Frauen in der Tech-Branche im Portrait: Aimee Knight

Women in Tech – „Macht es euch in der Ungemütlichkeit gemütlich“

Mascha Schnellbacher

© S&S Media

In unserer Artikelserie „Women in Tech“ stellen wir ebenso spannende wie inspirierende Frauen vor, die erfolgreich in der IT-Branche Fuß gefasst haben. Heute im Fokus: Aimee Knight, Frontend Software Engineer bei DramaFever.

Die Tech-Industrie wird von Männern dominiert – so weit, so schlecht. Doch langsam, aber sicher bekommt der sogenannte Boys Club Gesellschaft von begabten Frauen: Immer mehr Frauen fassen in der Branche Fuß.

Aus diesem Grund wollen wir hier spannenden und inspirierenden Frauen die Möglichkeit geben, sich vorzustellen und zu erzählen, wie und weshalb sie den Weg in die Tech-Branche gewählt haben. Aber auch Themen wie Geschlechtervorurteile, Herausforderungen oder Förderungsmöglichkeiten kommen zur Sprache.

Unsere Woman in Tech: Aimee Knight

Heute erzählt uns Aimee Knight, Frontend Software Engineer bei DramaFever, ihre Geschichte. Aimee war lange Zeit professionelle Eiskunstläuferin und Trainerin, bis sie sich für eine Karriere in der Tech-Branche entschied. Nach einem Studium in Communication Management und Mass Communications wechselte sie die Fachrichtung und studiert seit 2012 Information Technology. Seit 2013 arbeitet sie Vollzeit in der Tech-Branche, unter anderem als Web Developer und Full-Stack Software Engineer.

Aimee hat keinen traditionellen Hintergrund, sondern kam auf Umwegen in die Tech-Branche:

Im College und davor habe ich ehrlich gesagt nicht ein einziges Mal darüber nachgedacht, Informatik zu studieren. Ich war 15 Jahre lang professionelle Eiskunstläuferin und hatte vor, für den Rest meines Lebens als Trainerin zu arbeiten. Ich habe das Eiskunstlaufen geliebt und tue das immer noch. Als ich das College halb hinter mir hatte, habe ich aber angefangen darüber nachzudenken, wie eine andere Karriere für mich aussehen könnte. Da war es schon zu spät, um meinen Studienschwerpunkt zu ändern, weil ich ein Stipendium für meinen Studiengang hatte. Aber ich habe den Rest meiner College-Zeit damit verbracht, Praktika bei ein paar Werbeagenturen zu machen und langsam eine neue Laufbahn im Marketing einzuschlagen.

Zum ersten Mal mit Tech in Berührung gekommen bin ich in meinem ersten Job nach dem College. Als Projektmanagerin bei einer Werbeagentur habe ich täglich mit Entwicklern zusammengearbeitet. Es hat mich unheimlich eingeschüchtert zu sehen, woran die Entwickler gearbeitet haben oder zu hören, worüber sie sprachen – allerdings war ich auch fasziniert davon. Danach hatte ich in einen weiteren Marketing-Job, bei dem ich das CMS des Unternehmens verwaltet habe. In diesem Job habe ich zum ersten Mal den Sprung gewagt und Markup und Styles selbst optimiert. Ich war direkt Feuer und Flamme!

Mittlerweile ist Aimee fest in der Tech-Branche angekommen:

Ich arbeite derzeit als Frontend Software Engineer für DramaFever, eine Tochtergesellschaft von Warner Bros. Ich arbeite remote von Nashville, Tennessee aus; mein Tag beginnt normalerweise um 9 Uhr. Um diese Zeit findet unser Standup statt, danach arbeite ich den restlichen Tag über an Features und Bugs. Ich gehe unter der Woche gerne und häufig zu Meetups und fahre auch oft auf Konferenzen.

Im Lauf meiner Karriere konnte ich an ein paar großartigen Produkten mitarbeiten, darunter Boomerang, Warner Archive, DramaFever, Moodica und zuletzt etwas für DC Comics. Davor habe ich an einem Curriculum-Management-System für Kuali und an Sparkpost gearbeitet, einem E-Mail-Deliverability-System.

Vom Eiskunstlauf zur Softwareentwicklerin – eine ungewöhnliche Laufbahn. Auf diesem Weg haben Aimee viele Personen unterstützt:

Ich wurde von unzähligen Menschen unterstützt, als ich in den Tech-Bereich gewechselt habe. Das waren hauptsächlich Männer, die mich auch auf zwei Organisationen hingewiesen haben, deren Zielgruppe Frauen sind. Sowohl RailsBridge als auch Rails Girls haben mir dabei geholfen, in Kontakt mit anderen Frauen im Lernprozess zu kommen.

Weibliche Vorbilder bestärken Frauen in ihrer Wahl.

Außerdem haben sie mir Frauen als Vorbilder gegeben, die das tun, was ich auch tun wollte, und mir nur ein paar Jahre oder Monate voraus waren. Genau das habe ich damals gebraucht, um zu wissen, dass ich das auch schaffen kann.

Dennoch war es auch manchmal schwer, die einzige Frau in einem Programming Bootcamp zu sein. Die meisten Jungs waren toll, aber ich habe es irgendwann schon vermisst, eine Freundin dabei zu haben. Rülpser und Jungs-Witze können mit der Zeit echt anstrengend werden!

Aimee kam selbst ja erst recht spät mit Tech in Kontakt und sieht das auch als Hauptursache dafür, dass so wenige Frauen in der Tech-Branche anzutreffen sind:

Zum Teil liegt es daran, dass Mädchen nicht bereits als Kinder mit Tech in Berührung kommen und das somit nicht als Option für sich selbst empfinden. Mir wurde bei Meetups gelegentlich die typische Frage „Und wessen Freundin bist du?“ gestellt, aber das macht mir nicht so viel aus. Es amüsiert mich, die Reaktion der Jungs zu sehen, wenn ich ihnen erkläre, dass ich auch Entwicklerin bin. Das macht meistens mehr Spaß, als sich darüber aufzuregen!

Ich kann mir aber durchaus vorstellen, dass das ein Problem für manche Frauen ist, die davon eingeschüchtert oder entmutigt werden. Während ich sowas normalerweise mit einem Lachen abtun kann, musste ich allerdings definitiv lernen, laut zu sprechen und bestimmt aufzutreten, da ich als Frau normalerweise in der Minderheit bin und leise rede.

Aber würde es denn etwas verändern, wenn mehr Frauen in der Tech-Branche arbeiten würden? Warum sollten dort mehr Frauen arbeiten?

Wir brauchen Frauen in Tech, weil Frauen auch Tech-Kunden sind.

Ich bin froh, dass die Frage lautet, „warum“ und nicht „ob“ mehr Frauen in der Tech-Branche arbeiten sollten. Ja, unsere Welt wäre definitiv anders, wenn mehr Frauen in MINT-Berufen arbeiten würden. Wir brauchen Frauen in Tech, weil Frauen ebenfalls Kunden von Tech sind.

#peopleoverpixels ist einer meiner liebsten Hashtags auf Twitter und ich glaube, dass er mit diesem Thema in Verbindung steht. Ich verbringe zwar einen großen Teil meines Tags damit, Code anzuschauen und Probleme immer feiner zu unterteilen, am Ende geht es aber doch um das große Ganze. Wenn wir uns zu sehr auf die kleinen Probleme konzentrieren, kann es passieren, dass wir den Wert, den diverse Teams bieten, aus den Augen verlieren.

Für die Zukunft von Frauen und Diversity hat Aimee aber ein gutes Gefühl:

Ich finde es großartig zu erleben, wie viele anders ausgebildete Menschen auf dem zweiten Berufsweg in die Tech-Branche kommen. Ich glaube, dass das anderen dabei hilft, ein Berufsfeld in Betracht zu ziehen, das aufgrund der mit der Branche assoziierten Stereotype keinen Willkommenscharakter ausstrahlt.

Frauen, die in der Tech-Branche arbeiten möchten, gibt Aimee einen Rat mit auf den Weg:

Macht es euch in der Ungemütlichkeit gemütlich.

Mein Rat basiert auf einem Vortrag, den ich gehalten habe, und lautet, dass man es sich in der Ungemütlichkeit gemütlich machen sollte. Das ist wahrscheinlich nicht die Antwort, die viele Menschen hören wollen, aber ich glaube doch, dass es der derzeitigen Realität der Situation entspricht.

Wenn man sich eine positive Perspektive bewahrt und den Spaß erhalten kann, den man am Fachgebiet hat, sollte das meiner Meinung nach nicht zu schwer sein. Deine geistige Kraft ist begrenzt, also solltest du sie klug einsetzen. Für mich heißt das, dass ich meine Energie für technische Herausforderungen einsetze und eine unbekümmerte Einstellung gegenüber allem anderen pflege.

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Women in Tech – die Umfrage

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Women in Tech – die Serie

In der Serie Women in Tech stellen sich inspirierende Frauen aus der IT-Branche vor. Bisher erschienen:

…. weitere Teile der Serie

Geschrieben von
Mascha Schnellbacher
Mascha Schnellbacher
Mascha Schnellbacher studierte Buchwissenschaft und Deutsche Philologie an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Seit Juni 2015 arbeitet sie als Redakteurin in der Redaktion des Entwickler Magazins bei Software & Support Media. Zuvor war sie als Lektorin in einem Verlag sowie als freie Editorin tätig.
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