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Frauen in der Tech-Branche im Portrait: Catherine Lefèvre

Women in Tech: „Mentorschaft, Akzeptanz und Vertrauen sind Kernfaktoren für Diversität am Arbeitsplatz“

Gabriela Motroc

In unserer Artikelserie „Women in Tech“ stellen wir ebenso spannende wie inspirierende Frauen vor, die erfolgreich in der IT-Branche Fuß gefasst haben. Heute im Fokus: Catherine Lefèvre, Associate Vice President im Information Management Team bei AT&T.

Die Tech-Industrie wird von Männern dominiert – so weit, so schlecht. Doch langsam, aber sicher bekommt der sogenannte Boys Club Gesellschaft von begabten Frauen: Immer mehr Frauen fassen in der Branche Fuß.

Aus diesem Grund wollen wir hier spannenden und inspirierenden Frauen die Möglichkeit geben, sich vorzustellen und zu erzählen, wie und weshalb sie den Weg in die Tech-Branche gewählt haben. Aber auch Themen wie Geschlechtervorurteile, Herausforderungen oder Förderungsmöglichkeiten kommen zur Sprache.

Unsere Woman in Tech: Catherine Lefèvre

Catherine Lefèvre ist Associate Vice President im Information Management Team von AT&T. Die in Belgien ansässige Catherine ist für die Software-Delivery und die Skalierung von der Plattform ECOMP verantwortlich, auf der softwarezentrierte Netzwerk von AT&T fußt. Zudem ist sie Mitglied des AT&T „Virtual Network Function“ Governance Boards und leitet das Open Sourcing der ECOMP-Plattform (ONAP).

Catherine begann ihre Karriere 1996 als Software-Entwicklerin bei Alcatel, im Jahr 2013 wechselte sie zu AT&T. Während ihrer Zeit bei AT&T hat sie sich auf die Entwicklung des softwaredefinierten Netzwerks konzentriert. Dies beinhaltet die Arbeit an Best Practices in der Software-Entwicklung und an frühen Prototypen sowie dem Proof of Concept der AT&T-Domain-2.0-Technologie. Außerdem hat sie den Weg dieser Technologie vom Konzept bis zur skalierten Produktionsentwicklung begleitet und die Integration einer DevOps-Kultur bei AT&T für die stärkere Zusammenarbeit zwischen den Entwicklungs- und Operation-Teams unterstützt. Sie ist auch Teil des EMEA Women’s Network von AT&T, bei dem sie als Mentorin für junge Frauen in MINT-Berufen fungiert.

1996 machte Catherine ihren Master in Informatik und erhielt ihre Lehrerlaubnis für Informatik an der University of Namur (FUNDP). Catherine ist Belgierin, eine begeisterte Reiterin und Fotografin.

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Was hat dein Interesse für die Tech-Branche geweckt?

Als ich 14 Jahre alt war, schenkte mir mein Vater meinen ersten PC, einen Sinclair QL. Ich hatte auf eine Videospielkonsole wie den Commodore 64 oder einen Atari 800 gehofft, aber mein Vater dachte, es würde mir mehr Spaß machen, meine eigenen Spiele zu programmieren. Und er kannte mich gut – jedes Mal, wenn er nach England reiste, brachte er mir die neueste Ausgabe des QL World Magazines mit, das den Quellcode von beliebten Arcade-Spielen (wie Labyrinth, Snake und Battleship) in der Programmiersprache Basic enthielt. Ich habe sie alle programmiert und damit war mein Interesse am Informatikstudium geweckt.

Für einen Beruf als Ingenieur geboren zu sein, macht einen nicht automatisch zu einem – man muss hart an seiner Leidenschaft arbeiten, um seine Ziele zu erreichen.

Meine Eltern spielten eine große Rolle bei der Motivation für eine MINT-Karriere – meine Mutter war Mathematiklehrerin und mein Vater war Elektronikingenieur, weshalb die MINT-Fächer für mich von Anfang an ein vertrautes Terrain waren. Ich möchte jedoch hinzufügen, als Ingenieur geboren zu werden, macht dich nicht automatisch zu einem: Du musst hart an deiner Leidenschaft arbeiten, um deine Ziele zu erreichen. Auf persönlicher Ebene war ich immer ein wenig zurückhaltend und ich hatte die falsche Vorstellung, dass wenn ich stets hervorragende Arbeit leiste, der Rest von ganz allein folgen würde. Aber ich habe rechtzeitig erkannt, dass man seine Ziele aktiv verfolgen muss, sonst kommt man nicht weit.

Ich habe in meiner Familie einen starken Rückhalt – meine Eltern sind die Eckpfeiler meines Erfolges und mein Mann ist meine Stütze und mein Anker im Leben. Ich habe ihnen so viel zu verdanken, dass ich jeden Erfolg meiner Familie widme.

Ich war immer entschlossen, weiterzukommen und mich weiterzubilden, denn mit dieser Einstellung kann dich nichts davon abhalten, deine Ziele zu erreichen. In Anbetracht der sich rasch wandelnden Welt der Technologie müssen wir ständig dazulernen, damit wir uns schnell an neue Veränderungen anpassen können, ansonsten werden wir im Staub versinken und nicht in der Lage sein, die Früchte dieser Veränderungen zu ernten.

Ein Tag in Catherines Leben

Als Associate Vice President von AT&T Labs besteht mein Job aus mehreren Elementen – ich bin verantwortlich für die Auslieferung von softwaredefinierten Netzwerkkomponenten von AT&T, sowie für die regelbasierten Prozessautomatisierungsplattform und der Service-Provisioning-Plattform (Sprachübertragung, D2 Netzwerk/Service-Elemente, etc.). Ich bin auch Co-Leiterin der Open Network Automation Platform (ONAP), die unter dem Dach der Linux Foundation veröffentlicht wurde.

Im Wesentlichen arbeite ich an den Best Practices der AT&T Software-Entwicklung und an der Einführung der DevOps-Kultur für eine stärkere Zusammenarbeit zwischen den Entwicklungs- und Operations-Teams. Außerdem spiele ich als Teil des AT&T EMEA-Frauen-Netzwerks eine aktive Rolle bei der Betreuung junger Frauen, die sich für eine Karriere in einem MINT-Beruf interessieren.

Wir sollten es zur Priorität machen, Mentoren für Frauen und Männer zu schaffen.

Jeder Tag ist anders und meine Aufgaben sind sehr abwechslungsreich. Normalerweise organisiere ich meine Arbeitswoche, indem ich sie in zwei Teile aufteile – in den ersten drei Tagen arbeite ich von 9 bis 23 Uhr (und manchmal sogar bis Mitternacht) und an Donnerstagen/Freitagen arbeite ich von 9 bis 18 Uhr/19 Uhr. Normalerweise verbringe ich die ersten 30 Minuten damit, mich mit meinem lokalen Team zu treffen und dann meine Aktivitäten auf dringende Angelegenheiten zu konzentrieren, die über Nacht aufgetreten sind. Anschließend geht es darum, im Voraus zu planen – neue Ideen zu notieren und mit meinen Teams in Belgien und auf der ganzen Welt Ideen zu sammeln, die langfristigen Strategien zu definieren, Leute anzurufen und zu treffen, mein Budget zu überprüfen und natürlich E-Mails zu lesen und auf dem Laufenden zu bleiben.

Das ist normalerweise mein Tag, wenn ich in Belgien bin, aber ich verbringe viel Zeit im Ausland – meistens in den USA – und besuche alle verschiedenen Teams, besuche weltweite ONAP-Veranstaltungen oder ähnliches. In der Regel reise ich einmal pro Quartal, mit Ausnahme des ersten, das immer sehr arbeitsreich ist – in diesem Jahr bin ich aber bereits dreei Mal gereist.

Ich bin stolz auf die verschiedenen Auszeichnungen, die ich und meine Teams gewonnen haben, darunter die AT&T Science and Technology Medal sowie den Technology Development President’s Award, und auch auf meine Teammitglieder, denn sie sind die eigentlichen Macher all unserer Projekte. Die meiste Zeit verbringe ich mit meinem Team – ich versuche das Verantwortungsbewusstsein meiner Kollegen zu fördern, ihre Ideen und Initiativen zu pflegen und zu unterstützen und ihnen Feedback und Ermutigung zu ihren Leistungen zu geben. Zu sehen, wie mein Team aufblüht und sich weiterentwickelt, freut mich sehr.

Warum gibt es nicht mehr Frauen in der Tech-Branche?

Das Problem ist tief verwurzelt und entspringt aus traditionellen Geschlechterstereotypen in Technologie- und Ingenieurkarrieren. Wir gehören einer Kultur an, die Themen und Berufe in „weiblich“ und „männlich“ einordnet – das muss sich ändern. Momentan haben wir weniger Frauen, die MINT-Fächer studieren und sich für MINT-Karrieren entscheiden, weshalb die Arbeitgeber nur über einen begrenzten weiblichen Talentpool verfügen, aus dem sie rekrutieren können. Und selbst wenn Frauen sich dafür entscheiden, ein MINT-Fach zu studieren, sind sie den Männern zahlenmäßig unterlegen, weshalb es für mehr Frauen in Führungspositionen so wichtig ist, junge Frauen zu betreuen.

Mehr Frauen in Führungspositionen können dazu beitragen, junge Frauen für eine MINT-Karriere zu begeistern.

Diversität kommt den Unternehmen in hohem Maße zugute. Mehrere Studien zeigen, dass Unternehmen mit einer vielfältigen Belegschaft von einer kreativeren Arbeitskraft profitieren und einen höheren Gesamterfolg erzielen. Mehr Frauen am Arbeitsplatz und in Führungspositionen können auch dazu beitragen, junge Frauen für eine MINT-Karriere zu begeistern und ein starkes Netzwerk für Frauen auf allen Karrierestufen aufzubauen.

Veränderung hängt davon ab, wie viel Veränderung wir an der Basis erreichen können. Können Eltern und Lehrer mehr junge Mädchen zur MINT-Ausbildung motivieren? Können mehr Unternehmen flexible Arbeitszeitmodelle anbieten? Können Arbeitgeber mehr Frauen in Führungspositionen fördern? Und können Frauen in Führungspositionen mehr junge Mädchen für technologiebasierte Bildungswege und Karrieren begeistern?

Hindernisse

Ich glaube, es fehlt an Mentorinnen, die junge Frauen durch die Anfangsphase ihrer Karriere führen können. Wir sollten es zu einer Priorität machen, Mentoren für Frauen und Männer zu bestimmen. Gegenseitige Unterstützung und Vielfalt am Arbeitsplatz kann zu einigen der größten Ideen und Erfindungen führen, die jemals entstanden sind. Mentorschaft, Akzeptanz und Vertrauen sind drei Bereiche, die ich für die Förderung der Geschlechtervielfalt am Arbeitsplatz für sehr wichtig halte.

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Tipps & Tricks

Ich möchte allen Frauen sagen, dass sie ihre Träume mit Leidenschaft verfolgen sollen. Von anderen Frauen zu hören, die in der Branche arbeiten, ist ebenfalls sehr nützlich – ich werde wie in den vergangenen Jahren an mehreren von meinem Unternehmen organisierten Girls-Day-Veranstaltungen teilnehmen, bei denen ich meine persönlichen Erfahrungen als Führungspersönlichkeit in den Bereichen Technologie und Innovation teile, meine Rolle entmystifiziere und Missverständnisse in Bezug auf MINT-Karrieren beseitigen werde.

Mein Ziel ist es, durch Informationen die Berufswahl für Mädchen zu erleichtern, die an einem kritischen Punkt sind, wichtige Entscheidungen über ihre Ausbildung und ihre Karriere in MINT-Berufen zu treffen.

Geschrieben von
Gabriela Motroc
Gabriela Motroc
Gabriela Motroc ist Online-Redakteurin für JAXenter.com. Vor S&S Media studierte Sie International Communication Management an der The Hague University of Applied Sciences.
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