Frauen in der Tech-Branche im Portrait: Heather VanCura

Women in Tech: „Technik spiegelt diejenigen wider, die sie erschaffen“

Gabriela Motroc

In unserer Artikelserie „Women in Tech“ stellen wir ebenso spannende wie inspirierende Frauen vor, die erfolgreich in der IT-Branche Fuß gefasst haben. Heute im Fokus: Heather VanCura, Chair of JCP bei Oracle.

Die Tech-Industrie wird von Männern dominiert – so weit, so schlecht. Doch langsam, aber sicher bekommt der sogenannte Boys Club Gesellschaft von begabten Frauen: Immer mehr Frauen fassen in der Branche Fuß.

Aus diesem Grund wollen wir hier spannenden und inspirierenden Frauen die Möglichkeit geben, sich vorzustellen und zu erzählen, wie und weshalb sie den Weg in die Tech-Branche gewählt haben. Aber auch Themen wie Geschlechtervorurteile, Herausforderungen oder Förderungsmöglichkeiten kommen zur Sprache.

Unsere Woman in Tech: Heather VanCura

Heather VanCura ist Chair of the JCP bei Oracle. In dieser Rolle leitet sie die Aktivitäten des JCP Program Office. Sie treibt den Prozess voran, managt die Mitglieder, hilft den Sepcification Leads und Experten mit dem Prozess, leitet die Meetings des Executive Committees und kümmert sich um die Webseite JCP.org. Außerdem ist sie für Aktivitäten rund um das Community Building verantwortlich, zum Beispiel für das weltweite Adopt-a-JSR-Programm oder Events wie Hack Days. Heather sitzt in der ersten Reihe, wenn es darum geht Trends in der Community zu erkennen und Änderungen vorzuschlagen. Einige dieser Änderungen im JCP-Programm in den vergangenen Jahren waren die Förderung einer breiteren Teilnahme, verbesserte Transparenz und Agilität in der JSR-Entwicklung. Bevor Heather 2000 Teil der JCP Community wurde, arbeitete sie bei verschiedenen Technologieunternehmen.

Heather interessierte sich zum ersten Mal im College für Technik. Computer und ihre Möglichkeiten faszinierten sie, ebenso das Tempo der Innovationen im Technologiebereich im Vergleich zu anderen Feldern. Außerdem sah sie in Technik das Potenzial die Welt zu verändern und wollte ein Teil dieser Bewegung sein.

Ich habe mich in Computerwissenschaften, quantitativen Methoden und Mathematik im College hervorgetan. Erfahrungen zu sammeln und Vorurteile zu überwinden waren dabei die größten Hindernisse.

Vorbilder zu haben ist wichtig.

Ich bin ziemlich zielstrebig und meine Familie und Freunde wissen, dass ich alles durchziehe, was ich mir einmal in den Kopf gesetzt habe. Meine Großmutter ging aufs College und arbeite in den 1940ern. Sie war ein Vorbild für mich als eine starke, unabhängige Frau. Ich denke, dass Vorbilder ausgesprochen wichtig für junge Frauen sind, die an Technik interessiert sind.

Ich denke, dass Vorbilder wichtig für junge Frauen sind, die an Technik interessiert sind.

Ich habe einen Bachelor of Science in Business und wollte Computerwissenschaften in den 1990ern am College nehmen. Ich wurde aber ermutigt mich zuerst auf eine Heirat zu fokussieren. Das hat mich aber nicht abgehalten. Aber diese Art von Karrierehindernissen musste ich überwinden.

Einen typischen Arbeitstag gib es für Heather nicht.

Da ich von Zuhause aus arbeite, habe ich einige Freiheiten, Flexibilität und Kreativität wie ich meinen Tag organisiere, um meine professionelle Arbeit, Familie sowie persönlichen und freiwilligen Verpflichtungen zu integrieren. Mein Tag kann enthalten: den Vorsitz eines JCP Executive Committee Meetings, ein Vortrag auf einer Konferenz, ein Videoanruf oder ein Chat mit einem Leiter einer Java User Group, ein Interview auf einer Konferenz, die Organisation eines Hack Days, ein Meeting mit den Kollegen aus meinem Team, den Besuch einer JUG oder das Schreiben von E-Mails an meinem Küchentisch. Meine Arbeit bringt mich an Orte überall auf der Welt: Afrika, Asien, Europa, Nordamerika, Südamerika. Bisher war ich noch nicht in Australien oder in der Antarktis, aber daran arbeite ich! Ich arbeite freiwillig für Dinge, die mir etwas bedeuten, wie Leadership oder Coding Workshops für Mädchen und Frauen.

Wenn es um die Diskussion rund um Frauen in der Tech-Branche geht, glaubt Heather, dass die Tech-Branche excellente Karrieremöglichkeiten für Frauen bietet. Es gibt jedoch ein Aber.

Die Pipeline von jungen Frauen auf dem Weg in die Tech-Branche ist ein Problem, das schon in den Grundschuljahren beginnt; sowohl wegen kulturellen Geschlechtervorurteilen als auch wegen gut meinender aber fehlgeleiteter Erwachsener. Zusätzlich ist die die leckgeschlagene Pipeline mindestens ein genauso großer Faktor.

Es braucht Stärke, Selbstvertrauen, Selbstmarketing und Verhandlungsgeschick, um in der Tech-Branche zu bestehen.

Ich sehe die große Zahl an Frauen, welche die Tech-Branche verlassen, als ein großes soziales Problem. Über 40 Prozent der Frauen verlassen innerhalb von zehn Jahren die Branche. Als Gründe dafür werden genannt: sexistisches, herablassendes Verhalten männlicher Kollegen, der Mangel an erstklassigen Aufgaben und Möglichkeiten und die Anforderung Low-Level-Task zu bearbeiten. Das ist bedauerlich, denn ich denke, dass die Tech-Branche excellente Karrieremöglichkeiten für Frauen bietet. Aber ist es braucht Stärke, Selbstvertrauen, Selbstmarketing und Verhandlungsgeschick, um in dieser Umgebung zu bestehen.

Die Herausforderungen sind manigfaltig.

Wenn eine Frau das Verhalten eines Mannes nachahmt, wird sie als aggressiv, ruppig, dickköpfig oder herrisch wahrgenommen. Dies sind alles Merkmale, die Frauen in der Arbeitswelt zugeschrieben werden. Männer, die sich so verhalten, werden starke, zielsichere Anführer genannt. Man lernt diese feine Linie zu gehen, wie ein Seil, zwischen zu feminin, um effektiv zu sein, und zu maskulin, um gemocht zu werden.

Man lernt diese feine Linie zu gehen, zwischen zu feminin, um effektiv zu sein, und zu maskulin, um gemocht zu werden.

Das eigene Netzwerk auszubauen ist eine Herausforderung. Es ist manchmal schwierig, mit Männern zu netzwerken, um Mentoren, Spronsoren und Verbündete zu finden. Ich hatte das Glück viele Sponsoren, Mentoren und Verbündete zu haben. Das liegt auch daran, dass ich kein Problem damit habe, die einzige anwesende Frau zu sein. Andere Frauen fühlen sich dann oft unwohl. Wenn man sich daran gewöhnt sich unwohl zu fühlen und sich selbst aus der Komfortzone holt, wird es einfacher. Für Inspiration kann man eines meiner Lieblingszitate von Eleanor Roosevelt zur Rate ziehen: „Do one thing that scares you every day.“

Du wirst öfter unterbrochen als ein Mann. Deine Idee werden vielleicht nicht gehört. Darauf musst du vorbereitet sein. Die Unterstützung von Verbündeten ist hier wichtig.

Technik entwickelt von und für Frauen wird Probleme für die gesamte Bevölkerung lösen, nicht nur für einen Teil.

Die Geschlechterkluft zu überwinden hätte soziale, kulturelle und ökonomische Auswirkungen. Technologie spiegelt die Menschen, die sie erschaffen. Technik entwickelt von und für Frauen wird Probleme der gesamten Bevölkerung lösen und und nicht nur einem Teil. Die Auswirkungen auf das Bruttosozialprodukt liegt bei Billionen von Dollar laut einer McKinsey-Studie zu Diversität in Tech. Es gibt oft gut gemeinte Bestrebungen Frauen darin zu unterstützen mehr wie Männer zu sein, aber es sind die angeboren Fähigkeiten in Frauen, die Teams mit Frauen und mit Frauen als Chefs erfolgreich machen: Kollaboration, Kommunikation, Langzeitdenke, Risikovermeidung und vieles mehr.

Die Diskussion über Diversität selbst wird nichts ändern. Debaten und Unterhalten sind gesund – und ich bin froh, den Dialog und die Aufmerksamkeit in der Branche zu sehen – aber um wirklich etwas zu ändern, müssen wir etwas tun. Wir müssen Frauen aktiv unterstützen, sponsorn und fördern. Wenn Männer diese Maßnahmen ergreifen, werden wir Veränderungen sehen, schon heute. Ich habe dazu einen Vortrag „How to Ally for Women in Tech“ gehalten.

Es gibt die Vorstellung, dass Technik eine Meritokratie ist. Das ist aber nicht unbedingt der Fall. Einfach deinen Job zu machen wird dich nirgendwohin führen, einfach Ja zu sagen wird dich auch nicht weiterbringen. Du musst außergewöhnlich in deinem Job sein. Um dich weiterzuentwickeln, musst du mit festgefahrenen Vorstellungen umgehen können, deine Sichtbarkeit erhöhen und deinen Einfluss ausbauen. Dafür brauchst du Sponsoren, Mentoren und Verbündete.

Geschrieben von
Gabriela Motroc
Gabriela Motroc
Gabriela Motroc ist Online-Redakteurin für JAXenter.com. Vor S&S Media studierte Sie International Communication Management an der The Hague University of Applied Sciences.
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