Frauen in der Tech-Branche im Portrait: Donna Dillenberger

Women in Tech: „Im richtigen Unternehmen ist es großartig“

Gabriela Motroc

In unserer Artikelserie „Women in Tech“ stellen wir ebenso spannende wie inspirierende Frauen vor, die erfolgreich in der IT-Branche Fuß gefasst haben. Heute im Fokus: Donna Dillenberger, IBM Fellow bei IBMs Watson Research Center.

Die Tech-Industrie wird von Männern dominiert – so weit, so schlecht. Doch langsam, aber sicher bekommt der sogenannte Boys Club Gesellschaft von begabten Frauen: Immer mehr Frauen fassen in der Branche Fuß.

Aus diesem Grund wollen wir hier spannenden und inspirierenden Frauen die Möglichkeit geben, sich vorzustellen und zu erzählen, wie und weshalb sie den Weg in die Tech-Branche gewählt haben. Aber auch Themen wie Geschlechtervorurteile, Herausforderungen oder Förderungsmöglichkeiten kommen zur Sprache.

Unsere Woman in Tech: Donna Dillenberger

Donna N. Dillenberger ist eine IBM Fellow am The Thomas J Watson Research Center, einem Forschungsinstitut in New York. Sie hat an Features für Hardwarebeschleunigung, Betriebssystemen, Machine-Learning-Algorithmen für selbstoptimierende Systeme gearbeitet. Außerdem hat sie Softwareanwendungen umgestaltet und designt, um sie skalierbarer und verfügbarer zu machen. 2005 wurde sie Chief Technology Officer of IT Optimization bei IBM. Ein Jahr später wurde sie Adjunct Professor (Anm. d. Red.:entspricht einem Lehrbeauftragen an deutschen Hochschulen) an der Columbia University’s Graduate School of Engineering. Sie ist ein IBM Master Inventor und arbeitet zurzeit an den Themen Finanzrisiko, Big Data und Enterprise Systems.

Seit sie sich erinnern kann, liebte Donna es, Dinge zu bauen und zu gestalten. Als sie klein war, baute sie aus Essstäbchen, Socken, Betttüchern, Decken und anderen Materialien Häuser, Brücken, Zelte, Forts und Raumschiffe. Man könnte sagen, dass ihr Job zu ihr passt wie angegossen.

Ich mochte alle meine Unterrichtsfächer an der Schule, auch Musik und Schwimmen. Ich konnte mich deswegen nicht entscheiden, was ich am College als Hauptfach nehmen sollte und fragte meine Eltern. Mein Vater hörte mir zu wie ich über all die Fächer sprach und gab mir den Rat Mathematik zu nehmen. Als ich Mathematik studierte riet der Fachbereichsleiter allen Mathematikstudenten auch Computerwissenschaften zu studieren. Zu der Zeit sagte unser Fachbereichsleiter, dass Mathematik alleine nicht genug Karrieremöglichkeiten bieten würde.

Sie erkannte bald, dass die einzigen Hindernisse, die sie überwinden musste, mit ihr selbst zu tun hatten.

In der Arbeitswelt muss man aber auf sich aufmerksam machen.

Was ich lernen musste war, dass ich mich selbst ändern musste. Denn meine Eltern haben uns in einer Kultur des tiefen Respekts für das Lernen, ältere Menschen, harte Arbeit und Geduld mit Menschen erzogen. Außerdem sollte man still sein, außer man hatte etwas Außergewöhnliches zu sagen. In der Arbeitswelt muss man aber auf sich aufmerksam machen, Fragen stellen und andere oder abgeänderte Lösungen anbieten als ursprünglich vorgeschlagen wurde, um das endgültige Resultat besser zu machen. Man muss vor allem in Meetings und auf Geschäftsreisen mit Fremden interagieren, um mit einbezogen zu werden. Nicht, weil man mit Absicht ignoriert wird. Aber wenn man nicht auf sich aufmerksam macht, weiß niemand, dass man da ist. Einer meiner ersten Manager hat mich auf ein Training für Durchsetzungskraft geschickt. Mir hat das die Augen geöffnet. Eine der Hausaufgaben war es, täglich mit jemandem nicht einer Meinung zu sein. Also habe ich an meinem Ehemann geübt. Wir waren gerade erst verheiratet. Ich bin sehr froh, dass er mich an sich üben ließ!

Es ist wichtig Vorbilder zu haben. 

Meine Vorbilder sind meine Geschwister und Menschen auf der Arbeit, die technisch oder organisatorisch brillant sind. Ich bewundere historische Persönlichkeiten oder zumindest die Geschichten und Legen der Taten, die sie angeblich vollbracht haben. Was alle Menschen, die ich bewundere, gemeinsam haben ist, dass sie sehr freundlich sind, auch wenn sie unter Druck stehen, auch wenn es nachteilig für sie ist aber dazu beiträgt das Richtige zu tun.

Aber das Richtige zu tun hat auch Konsequenzen.

Einer meiner Manager hatte das Gefühl das Richtige zu tun. Es war nicht persönlich gemeint. Wir hatten beide nur unterschiedliche Ansichten in welche Richtung unsere Arbeit gehen sollte. Es hat eine Weile gedauert, aber schlussendlich habe ich es geschafft die Meinung des Managers zu ändern. Jetzt bin ich eine IBM Fellow für Enterprise Solutions und Systeme in der Forschung. Ich arbeite mit Blockchain, Enterprise Solutions und habe gerade mit dem Thema Quanten-Computing begonnen.

Ich nehme mir Zeit über neue Ideen nachzudenken und tief in Technologien einzusteigen, über die ich mehr wissen möchte. Der beste Teil meines Tages ist, mit Menschen zu sprechen und zu arbeiten, mit denen ich neue Lösungen entwickle. Sie sind talentiert und der Schöpfungsakt ist eine Freude.

„Gib denen, die du liebst, Flügel zum Fliegen, Wurzeln zum Zurückkehren und Gründe zum Bleiben.“ – Dalai Lama

Ich bin stolz darauf, dass ich Einwanderer und junge Menschen eingestellt habe und geholfen habe, dass ihre Karriere vorankommt. Ich habe dabei geholfen, Umgebungen und Projekte zu schaffen, wo die Vorstellungskraft und Fähigkeiten wirklich talentierte Menschen Flügel bekommen haben.

Aber die amerikanische Kultur schätzt externe Schönheit, vor allem bei Frauen, und würdigt Freundlichkeit, mentale Ausdauer, Durchhaltevermögen und innere Stärke nicht genug. Wenn man keine verantwortungsvollen Erwachsenen oder Eltern im Leben hat, kann man also mit ganz anderen Werten aufwachsen.

Man muss die Wunder der Wissenschaften, von Mathematik und Computern spüren. So sehr, dass es nicht mehr begraben werden kann.

Frauen sind dem sozialen Druck ausgesetzt brav und still zu sein und dafür geschätzt zu werden, wie man aussieht. Das ist nicht nur im Technologiesektor so. Bevor man in diese Art von Kultur eintaucht, muss man die Wunder der Wissenschaften, von Mathematik und Computern spüren. So sehr, dass es nicht mehr begraben werden kann. Auch wenn ich nicht mehr arbeiten würde, würde ich trotzdem noch an Computern herumspielen, ich würde immer noch mathematische Veröffentlichungen lesen. Letztens bin ich erst eine komplette Nacht wach geblieben, weil ich nicht über das Staunen über verschränkte Teilchen hinwegkam. Wow!

Eine Welt mit mehr Frauen im MINT-Bereich. Das wäre ein Anblick!

Es gäbe mehr Kreativität, mehr innovative Lösungen, mehr unterschiedliche Ideen und bessere Teams , wenn mehr Frauen im MINT-Bereich arbeiten würden. Das ist nicht nur so, weil wir eben Frauen sind, sondern deswegen, weil jedes mal, wenn eine Gruppe einen Schuss neue Idee bekommt, die Mischung besser wird und immer interessanter. Die Wirtschaft würde verbessert, es gäbe weniger Missbrauch von Frauen, die keinen Job haben, und es gäbe weniger Akzeptanz dafür, dass Sprache, Filme, Videospiele, Popkultur und Leitfiguren Gewalt gegen Frauen und den Missbrauch von Frauen glorifizieren.

Zumindest in den Bereichen, in denen ich unterwegs bin, sehe ich, dass sich die Situation über die Jahre verbessert hat. Frauen werden in Meetings und die Aktivitäten nach den Meetings als Gleichberechtigte einbezogen. Geschäftsleute achten mehr auf ihre Sprache und ihr Benehmen. Es gibt Regeln, die die Aufmerksamkeit auf das persönliche Verhalten lenken. Die Ergebnisse sieht man jeden Tag. Es braucht nur ein Beispiel, um das Verhalten anderer zu ändern.

In der richtigen Firma ist es toll in der Tech-Branche zu arbeiten.

In der richtigen Firma ist es toll in der Tech-Branche zu arbeiten. Du wirst auf Basis deines Codes, deiner Algorithmen, deiner wissenschaftlichen Arbeit bewertet. Es ist mehr eine Leistungsgesellschaft als in anderen Bereichen, wo man den Output nicht messen, quantifizieren und wissenschaftlich beschreiben kann.

Schlussendlich bringen wir Technologie voran, die das Leben der Menschen besser machen wird: bessere Diagnose für Krebs, bessere Gesundheit, Umwelt, Nahrungsangebot, Klima, Energieverbrauch, die Art und Weise zu lernen. Wer kann sich denn sträuben den Planeten besser machen?

Geschrieben von
Gabriela Motroc
Gabriela Motroc
Gabriela Motroc ist Online-Redakteurin für JAXenter.com. Vor S&S Media studierte Sie International Communication Management an der The Hague University of Applied Sciences.
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