Frauen in der Tech-Branche im Portrait: Elina Räsänen

Women in Tech: „Stellt die Normen mit eurer eigenen Persönlichkeit lautstark in Frage!“

Gabriela Motroc

In unserer Artikelserie „Women in Tech“ stellen wir ebenso spannende wie inspirierende Frauen vor, die erfolgreich in der IT-Branche Fuß gefasst haben. Heute im Fokus: Elina Räsänen, Head of Marketing & Communications bei Holvi.

Die Tech-Industrie wird von Männern dominiert – so weit, so schlecht. Doch langsam, aber sicher bekommt der sogenannte Boys Club Gesellschaft von begabten Frauen: Immer mehr Frauen fassen in der Branche Fuß.

Aus diesem Grund wollen wir hier spannenden und inspirierenden Frauen die Möglichkeit geben, sich vorzustellen und zu erzählen, wie und weshalb sie den Weg in die Tech-Branche gewählt haben. Aber auch Themen wie Geschlechtervorurteile, Herausforderungen oder Förderungsmöglichkeiten kommen zur Sprache.

Unsere Woman in Tech: Elina Räsänen

Elina Räsänen ist Head of Marketing & Communications bei Holvi. Ihre Mission ist es, Holvis Geschichte und Werte an Medien, Kunden und Dritte zu kommunizieren. Im Rahmen ihrer Funktion kümmert sie sich zudem darum, komplexe Sachverhalte und Begrifflichkeiten aus dem Fintech-Bereich für Freelancer verständlich zu machen.

Darüber hinaus treibt sie die Vision Holvis, grenzenlose Banking-Services weltweit verfügbar zu machen, aktiv voran. Mit der Unterstützung ihres Marketing-Teams konzentriert sie sich ebenfalls auf den Ausbau und die Weiterentwicklung der globalen Wachstumsstrategie von Holvi.
 
 

Was hat Dein Interesse für Technik geweckt?

Ich war schon immer mehr daran interessiert, die Probleme der Welt mithilfe von Technologie zu lösen, als an der Technologie selbst. Ich möchte Wege finden, um etwas zu bewirken – ich denke, Technologie ist der Schlüssel, um wirklich globale Lösungen zu schaffen und z.B. den Zugang zu Wissen weltweit zu demokratisieren.

Ehrgeizig war ich schon immer, auch systematisch und zielorientiert. Nichts in meiner Karriere ist zufällig geschehen, sondern das Ergebnis einer sehr sorgfältigen Planung und Ausführung. Manchmal war der Weg länger und schwieriger als erwartet, aber ich hatte immer einen sehr klaren Pfad vor Augen, um genau zu wissen, wo ich als nächstes sein will.

Technologie ist der Schlüssel, um wirklich globale Lösungen zu schaffen.

Es war mir schon immer klar, dass ich im Tech-Bereich arbeiten wollte – nicht als Entwicklerin, sondern als jemand, der Wege findet, Technologie zu kommerzialisieren. Ich wusste ganz genau, dass die Strategie, das Geschäft und die Menschen der Aspekt waren, bei dem ich eine Wirkung erzielen kann. Ich habe einen Master-Abschluss in Global Innovation Management und habe meinen Bachelor-Abschluss in Marketing und International Business gemacht.

Meine Karriere begann ich mit Praktika bei Technologieunternehmen und arbeitete dann weiter als Technologie-Spezialistin und Marktanalystin. Ich habe hauptsächlich in den Bereichen Mobile Tech, Ad Tech, Gaming und SaaS gearbeitet, bevor ich bei Holvi und im Fintech-Bereich gelandet bin.

Ein Tag in Elinas Leben

Heute arbeite ich als VP Marketing & Communications bei Holvi, einem finnischen Unternehmen, das Freiberuflern, Selbstständigen und kleinen Start-ups eine digitale Banklösung in einer einzigen, einfach zu bedienenden App anbietet.

Meine Tage lassen sich grob in zwei Teile aufteilen: 50 Prozent meiner Zeit fließen in die Verwaltung meiner direkten Berichte, die unsere Teams in ihrer täglichen Arbeit unterstützen. Die andere Hälfte meiner Zeit verbringe ich als Mitglied der Geschäftsleitung mit dem Aufbau einer Strategie, die unseren Geschäftszielen entspricht. Als Wachstumsunternehmen müssen wir unsere Prozesse kontinuierlich überprüfen, unsere Technologie bewerten, Produkteigenschaften definieren und alternative Wege für skalierbares Wachstum finden.

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Ich bin sehr stolz auf das, was wir bei Holvi erreicht haben. Als ich ins Unternehmen kam, war es ein kleines Start-up mit weniger als zehn Leuten, in diesem Jahr werden wir bereits 100 sein. Es macht mich stolz und bescheiden zugleich, die Wirkung meines Beitrags zu sehen – ich bin froh, dass ich das Risiko eingegangen bin und mich herausgefordert habe, in diese Verantwortung hineinzuwachsen. Es ist klar, dass der Erfolg für mich definitiv von den äußerst talentierten, engagierten und leidenschaftlichen Menschen bestimmt wird, mit denen ich jeden Tag zusammenarbeite. Ich könnte mir wirklich keinen besseren Ort vorstellen, an dem ich an diesem Punkt sein könnte. Ein Szenario, das mich glücklich macht.

Hindernisse, denen man begegnet

Es gibt viele Hindernisse, die ich überwinden musste, von der Überzeugung potenzieller Arbeitgeber, mich für meinen Traumjob einzustellen, bis hin zum Umgang mit Managern, die mein berufliches Wachstum nicht unterstützen wollten. Die Entschlossenheit und gegenseitige Unterstützung meiner Kollegen hat mir sehr geholfen.

Weibliche Unternehmerinnen fördern das Wachstum und schaffen Arbeitsplätze vor allem für die ärmsten 40 Prozent der Bevölkerung.

Weibliche Unternehmerinnen spielen eine entscheidende Rolle bei der wirtschaftlichen Entwicklung. Sie fördern das Wachstum und schaffen Arbeitsplätze vor allem für die ärmsten 40 Prozent der Bevölkerung. Dennoch stehen sie gerade bei der Finanzierung und dem Aufbau von Unternehmen immer noch vor zahlreichen Herausforderungen wie begrenztem Zugang zu Kapital und Technologien oder auch fehlenden Netzwerken. Mit Blick auf grenzübergreifendes Banking und Arbeiten ist es mir ein besonderes Anliegen, diese Nachteile für alle weiblichen Unternehmerinnen in Chancen zu verwandeln. Durch unsere Partnerschaft mit dem estnischen e-Residency-Programm sind wir auf einem guten Weg, echte Chancengleichheit für standortunabhängige Businesses zu schaffen, und das weltweit.

Wie jeder andere habe auch ich in meiner beruflichen Laufbahn schlechte Erfahrungen gemacht. Ich hatte es mit einem Manager zu tun, der mich ständig abwertete und Entscheidungen hinter meinem Rücken ablehnte. Natürlich fühlte es sich manchmal entmutigend an, aber zum Glück hatte ich immer Kollegen, die Seite an Seite mit mir arbeiteten, um diese Herausforderungen zu bewältigen.

Diese Erfahrungen auf meinem eigenen Karriereweg zu reflektieren, hat mich definitiv zu einer bewussteren Managerin gemacht. Wenn es im Geschäft etwas Heiliges für mich gibt, dann ist es das Team. Dankbarkeit zu zeigen, Hindernisse zu überwinden und eine Plattform für den Erfolg zu bieten, ist mein wichtigster Beitrag für das Team.

Warum gibt es nicht mehr Frauen in der Tech-Branche?

Das ist eine komplexe Frage – es ist wahr, dass Frauen im Technologiesektor immer noch sehr unterrepräsentiert sind. Man kann es grundsätzlich in jedem Bereich sehen, von Bewerbern über Tech-Event-Teilnehmer und männlich dominierte Medienberichterstattung bis hin zu Förderrunden für alle männlichen Gründer. Nachrichten über erfolgreiche Förderrunden oder Exits von Gründerinnen sind nicht sehr verbreitet. Schauen wir uns die Medienberichte über Unterbezahlung, Alltagssexismus und fehlende weibliche Vorbilder an, wundert es wenig, dass die Tech-Szene für viele Frauen nicht nach einem attraktiven Umfeld klingt.

Um das Problem zu beheben, müssen wir es bei der Wurzel packen und bereits in der Schule mit einer Veränderung beginnen. In der High School erreichen Mädchen bessere Noten als Jungen. Doch gibt es viel weniger Frauen, die Informatik auf Universitätsniveau studieren. Ich denke, Schulen spielen hier eine wichtige Rolle. Sowohl Mädchen als auch Jungen sollten gleichermaßen ermutigt werden, mathematische und naturwissenschaftliche Abschlüsse zu machen und nicht nach Geschlecht getrennt werden.

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Veränderung erreicht man am besten, indem man mit gutem Beispiel vorangeht. Wenn wir es schaffen, erfolgreiche weibliche Leader stärker in den Fokus zu rücken, inspiriert dies hoffentlich weitere Frauen auf ihrem Weg in die Führungsetagen von Unternehmen. Das Weitergeben von Erfahrungen und ein offener Austausch spielen ebenfalls wichtige Rollen. Entgegen manch falscher Interpretation bedeutet dies nicht, dass nur Frauen andere Frauen unterstützen und inspirieren sollen. Laut einer Studie finden rund 47 Prozent der weiblichen Gründer, dass beide Geschlechter gleichermaßen einflussreich sind.

Warum von Diversität alle profitieren

Ich bin in Finnland geboren und aufgewachsen, einem der führenden Länder für die Gleichstellung der Geschlechter weltweit. Ich kenne sowohl Männer als auch Frauen, die gezeigt haben, dass sich lohnende berufliche Karrieren mit dem Familienleben verbinden lassen, solange die Partner gleichgestellt sind. So wurde es mir auch von meiner Familie vorgelebt. Ich bin immer darauf bedacht gewesen, dass es keine Grenzen für meine Entwicklung gibt und ich die werden kann, die ich sein möchte.

Menschen mit unterschiedlichen Geschlechtern, Hintergründen und Erfahrungen bringen unterschiedliche Perspektiven ein, die zu innovativen Lösungen führen können.

Es gibt auch eine Reihe von beruflichen Vorbildern in meinem Leben. Einige meiner früheren Chefs, meine Kollegen und die Gründer des Unternehmens, in dem ich derzeit arbeite zum Beispiel. Ich bin ihnen allen dankbar dafür, dass sie mir die Chance gegeben haben, zu zeigen, was in mir steckt. Sie haben mir vertraut, dass ich den Job erledigen kann und mich vor allem ermutigt, der rechthaberische, leidenschaftliche und entschlossene Profi zu werden, der ich heute bin. Ich denke, dass die besten Vorbilder für mich Menschen sind, die selbstbewusst sind und dadurch das Beste aus anderen herausholen.

Ich denke, wir brauchen Vielfalt in allen Bereichen. Alle Untersuchungen zeigen, dass gemischte Teams besser abschneiden. Menschen mit unterschiedlichen Geschlechtern, Hintergründen und Erfahrungen bringen unterschiedliche Perspektiven ein, die zu innovativen Lösungen führen können.

Für viele Unternehmen sind Gleichberechtigung, Talent und Vielfalt zu einem Thema für die CEO-Ebene geworden. So sollte es auch sein. Branchenführer betonen die Chancengleichheit bei der Entlohnung und die Förderung von Frauen auf höheren Führungsebenen mit größerer Verantwortung. In den nördlichen Regionen Europas sind wir bereits auf einem guten Weg. Aber Veränderung braucht Zeit und erfordert aktive Fürsprecher. Hier müssen sowohl Männer als auch Frauen in Führungspositionen Verantwortung übernehmen.

Tipps & Tricks

  • Sucht euch einen Mentor, der euch unterstützt. Niemand ist für eure berufliche Weiterentwicklung so wichtig wie ein Mentor, der euch den Rücken freihält und euch hilft, die nächste Stufe zu erreichen.
  • Überwindet eure Selbstzweifel. Nicht immer wissen es die anderen besser. Außerdem müsst ihr nicht alles von Anfang an wissen, ihr lernt auf dem Weg.
  • Seid ganz ihr selbst und schmeißt euch voll in die Arbeit. Zeigt anhand eines Beispiels, dass es für jeden, der im Techsektor arbeitet, unterschiedliche Standards geben kann. Es gibt keinen Grund, sich an irgendeine Norm anzupassen. Im Gegenteil: Stellt sie mit eurer eigenen Persönlichkeit lautstark in Frage.
  • Wenn ihr eine Führungsposition anstrebt, dann zahlt sich Initiative aus. Es ist schwer, sich jemanden als Führungspersönlichkeit vorzustellen, wenn er immer darauf wartet, dass ihm gesagt wird, was er tun soll.
  • Macht euer Geschlecht nicht selbst zum Gegenstand der Diskussion, Veränderung beginnt im Inneren: Definiert euch nicht als Bosslady, sondern als Boss. Helft mit, die Zukunft zu sehen, in der es keine weiblichen Führungskräfte gibt, sondern nur Führungskräfte.
  • Umgebt euch mit euren Schwächen. Je bewusster ihr euch eure eigenen Schwächen macht, desto wahrscheinlicher wird es euch gelingen, ein Team aufzubauen oder in einem Team zu arbeiten, das erfolgreich sein kann.
  • Gebt eure Erfahrungen weiter. Sobald ihr eine Position erreicht habt, in der ihr die Macht habt, Dinge zu ändern, liegt es in eurer Verantwortung, anderen zu helfen, das gleiche Niveau zu erreichen.
Geschrieben von
Gabriela Motroc
Gabriela Motroc
Gabriela Motroc ist Online-Redakteurin für JAXenter.com. Vor S&S Media studierte Sie International Communication Management an der The Hague University of Applied Sciences.
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