig. Auch unsere wachsende Tech-Ladies-Community ermöglicht aufbauenden Austausch und super Feedback.

Das ist wichtig als Gegengewicht zu den jungen Frauen, die nach der Ausbildung so schnell wie möglich Hausfrau und Mutter werden wollen und das aktuelle Ungleichgewicht nicht kritisch beurteilen. Das stimmt mich traurig und nachdenklich, wenn manche von vornherein nur auf die eigene bequeme Glücksutopie in der Blase hinarbeiten, und die gesellschaftliche Verpflichtung vernachlässigen, Gleichberechtigung durchzusetzen. Gleiche Verantwortung tragen natürlich auch Männer.

Mein Herzensprojekt ist die Sensibilisierung von Jugendlichen und jungen Studenten für den drohenden Gender Pay Gap. Je früher man die Realität anerkennt, desto besser kann man sich wappnen und in Verhandlungstrainings gehen, sich Mentoren suchen und darüber sprechen.

Mittlerweile arbeitet Margarethe im Bereich Health Tech für eine einfachere Gesundheitsversorgung.

Als Commercial Manager bei Minxli treibe ich das Wachstum für unser Produkt „Focus Healthcare“ voran und arbeite mit einem hochqualifizierten internationalen Team an der Schnittstelle von Sales und Business Development, mit einer Prise Marketing. Wir verändern durch Technologie fundamental, wie Menschen Zugang zu persönlicher Gesundheitsversorgung haben, erleichtern Ärzten das Leben und unterstützen Unternehmen dabei, eine gesündere und zufriedenere Belegschaft zu beschäftigen.

Der Weg dorthin war nicht immer einfach, was oftmals tatsächlich an den männlichen Kollegen lag.

Was im Rückblick auffällt, sind Kollegen, die knochenharte Arbeit, daraus resultierende Erfolge sowie Kontakte anderer als ihre eigenen ausgeben. In meiner persönlichen Erfahrung scheinen vor allem Rocket- oder Startup-Schmieden die Entwicklung solcher Verhaltensweisen zu ermöglichen. Generell liegt dies sicherlich am Einzelnen. In der Politik/Diplomatie und in den Beratungen hatte ich auch großartige männliche Vorgesetzte, die nach wie vor Vorbilder für mich sind.

Die bereits angesprochene Aggressivität vieler Männer und bestehende Klischees sind für Margarethe mit ein Grund, warum es so wenige Frauen in der Tech-Branche gibt:

Das Image von einer lauten Horde in Hoodies, die keine Manieren haben und Tag und Nacht bis zum nächsten Exit arbeiten, haftet der Branche leider an. Solange jedoch die Toleranzgrenze jedes Individuums respektiert wird und sexistische Sprüche genauso Tabu sind wie in anderen Branchen, kann man sich aber arrangieren und voneinander lernen. Wichtig ist auch, dass introvertierte Individuen Sprechzeit bekommen und nicht der lauteste Affe alle Bananen abgreift.

Der lauteste Affe sollte nicht immer die Banane abgreifen.

Allerdings bietet die Branche tolle Möglichkeiten, ohne verkrustete patriarchalische Strukturen durchzustarten und einfach mal zu machen. Flexibilität ist ein großer Vorteil, ich muss nicht wie im Banking morgens am PC sitzen, weil die Märkte aufmachen oder die ganze Woche beim Kunden wohnen, weil meine Beratung mich dort hinschickt, sondern arbeite flexibel.

Diese Vorteile sollten viel mehr Frauen wahrnehmen und sich auch trauen, eine Karriere in der Tech-Branche anzustreben. Denn durch Tech wird der Zugang zu Bildung, Gesundheit, Aufklärung und Netzwerken erleichtert, was wiederum mehr Frauen den Eintritt in STEM-Felder ermöglicht.

Wären mehr Frauen in der Tech-Branche aktiv, hätte das auch erhebliche Vorteile. Studien zeigen, dass Frauen Technologie vor allem benutzen, um Social Change und Verbesserung zu erreichen, außerdem sind ausbalancierte Führungsteams erfolgreicher und die Stimmung im Team ist besser.

Margarethe hat für einen Einstieg auch noch ganz praktische Tipps:

Man kann meist bei Interviews/Recruiting-Brunches schon abschätzen, wie die Unternehmen strukturiert sind, was Mitarbeiter wirklich von ihrer Arbeit halten und wie die Stimmung ist. Ein wichtiger Tipp ist, sich nicht zu viel von Prestige und großen Namen blenden zu lassen, und unbedingt auf Glassdoor die Bewertungen der Vorgänger zu lesen. Außerdem glaube ich, dass es hilft, einen Mentor zu haben und so viele Bildungsmöglichkeiten wie möglich wahrzunehmen. Auch wer nicht gerade STEM an einer Top-Uni studiert hat, kann durch Fachliteratur, Webinare und Gastvorträge alles Nötige selbst erlernen.

Der Diversity Check

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Geschrieben von
Mascha Schnellbacher
Mascha Schnellbacher
Mascha Schnellbacher studierte Buchwissenschaft und Deutsche Philologie an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Seit Juni 2015 arbeitet sie als Redakteurin in der Redaktion des Entwickler Magazins bei Software & Support Media. Zuvor war sie als Lektorin in einem Verlag sowie als freie Editorin tätig.
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