Interview mit Maja Matic, Software-Entwicklerin bei InnoGames

Women in Tech: „Die größte Herausforderung ist das Stereotyp, dass Männer im Tech-Bereich besser seien als Frauen“

Gabriela Motroc

In unserer Artikelserie „Women in Tech“ stellen wir inspirierende Frauen vor, die erfolgreich in der IT-Branche Fuß gefasst haben. Heute im Fokus: Maja Matic, Software-Entwicklerin bei InnoGames.

Die Tech-Industrie wird von Männern dominiert – so weit, so schlecht. Doch langsam, aber sicher bekommt der sogenannte Boys Club Gesellschaft von begabten Frauen: Immer mehr Frauen fassen in der Branche Fuß.

Aus diesem Grund wollen wir hier spannenden und inspirierenden Frauen die Möglichkeit geben, sich vorzustellen und zu erzählen, wie und weshalb sie den Weg in die Tech-Branche gewählt haben. Aber auch Themen wie Geschlechtervorurteile, Herausforderungen oder Förderungsmöglichkeiten kommen zur Sprache.

Unsere Women in Tech: Maja Matic, Software-Entwicklerin bei InnoGames

Maja Matic

Maja Matic ist Software-Entwicklerin bei InnoGames, dem Spezialisten für browserbasierte und mobile Online-Spiele. Maja lebt in Hamburg. Sie entdeckte ihre Leidenschaft für Technologie und Software-Entwicklung in einem frühen Alter. Ihr erstes Erlebnis mit dem Herumschrauben an Videospielen hatte sie während ihrer Master-Thesis, für die sie ein Spiel entwickelte, um Kindern das Coden beizubringen.

In ihrer Freizeit beschäftigt Maja sich gerne damit, ihre Fähigkeiten und ihr Fachwissen mit ihrem gesellschaftlichen Engagement zu verbinden, z. B. im Rahmen von Workshops, in denen Minderheiten in der IT-Welt das Coden und Programmieren lernen können. Maja weiß die Fortschritte in der Software-Entwicklung zu schätzen, die durch Frauen erzielt wurden, doch sie betont auch den Wert von Rollenvorbildern, um andere Frauen dazu zu ermutigen, neue Wege zu beschreiten.

Was hat dein Interesse für die Tech-Branche geweckt?

Ich finde Technologie aufgrund der schieren Schnelligkeit des technologischen Fortschritts faszinierend. Alles entwickelt sich stetig weiter. Das bietet die Gelegenheit, immer weiter zu lernen und immer mit neuen Herausforderungen konfrontiert zu werden. Im Großen und Ganzen beinhaltet das Arbeiten in der Tech-Branche, sich selbst dadurch zu fordern, dass man sich die restliche Zeit seiner Berufslaufbahn auf einem kontinuierlichen Weg der Optimierung befindet.

Ich finde Technologie aufgrund der schieren Schnelligkeit des technologischen Fortschritts faszinierend.

Weil ich schon immer ein großes Interesse an Technologie hatte, habe ich Informatik studiert. Ich wusste zwar die ganze Zeit über, dass mir Software-Entwicklung Spaß macht, aber meine Leidenschaft für die Spiele-Entwicklung habe ich erst entdeckt, als ich an meiner Master-Thesis arbeitete. Ich habe ein Lernspiel entwickelt, um Kindern das Programmieren beizubringen. Das hat mich dazu gebracht, Spiele-Entwicklung als berufliche Möglichkeit ernsthaft in Betracht zu ziehen. Trotzdem habe ich das nicht sofort umgesetzt, sondern stattdessen als Freelancerin während meines Studiums nebenher an verschiedenen Projekten gearbeitet. Dann habe ich zunächst damit begonnen, drei Jahre im Medien-Bereich zu arbeiten, bevor ich den Sprung in die Videospiel-Industrie schaffte. Bei InnoGames arbeite ich nun seit dreieinhalb Jahren.

Familie und Freunde – die wichtigsten Unterstützer

Meine Familie hat mich darin bestärkt, meinen Träumen zu folgen, egal was sie sein mögen. Grundsätzlich gesehen bewundere ich Menschen, die Einsatz zeigen und hart dafür arbeiten, ein Ziel zu erreichen. In diesem Sinne hege ich eine große Bewunderung für meine Mutter, die im Leben viel für sich und ihre Familie erreicht hat, obwohl sie es nicht leicht hatte.

Meine Familie hat mich darin bestärkt, meinen Träumen zu folgen, egal was sie sein mögen.

In beruflicher Hinsicht hole ich mir meine Inspiration von anderen Frauen in der Tech-Branche. Es ist für mich immer eine Freude, Konferenzen zu besuchen und dort Frauen zu treffen, die Anerkennung für das Beschreiten neuer Wege verdienen. Durch ihre Erfahrungen und ihr öffentliches Engagement inspirieren sie andere Frauen dazu, in ihre Fußstapfen zu treten. Ich denke, dass ich Glück habe, weil meine Familie immer bemüht war, mir den Zugang zu vielen Möglichkeiten zu bieten. Dieses Unterstützungssystem hat mir dabei geholfen, Hindernisse anzugehen, die mit den Ideen und Wahrnehmungen der Rolle von Frauen in der Software-Entwicklung zu tun haben.

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Hat jemand versucht, dich daran zu hindern, in deiner Karriere voranzukommen?

Zum Glück sind mir solche Situationen aufgrund meines guten persönlichen Rückhalts erspart geblieben. Ich könnte mich höchstens darüber beschweren, dass ich in manchen beruflichen Situationen in der Vergangenheit nicht ernst genommen wurde, besonders aufgrund meines Alters und meines Geschlechts. Bei InnoGames zählt jedoch nur das Talent, und jeder kann aktiv zum Erfolg des Unternehmens beitragen, was ich sehr zu schätzen weiß.

Ein Tag in Majas Leben

InnoGames ist deutscher Marktführer in der Entwicklung von browserbasierten und mobilen Online-Spielen. Ich arbeite dort als Software-Entwicklerin. Wir haben komplett flexible Arbeitszeiten, sodass ich mir meine Stunden über die Woche hinweg einteile, wie es zum Projekt passt. Meine Kernaufgaben sind das Implementieren neuer Features und die Pflege unserer Software. Da Bugs auf jeder Stufe der Entwicklung auftreten können, gehören Wartungskontrollen zu meiner täglichen Routine. Es ist wichtig, dass unsere Tools jederzeit problemlos laufen, um unsere Spiele effektiv aktualisieren zu können.
Ich bin stolz darauf, Teil eines dynamischen Arbeitsumfeldes zu sein. Die grundsätzliche Prämisse der ständigen Selbstoptimierung, um in diesem Bereich erfolgreich sein zu können, bereitet mir Freude. Durch Zielstrebigkeit und Selbstvertrauen habe ich meine aktuelle Position erreicht.

Durch Zielstrebigkeit und Selbstvertrauen habe ich meine aktuelle Position erreicht.

In spezifischerer Hinsicht bin ich stolz darauf, meine technologischen Fähigkeiten als Teil meines gesellschaftlichen Engagements einsetzen zu können. Schon ab einem frühen Alter habe ich mich in Initiativen für Menschen- und Tierrechte eingesetzt. Ich habe das Glück, Teil einer DIY-Initiative zu sein, die auch Workshops organisiert hat, um Minderheiten in der Tech-Branche mit Tech-Themen vertraut zu machen. Wir organisieren in unserer Freizeit Workshops, um sie so gut wir können zu unterstützen. Deshalb weiß ich die Beteiligung an der Devugees-Initiative und InnoGames’ organisierte Firmenführungen für Geflüchtete, die in den deutschen IT- und Software-Entwicklungsmarkt einsteigen möchten, umso mehr zu schätzen.

Wieso gibt es nicht mehr Frauen in der Tech-Branche?

Grundsätzlich gibt es noch Missverständnisse, was die verfügbaren Möglichkeiten für Frauen in der Tech-Branche angeht. Frauen sind sich dieser Möglichkeiten oft nicht bewusst, oder es gibt eine kulturell verankerte Wahrnehmung, dass wir nicht gut dazu geeignet seien, diese Aufgaben zu erfüllen. Diese Faktoren beeinflussen das Image der Tech-Branche im Allgemeinen und wirken auf Frauen entmutigend, Studien- und Berufswege in MINT-Fächern zu verfolgen.

Ich hoffe, dass der Begriff „Diversität“ in der Tech-Branche mittelfristig nicht mehr benötigt wird, weil unsere Branche so offen und einladend geworden ist. Ich schätze mich glücklich, bei InnoGames zu arbeiten, einer Firma, die Diversität – des Geschlechts, der Religion oder der ethnischen Herkunft – zelebriert.

Frauen in MINT

Meine Kolleginnen in MINT-Berufen sind ohne Ausnahme kreativ, hart arbeitend und ergebnisorientiert. Es gibt keinen Unterschied zwischen deren Fähigkeiten und denen meiner männlichen Kollegen. Mehr solcher Rollenvorbilder würden wichtige gesellschaftliche Auswirkungen haben.

Erstens würde es dazu beitragen, die Bedenken von Frauen zu verringern, wenn es darum geht, Studien- und Berufsmöglichkeiten in diesem Bereich in Erwägung zu ziehen.

Zweitens würde es auch helfen, die Wahrnehmung von Menschen zu verändern, was typisch männliche oder typisch weibliche Berufe angeht.

Drittens würde es zu objektiveren Leistungsevaluationen beitragen und dadurch Probleme wie die Lohnunterschiede zwischen den Geschlechtern in der Tech-Branche lösen.

Und letztlich ergibt es auch in ökonomischer Hinsicht Sinn.

Im Endeffekt möchten Firmen nämlich eine breitere Konsumentenbasis haben und die Nachfrage nach ihren Produkten befriedigen. Wir sehen das täglich bei InnoGames, wo die direkte Einbindung von Frauen in die Spiele-Entwicklung dazu geführt hat, dass es erfolgreiche Spiele gibt, die von Männern und Frauen gleichermaßen gespielt werden.

Herausforderungen

Allgemein gesprochen ist die größte Herausforderung das Stereotyp, dass Männer im Tech-Bereich besser seien als Frauen. Aus Erfahrung weiß ich, dass es einem in manchen Settings immer noch überraschte Blicke einbringt, eine Entwicklerin zu sein. Zusätzlich herrscht die Erwartung an Frauen, die diese Branche doch betreten, dass sie mehr liefern müssen als ihre männlichen Pendants, um den Respekt ihrer Kollegen zu verdienen und ernst genommen zu werden.

In einigen meiner Positionen hatte ich etwa den Eindruck, dass meine Verbesserungsvorschläge auf taube Ohren stießen, während den gleichen oder ähnlichen Vorschlägen männlicher Kollegen zugestimmt wurde. Die Strategie von InnoGames, um solche Situationen zu vermeiden, besteht bereits während des Einstellungsprozesses neuer Mitarbeiter in der Prüfung und Sicherstellung, dass sie mit unserem Grundsatz des Fair Play übereinstimmen.

Tipps & Tricks

Frauen sollten sich dessen bewusst sein, dass noch zentrale Herausforderungen bestehen, besonders in Bezug auf die Wahrnehmung, dass Männer in IT und Tech-Themen kompetenter seien. Selbstvertrauen ist daher sehr wichtig – sie sollten sich nicht durch negative Einstellungen oder Klischees entmutigen lassen. Noch wichtiger ist es, dass Frauen ihre Leistungen nie herunterspielen sollten, und dass sie immer dafür sorgen sollten, dass den Menschen um sie herum bewusst ist, was sie zu ihren Teams und Projekten beigetragen haben.

Geschrieben von
Gabriela Motroc
Gabriela Motroc
Gabriela Motroc ist Online-Redakteurin für JAXenter.com. Vor S&S Media studierte Sie International Communication Management an der The Hague University of Applied Sciences.
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