Heute im Interview: Anna-Maria Schaum, Head of Business Intelligence & Controlling bei MyHammer

Women in Tech: „Was wir brauchen, sind Vorbilder, die allgegenwärtig sind und keine Ausnahmen, die die Regel bestätigen“

Dominik Mohilo

In unserer Artikelserie „Women in Tech“ stellen wir inspirierende Frauen vor, die erfolgreich in der IT-Branche Fuß gefasst haben. Heute im Fokus: Anna-Maria Schaum, Head of Business Intelligence & Controlling bei MyHammer.

Die Tech-Industrie wird von Männern dominiert – so weit, so schlecht. Doch langsam, aber sicher bekommt der sogenannte Boys Club Gesellschaft von begabten Frauen: Immer mehr Frauen fassen in der Branche Fuß.

Aus diesem Grund wollen wir hier spannenden und inspirierenden Frauen die Möglichkeit geben, sich vorzustellen und zu erzählen, wie und weshalb sie den Weg in die Tech-Branche gewählt haben. Aber auch Themen wie Geschlechtervorurteile, Herausforderungen oder Förderungsmöglichkeiten kommen zur Sprache.

Unsere Women in Tech: Anna-Maria Schaum

Anna-Maria Schaum

Anna-Maria Schaum ist Head of Business Intelligence & Controlling bei MyHammer. Mit ihrem Team ist sie damit u. a. für alle Aufgaben rund um Datenanalyse und -visualisierung verantwortlich. Seit 2012 ist sie bereits für MyHammer tätig und hat die Führungsposition seit 2014 inne. Das Besondere: Die Mutter von zwei Kindern übt die Tätigkeit in Teilzeit aus. Vor ihrem aktuellen Engagement war Anna-Maria Schaum u. a. bei SAP und Coca-Cola tätig. Zuvor studierte sie BWL mit Schwerpunkt Controlling und Unternehmensführung an der TU Berlin.

Was hat dein Interesse für die Tech-Branche geweckt?

Ich bin schon sehr früh ein Zahlenfreak gewesen. Das war mir früher gar nicht so bewusst, bis ich vor ein paar Jahren bei meinem letzten Umzug über alte Zettel gestolpert bin. Ich hatte dort meine Einnahmen aus dem Mathe-Nachhilfeunterricht dokumentiert. Bei diesem Anblick ist mir klar geworden, dass ich auch damals schon in sehr rudimentärer Form das gemacht habe, was ich auch heute noch liebe: mit Zahlen umgehen. Sei es, sie erstmal zu erfassen, sie dann auswertbar zu machen oder eben die richtigen Rückschlüsse auf Basis von Daten zu ziehen.

Mich haben meine direkten Vorgesetzten immer sehr stark unterstützt, beides Männer.

An der TU Berlin habe ich schließlich BWL studiert. Meine Schwerpunkte lagen im operativen und strategischen Controlling sowie der Organisation und Unternehmensführung. Nach dem Studium war ich dann als Junior Analyst bei Coca-Cola tätig und habe mich zum Team Lead hochgearbeitet. Bei MyHammer bin ich als Senior Controller eingestiegen und durfte nach meiner Elternzeit als Head of Business Intelligence & Controlling zurückkehren.

Ein Tag in Anna-Marias Leben

In meiner Position bin ich vor allem dafür verantwortlich, die Ressourcen in meinem Team zu managen sowie die unterschiedlichen Anforderungen aller Stakeholder aufzunehmen und für deren Umsetzung zu priorisieren. Mein Team kümmert sich wiederum um alle Datenbelange des Unternehmens. Selbst habe ich bisher noch nichts entwickelt, aber ich bin ja noch jung 😉

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Vorbilder und Förderer

Unterstützt hatten bzw. haben mich immer sehr stark meine direkten Vorgesetzten, beides Männer 🙂 Ein konkretes Vorbild habe ich nicht, aber ich bewundere alle Frauen, die es schaffen, den Spagat zwischen Familie und Karriere zu bestehen. Das war tatsächlich die bisher größte Herausforderung für mich.

Steine in den Weg gelegt hat mir zum Glück niemand. Ganz im Gegenteil: meine Karriere wurde immer wieder durch andere indirekt gesteuert, indem man in mir mehr gesehen hat, als ich selbst mir zugetraut hätte.

Hindernisse auf dem Weg

Nach dem Abschluss meines Studiums wurde ich zur Berufsberatung der Agentur für Arbeit eingeladen. Dort hat man mir ziemlich offen gesagt, dass ich als Frau nie Karriere machen werde, da ich ohnehin bald Kinder bekomme. Mir als einer frisch diplomierten Uniabsolventin, das muss man sich mal vorstellen.

Was wir vor allem brauchen, sind Vorbilder, die allgegenwärtig sind und keine Ausnahmen, die die Regel bestätigen.

In meinem Team heute sind wir tatsächlich paritätisch besetzt, auch wenn ich nicht gezielt darauf hingearbeitet habe. Auch wenn wir Stellen für meinen Bereich neu besetzen mussten, war der Anteil von weiblichen Bewerbern recht hoch. Ich denke die Hürden sind nicht zwingend ein Tech-Thema, sondern eher allgemeinerer Natur: Als Frau kämpft man auch heute noch gegen die üblichen Vorurteile: „Die wird doch sicher bald schwanger“, „Sie hat Kinder, die sind doch sicher häufig krank“.

Ich fürchte die Debatte um Frauen in der Tech-Branche wird uns noch sehr lange beschäftigen. Bestimmte Stereotypen sind auch heute noch so tief in der Erziehung verankert und dabei vor allem unbewusst, sodass es schwer ist, hier anzugreifen. Mein fünfjähriger Sohn meint, Frauen würden weniger gut Auto fahren und rosa ist eine „Mädchen-Farbe“, das habe ich ihm ganz sicher nicht „beigebracht“, es ist trotzdem da.

Hoffnung für die Zukunft

Je mehr Frauen im Tech-Bereich arbeiten, desto selbstverständlicher wird dies. Was wir vor allem brauchen, sind Vorbilder, die allgegenwärtig sind und keine Ausnahmen, die die Regel bestätigen. Für Arbeitgeber darf sich gar nicht die Frage stellen, ob man eine Frau einstellt, weil sie ja später schwanger werden könnte.

Für Frauen, die in die Tech-Branche einsteigen möchten, habe ich den Ratschlag, dass man sich tatsächlich von niemandem reinreden lassen sollte. Macht lieber das, was euch Spaß macht!

Geschrieben von
Dominik Mohilo
Dominik Mohilo
Dominik Mohilo studierte Germanistik und Soziologie an der Goethe-Universität in Frankfurt. Seit 2015 ist er Redakteur bei S&S-Media.
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