Heute im Interview: Eva Pelster, Applikationsingenieurin bei MathWorks

Women in Tech: „Von einem vielfältigen Arbeitsumfeld können alle Bereiche profitieren“

Dominik Mohilo

In unserer Artikelserie „Women in Tech“ stellen wir inspirierende Frauen vor, die erfolgreich in der IT-Branche Fuß gefasst haben. Heute im Fokus: Eva Pelster, Applikationsingenieurin bei MathWorks.

Die Tech-Industrie wird von Männern dominiert – so weit, so schlecht. Doch langsam, aber sicher bekommt der sogenannte Boys Club Gesellschaft von begabten Frauen: Immer mehr Frauen fassen in der Branche Fuß.

Aus diesem Grund wollen wir hier spannenden und inspirierenden Frauen die Möglichkeit geben, sich vorzustellen und zu erzählen, wie und weshalb sie den Weg in die Tech-Branche gewählt haben. Aber auch Themen wie Geschlechtervorurteile, Herausforderungen oder Förderungsmöglichkeiten kommen zur Sprache.

Unsere Woman in Tech: Eva Pelster

Eva Pelster hat Luft- und Raumfahrttechnik studiert und anschließend bei Wenger Engineering Projekte im Bereich Berechnung, Modellierung und Simulation gemacht. Sie arbeitet seit 5 Jahren bei MathWorks, war dort drei Jahre als Trainerin tätig und arbeitet aktuelle als Applikationsingenieurin.

Was hat dein Interesse für die Tech-Branche geweckt?

Mein Interesse an Technik besteht schon so lange ich denken kann. Mein Vater ist sehr technikinteressiert und hat das mir und meinen Geschwistern immer nahegebracht – etliche Besuche in technischen Museen oder Ausstellungen haben dann ihr Übriges getan.

Über wenige Umwege landete ich dann auch in der Tech-Branche. Ich wollte immer ein ingenieurwissenschaftliches Studium machen, habe mich dann für Luft- und Raumfahrttechnik entschieden. Nach dem Studium habe ich zunächst in einem Ingenieurbüro gearbeitet, wo wir Kunden aus unterschiedlichsten Industrien beraten haben. Ich bin dann zu MathWorks gegangen, weil ich dort sowohl technisch arbeiten aber mich auch viel mit unseren Anwendern austauschen kann.

Wir können es uns also gar nicht leisten, auf ganze Bevölkerungs- gruppen zu verzichten.

Ein Tag in Evas Leben

Ich bin Application Engineer bei MathWorks und unterstütze Kunden, die MATLAB oder Simulink in ihren Projekten verwenden. Ich analysiere deren Anforderungen und präsentiere die Lösungsmöglichkeiten mit unserer Software. Dazu gehört auch, häufig technische Inhalte zu präsentieren und kommunizieren. Seit letztem Jahr gibt es bei MathWorks ein Women-in-Tech-Programm, bei dem wir Anwenderinnen im Rahmen von Veranstaltungen wie der MATLAB EXPO zu Sessions einladen. So haben sich auf der MATLAB EXPO in München Anfang Juli 35 Teilnehmerinnen getroffen und sich zu technischen Themen als auch zum Thema ‚Frauen in einer technischen Arbeitswelt‘ ausgetauscht.

Vorbilder und Förderer

Ich hatte das Glück, immer tolle Lehrer in dem Bereich zu haben, die Inhalte sehr gut vermittelten. Leider muss ich aber auch sagen, dass ich an der Schule und Universität durchweg männliches Lehrpersonal hatte. Ich denke, insgesamt fehlt es im technischen Bereich an Frauen in Führungspositionen. Mehr Vorbilder würden viele Mädchen und Frauen sicher noch mehr motivieren und Möglichkeiten zeigen.

Hat jemand versucht, dich daran zu hindern, in deiner Karriere voranzukommen?

Zum Glück kann ich da sagen, dass mir weder in der Schule noch an der Universität oder im Berufsleben jemand meine Arbeit erschwert hätte.

Worauf bist Du in Deiner Karriere besonders stolz?

Ich habe immer in Positionen gearbeitet, in denen ich an einzelnen Produkten mitgearbeitet oder beratend tätig war.

Warum gibt es so wenige Frauen in der Tech-Branche?

Das liegt natürlich schon daran, dass in den „STEM“-Fächern der Frauenanteil an den Studierenden zu gering ist, auch wenn er erfreulicherweise wächst. Ich denke, Frauen, die in einem überwiegend männlichen Umfeld arbeiten, passiert es häufiger, dass sie weniger ernstgenommen werden. Schon gesellschaftlich bedingt, gibt es die Tendenz, weniger in die eigenen Fähigkeiten zu vertrauen. Hinzukommt noch eine zumeist männlich dominierte Arbeits- und Kommunikationskultur sowie alte „Netzwerke“. Ich habe MathWorks da erfreulicherweise immer als sehr angenehmes Umfeld empfunden und auch bei uns wächst der Anteil an Frauen in den technischen Abteilungen.

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Herausforderungen & Hindernisse

Es gibt sicherlich immer noch überholte Vorstellungen davon, was Erfolg im Berufsleben ausmacht und das ist häufig mit klassischen „männlichen“ Eigenschaften, wie z.B. Durchsetzungsfähigkeit oder besserer „Selbstvermarktung“ verbunden. Mit einem steigendem Frauenanteil ändert sich diese Vorstellung hoffentlich.

Hat man Interesse und Freude an einem Fachgebiet, sollte man sich nicht von überholten Klischees und Rollenbildern beeinflussen lassen.

Sähe die Welt mit mehr Frauen in MINT-Berufen anders aus?

Man liest ja regelmäßig, dass es gerade im technischen Bereich einen großen Fachkräftemangel gibt. Wir können es uns also gar nicht leisten, auf ganze Bevölkerungsgruppen zu verzichten. Ich denke, von einem vielfältigen Arbeitsumfeld können alle Bereiche profitieren. So kann man Probleme aus möglichst vielen Sichtweisen betrachten und unterschiedlichste Ideen zusammentragen, um die beste Lösung zu finden.

Die Diskussion über Diversität nimmt Fahrt auf. Wie lange wird es dauern, bis wir Ergebnisse der aktuellen Debatte sehen?

So schnell ändert sich da sicherlich nichts. Das Thema Gleichberechtigung ist ja schon einige Jahrzehnte alt und noch nicht gelöst. Die Gesellschaft entwickelt sich auch fortlaufend, d.h. auch was hinter dem Begriff Diversity steckt, verändert sich.

Tipps & Tricks

Macht, was euch interessiert. Hat man Interesse und Freude an einem Fachgebiet, sollte man sich nicht von überholten Klischees und Rollenbildern beeinflussen lassen. Die Arbeit ist vielfältig und spannend und die Branche ändert sich mit neuen Technologien immer wieder, sodass man sich auch immer wieder mit neuen Themen beschäftigen kann.

Geschrieben von
Dominik Mohilo
Dominik Mohilo
Dominik Mohilo studierte Germanistik und Soziologie an der Goethe-Universität in Frankfurt. Seit 2015 ist er Redakteur bei S&S-Media.
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