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Frauen in der Tech-Branche im Portrait: Katrin Pflugfelder

Women in Tech – „Habt keine Angst vor dem Scheitern!“

Mascha Schnellbacher

© S&S Media

In unserer Artikelserie „Women in Tech“ stellen wir ebenso spannende wie inspirierende Frauen vor, die erfolgreich in der IT-Branche Fuß gefasst haben. Heute im Fokus: Katrin Pflugfelder, Geschäftsführerin von Allegro Packets.

Die Tech-Industrie wird von Männern dominiert – so weit, so schlecht. Doch langsam, aber sicher bekommt der sogenannte Boys Club Gesellschaft von begabten Frauen: Immer mehr Frauen fassen in der Branche Fuß.

Aus diesem Grund wollen wir hier spannenden und inspirierenden Frauen die Möglichkeit geben, sich vorzustellen und zu erzählen, wie und weshalb sie den Weg in die Tech-Branche gewählt haben. Aber auch Themen wie Geschlechtervorurteile, Herausforderungen oder Förderungsmöglichkeiten kommen zur Sprache.

Unsere Woman in Tech: Katrin Pflugfelder

Heute erzählt uns Katrin Pflugfelder, Geschäftsführerin von Allegro Packets, ihre Geschichte. Nach einem Studium der Mathematik arbeitete Katrin längere Zeit als Software-Entwicklerin, Produktmanagerin und Presales-Engineerin. 2014 gründete sie gemeinsam mit ihrem Mann und drei anderen Entwicklern Allegro Packets, wo sie verantwortlich für Strategie, Marketing, Produktmanagement und Verkauf ist.

Katrin Pflugfelder

Katrin interessierte sich zwar bereits früh für Technik, erhielt aber von ihren Eltern keine Unterstützung in diese Richtung:

Ich wurde wie ein typisches Mädchen erzogen – mit Puppen, ohne Technik.

Ich wurde wie ein typisches Mädchen erzogen: Zuhause wurden mir Puppen zur Verfügung gestellt. Mein Vater hatte eine Werkstatt, aber kein Interesse, mir etwas zu zeigen, beizubringen oder mich ausprobieren zu lassen. Ich dachte immer, dass er einfach nicht gerne erklärt – als er meinem Mann viele Dinge erklärte, merkte ich erst, dass er es durchaus macht, aber eben nur beim männlichen Geschlecht.


Kam ich als Kind aber an Technik ran, interessierte ich mich auch dafür. Mein Onkel hatte eine Lego-Eisenbahn, die ich immer aufgebaut habe, wenn ich dort war. Außerdem habe ich einen entfernten Verwandten, der ein Sägewerk besitzt. Dort bin ich stundenlang mit ihm Gabelstapler gefahren und er hat mir seine Firma gezeigt und erklärt, wie er welches Problem behoben hat. Wurde mir etwas angeboten, habe ich das gerne angenommen: Im Gymnasium gab es beispielsweise eine Astronomie-AG, wo wir Planeten mit großen Fernrohren beobachtet haben, das war super.

Dieses Faible für Tech zeigte sich dann auch in Katrins Studienwahl:

In der Schule und besonders in Mathematik war ich sehr gut, deswegen habe ich Mathematik studiert. Dort lernt man auch Programmieren, also habe ich mir einen Job als Programmiererin gesucht und programmiert. Da ich die kommunikativste in meinem Team war, wurde ich bald Teamleiterin und gleichzeitig Produktmanagerin. Die Firma wuchs und wir teilten die Aufgaben, ich machte Produktmanagement.

Dieser Aufstieg endete allerdings recht abrupt, als Katrin ihr Kind bekam:

Nachdem ich ein Kind hatte, war ich fortan für die Firma uninteressant, da ich den Firmenrhythmus (Arbeit von 10-20 Uhr) nicht mehr mitmachen konnte. Oft wurden wichtige Meetings immer auf Zeiten gelegt, zu denen ich nicht konnte (17 oder 18 Uhr), anschließend wurde mir mangelndes Engagement vorgeworfen, obwohl ich sehr oft Telefonate mit den USA um 20 oder 21 Uhr geführt habe.

Daraufhin machte ich mich selbständig und gründete ein eigenes Unternehmen zusammen mit den vier besten Entwicklern dieser Firma. Bei Allegro Packets entwickeln wir ein Analysesystem für Netzwerke. Ich selbst bin Geschäftsführerin und verantwortlich für Strategie, Marketing, Produktmanagement, Verkauf und alles, wofür sonst keiner zuständig ist. Ich sorge dafür, dass unsere Firma vorankommt und dass alle gut arbeiten können. Das mache ich nun seit 2,5 Jahren und es läuft gut.

Die (scheinbare) Unvereinbarkeit von Kind und Beruf ist für Katrin eins der größten Probleme in der Tech-Branche und mitverantwortlich dafür, dass nur wenige Frauen dort arbeiten.

Kinder zu haben, wird Frauen im Job oft negativ ausgelegt.

Ich kenne viele hochqualifizierte Frauen, fast alle haben kleine Kinder. Überall beobachte ich ausnahmslos, dass die Frauen im Job zurückstecken, während die Männer das nicht tun.

Die Frauen arbeiten weniger Stunden und begleiten die Kinder zu Vorsorgeuntersuchungen und sonstigen Terminen. Wenn die Kinder krank sind, kümmern sich die Frauen. Die Männer sind nicht bereit, wegen der Kinder Nachteile im Job hinzunehmen. Wenn man als Frau hier mit solchen Männern zusammenarbeitet, fällt das Behaupten schwer.

Ein anderes Problem ist, dass Frauen probieren zu wenig ausprobieren. Ich habe auch Physik studiert und wir waren am Anfang vier Frauen und 200 Männer. Nach einem halben Jahr waren wir vier Frauen und 50 Männer. Die restlichen 150 Männer haben Physik ausprobiert, festgestellt, dass es nichts für sie ist und etwas anderes gemacht. Das ist positiv! Denn am Ende bleiben doch zehnmal mehr Männer übrig als Frauen. Frauen haben meiner Meinung nach mehr Angst vor dem Scheitern als Männer, sie stehen sich also auch ein bisschen selbst im Weg.

Dabei ist es enorm wichtig, dass mehr Frauen in der Tech-Branche arbeiten, findet Katrin:

Wenn mehr Frauen in der Tech-Branche arbeiteten, würden sie viel mehr andere Frauen anziehen. Dann hätten mehr Frauen eine Chance, eine Mentorin zu finden und mehr Frauen würden gefördert.

Zusätzlich schafft es ein gutes Klima im Unternehmen, wenn Männer und Frauen gleichermaßen in Gruppen vertreten sind. Ich saß beispielsweise mal mit drei Männern im Zimmer. Zwei davon benahmen sich eklig, sie rülpsten ständig. Ich beschwerte mich. Als der dritte Mann das mitbekam, bedankte er sich bei mir und gab dann auch zu, dass ihn das störte.

Mein Mann und ich arbeiten beide zu gleichen Teilen und kümmern uns zu gleichen Teilen um unsere Kinder. Wir sind der Meinung, dass unsere Gesamtproduktivität im Job dadurch am besten ist. Denn sind wir mal ehrlich: Wenn die Zeit im Büro steigt, steigt auch die Zeit der Kaffeepausen und der unwichtigen Meetings. Denn das Gehirn kann nicht mehr als sechs Stunden am Tag produktiv arbeiten.

Skalierte man dies auf die Gesamtbevölkerung, hätten die Unternehmen insgesamt eine größere Auswahl an Leuten und somit würde auch die Anzahl der potentiellen Talente steigen. Wir in Deutschland verschwenden im Moment 50 Prozent der Ressourcen.

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Women in Tech – die Umfrage

Wie steht es um die Diversität in Ihrem Unternehmen? Machen Sie mit bei der großen Umfrage (mitmachen können alle):


Women in Tech – die Serie

In der Serie Women in Tech stellen sich inspirierende Frauen aus der IT-Branche vor. Zum Reinschnuppern:

Ihre Befürchtung ist allerdings, dass die Diversity-Debatte noch lange geführt werden wird:

Im Moment herrscht die Denke vor, dass man nur Kita-Plätze schaffen muss, dann können Frauen ja weiterarbeiten. Das stimmt aber so nicht, es muss normal werden, dass auch Männer im Beruf zurückstecken. Und das muss erstmal erkannt werden, vor allem von den Männern.

Katrin hat zum Schluss noch einen Rat für alle, die sich fragen, ob die Tech-Branche das Richtige für sie ist:

Seid neugierig und probiert viele Sachen aus. Sonst könnt ihr nicht wissen, was euch gefällt. Habt keine Angst vor dem Scheitern. Aus jedem Scheitern kann man etwas lernen.

Macht das, was euch interessiert! Egal, was die anderen sagen und egal, wer euch schief anschaut. Denn nur dann könnt ihr auf Dauer Leistung bringen und etwas erreichen. Ich z. B. jammere auf hohem Niveau. Insgesamt geht es mir sehr gut. Ich mache eine Arbeit, die mir sehr gefällt und habe bis jetzt für alle Probleme, die mir das Leben bot, eine Lösung gefunden.

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Geschrieben von
Mascha Schnellbacher
Mascha Schnellbacher
Mascha Schnellbacher studierte Buchwissenschaft und Deutsche Philologie an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Seit Juni 2015 arbeitet sie als Redakteurin in der Redaktion des Entwickler Magazins bei Software & Support Media. Zuvor war sie als Lektorin in einem Verlag sowie als freie Editorin tätig.
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