Wolkig mit Aussicht auf Einsparungen

Als finaler Schritt folgt die Testphase. Sie dient der Absicherung, dass die Applikation funktional so arbeitet, wie sie soll. Ein einfacher „Hochfahren-Anmelden-Abmelden“-Testzyklus reicht nicht aus. Das wäre wie ein Autokauf ohne Probefahrt. Die Tests umfassen die Verifikation der Applikationsfunktionalitäten und Integrationstests der Schnittstellen. Vor allem das Thema Performance müssen die Testteams überprüfen. Ein Vorteil bei der Umstellung von vorhandenen Applikationen ist das Vorhandensein von allen für Tests benötigten Artefakten wie Testspezifikationen, -prozeduren und Testdaten. Hier kann man also aus dem Vollen schöpfen und mit geringem Risiko bei moderaten Kosten testen. Die definierten KPIs lassen jetzt einen nachvollziehbaren Soll/Ist-Vergleich zu und weisen den erfolgreichen Übergang nach. Selbst bei fehlenden KPIs kann man oft sicherstellen, dass das neue Verhalten nicht wesentlich von Messwerten aus der Bestandsaufnahme abweicht.

Sind während der Umstellung keine neuen oder erweiterten Funktionen an der Applikation umgesetzt worden, so hat sich die Businessfunktionalität auch nicht geändert. Und das bedeutet, dass nicht jeder Testfall durchgeführt werden muss. Die Reduzierung auf die Haupttestfälle ist dann ausreichend, um den Betrieb der Applikation abzusichern. Möchte man auf Nummer sichergehen, so kann ein nachfolgender Probebetrieb für einen definierten Zeitraum hilfreich sein.

Cloud-Optimierung

Erst wenn die festgelegten Kennzahlen das Ende der Migration und Integration signalisieren, sind wieder funktionale Verbesserungen gestattet. Die strikte Beschränkung auf die nicht funktionalen Aspekte vor der Optimierung ist von entscheidender Bedeutung: Gibt der Kunde der Versuchung nach und erlaubt die Einführung vieler neuer Geschäftsfunktionen parallel zur Migration und Integration, so wächst erfahrungsgemäß das Risiko für eine Verlängerung dieser Übergangsphase. Typische Problemsituationen sind Folgende:

  1. Eine fehlende Baseline und unkontrollierbare Seiteneffekte: Die Kennzahlen für eine erfolgreiche Migration und Integration verlieren durch die neuen Geschäftsanforderungen den Bezug, da sich das neue Verhalten grundlegend vom Altsystem unterscheidet. Es ist auch nicht mehr eindeutig nachvollziehbar, ob nun die funktionalen Änderungen oder die Migration einen Fehler verursacht.
  2. Testgewohnheiten: In der Test- und Abnahmephase konzentrieren sich die Tester auf die neuen Funktionalitäten. Regressionstests für die migrierten Funktionen erhalten die gewohnt niedrige Priorität und fallen schließlich einem engen Zeitplan zum Opfer.

Im Sinne eines aktiv gelebten Risikomanagements minimiert der Verzicht auf neue Funktionen die Gefahr, dass nicht erkannte Instabilitäten später die angestrebten Betriebsersparnisse auffressen. Da es jedoch nicht möglich ist, funktionale Änderungen während der Migration und Integration gänzlich zu verhindern, muss der Bereich IT-Unternehmensarchitektur die Anzahl der Ausreißer minimieren und die Verantwortung für eine strenge Überwachung übernehmen. Es erfordert Rückgrat und Selbstbewusstsein, um während des Übergangs nicht dem Anforderungsdruck der Anwender nach neuen IT-Funktionen nachzugeben. Stattdessen sollten alle Parteien aktiv danach streben, den Baustein Integration und Migration möglichst kurz zu halten. Eine Optimierungsiteration löst den funktionalen Stau schließlich auf. Durch das iterative Vorgehen ist es außerdem erlaubt, dass migrierte Anwendungen bereits die Optimierung starten, während sich andere noch auf dem Weg in die Cloud befinden.

Cloud Optimierung bedeutet nicht, dass die Unternehmens-IT wieder in die alten Verhaltensmuster zurückfällt. Während der erfolgreichen Umstellung von Anwendungen sollten alle Beteiligten einige nützliche, neue Arbeitstechniken erlernt haben: Die Unternehmens-IT beschreibt den Geschäftsnutzen jetzt auch für funktionale Änderungen und berücksichtigt ihn bei der Priorisierung. Sie dokumentiert Maßnahmen in dem begonnenen Unternehmensarchitekturmodell. Für jede neue Anforderung legt sie zusammen mit dem Kunden Baseline und Maßzahlen als Fertigstellungs- und Qualitätskriterium fest. All das ist Teil eines gelebten Enterprise-Architekturmanagements. Auf dem soliden Fundament der migrierten IT-Landschaft kann die Unternehmens-IT jetzt funktionale und nicht funktionale Cloud-Optimierungen initiieren, die im Trend liegen:

  • Beispielsweise reduziert sich eine mehrfach vorhandene, redundante IT-Dienstleistung auf ein einziges Vorkommen. Dabei ändern sich Kommunikationsbeziehungen und Schnittstellen in der IT-Landschaft. Individuelle Erweiterungen an der resultierenden IT-Dienstleistung sind sehr wahrscheinlich. Allerdings benötigt die konsolidierte Applikation voraussichtlich mehr Ressourcen. Im klassischen Betrieb hätte möglicherweise schon eine Investition in zusätzliche Hardware diese Optimierung verhindert.
  • Ein nur tagsüber von deutschen Geschäftspartnern genutzter Marktplatz erhält angepasste Service Level Agreements, die Anwendung reduziert ihren Rechnerbedarf nachts automatisch auf ein Minimum.

Entscheider nehmen Cloud Computing oft als neues, rein technologisches Modell für verteilte Unternehmensanwendungen wahr und damit als nächste Gewitterwolke am Trendhorizont. Die vorgestellten Möglichkeiten zeigen einen Ausweg aus der Betriebskostenfalle und verstehen sich als Schönwetterwolken für CIOs [5], [6].

Rainer Koppenhofer (Rainer.Koppenhofer [at] t-systems.com) arbeitet bei T-Systems als Senior-IT-Architekt mit Schwerpunkt Enterprise Architecture Management und unterstützt in Großprojekten bei der Migration von Applikationslandschaften in die Cloud.

Bernd Rederlechner (Bernd.Rederlechner [at] t-systems.com) arbeitet bei T-Systems als Senior-IT-Architekt in Großprojekten und ist Spezialist für die Integration großer Systemlandschaften. Außerdem schreibt er in Fachzeitschriften über serviceorientierte Integration und Business Process Management.

Detlev Uhlenbrock (Detlev.Uhlenbrock [at] t-systems.com) arbeitet bei T-Systems als Senior-IT-Architekt in Großprojekten und ist Spezialist für Industrialisierung, Standardisierung, Cloud und Dynamic Computing.

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