Wolkig mit Aussicht auf Einsparungen

Cloud-Migration und -Integration

Ziel der Migration und Integration ist, dass definierte Applikationen in der Cloud betrieben und genutzt werden können. In mehreren Iterationen gelangen einzelne Applikationen oder Applikationsgruppen in die Cloud, basierend auf den Szenarien und den Planungen des Cloud Readiness Assessments.

Abbildung 3 zeigt schematisch die Anordnung der verschiedenen Migrationen und Integrationen in einer Roadmap. Im Beispiel sind Applikationsgruppen nach den verschiedenen Schichten der EAM-Struktur mit Farbblöcken (mit der gleichen Farbkodierung wie in Abb. 2) markiert. Jeder Zeitblock beinhaltet ein vierstufiges Vorgehen: Nach einer detaillierten, technischen Analyse erfolgen die fast ausschließlich nicht funktionalen Änderungen an den Applikationen. Danach folgt die tatsächliche Installation, Migration und Integration der neuen Versionen im operativen Betrieb. Eine abschließende, intensive Testphase in ihrer Betriebsumgebung sichert die Qualität und Alltagstauglichkeit der angepassten Anwendungen.

Abb. 3: Phasen einer Migration Unit und Aufbau einer Roadmap

Welche tatsächlichen, technischen Anpassungen an den Applikationen aus einer Gruppe notwendig sind, damit sie reibungslos auf der Cloud-Plattform laufen, ist das zentrale Thema in diesem Baustein. In der Applikationsanalyse ergänzt der Bereich IT-Unternehmensarchitektur gegebenenfalls zusammen mit seinen Dienstleistern zunächst die bereits im Cloud Readiness Assessment begonnene Applikationsliste um die notwendigen technischen Details für das weitere Vorgehen. Ein wichtiges Hilfsmittel ist dabei eine existierende Konfigurationsdatenbank (CMDB). Außerdem erfolgt eine Bestandsaufnahme direkt am betroffenen System. Sie identifiziert, überprüft und misst die applikationsspezifischen Eigenarten „vor Ort“. Das Vorhandensein und die Qualität der Dokumentation runden das Bild ab.

Als Ergebnis der Bestandserfassung liegt der aktuelle Betriebszustand fest und bildet die Baseline, gegen die die Qualität und die zukünftigen Verbesserungen bewertet werden. Auf der Grundlage dieses Current Mode of Operation (CMO) definieren die am Vorhaben beteiligten Parteien, in welcher Form die Applikation zukünftig betrieben werden soll. Kennzahlen (KPI) stellen sicher, dass die Systeme später nachweisbar diesen Future Mode of Operation (FMO) erreicht haben.

Während dieser Arbeit ergeben sich verfeinerte Gruppen von Applikationen, hauptsächlich aus den Zwängen technischer oder auch fachlicher Abhängigkeiten. Technische Abhängigkeiten sind zum Beispiel gegeben, wenn mehrere Applikationen dieselbe Datenbank nutzen, ein Webportal als Schnittstelle für eine Reihe von Applikationen dient usw. Eine fachliche Abhängigkeit ergibt sich, wenn z. B. die durchgängige Verfügbarkeit aller notwendigen Daten für denselben Businessprozess sicherzustellen ist. Manchmal mischen sich technische und fachliche Zwänge: Latenzzeiten sowie die Durchgängigkeit des Informationsflusses sind oft als Einheit zu betrachten.

Wünschenswert ist eine möglichst kurze Dauer des Bausteins Cloud-Integration und -Migration, denn nur so kommen die Kosteneffekte schnell zum Tragen. Das kann jedoch nur gewährleistet werden, wenn nicht zusätzlich auch noch neue Fachlichkeit umgesetzt wird. Der Fokus sollte klar auf den wenigen aber notwendigen Anpassungen im nicht funktionalen Bereich liegen. So minimiert sich auch die Gefahr, dass man sich verzettelt. Es gibt jedoch Gründe, die funktionale Änderungen erzwingen. Zum Beispiel rechnet sich die Anpassung einer einzelnen Anwendung nicht mehr, eine andere kann die benötigte Funktionalität jedoch übernehmen.

Kritisch ist hier der Spinnennetzeffekt: Anwendungen benötigen andere Funktionalitäten über Schnittstellen. Nimmt man entlang der Fäden des Netzes immer neue Anwendungen in eine Applikationsgruppe hinzu, so endet man bei Mammutmigrationen. Um das zu verhindern, ist die Erfahrung und Kreativität des Lotsen gefragt. Schlimmstenfalls muss man für eine Übergangszeit auf betriebliche Regelungen zurückgreifen und auf IT-Unterstützung verzichten. Zugunsten des großen Gesamtziels der Betriebskosteneinsparung muss die Unternehmens-IT solche Entscheidungen selbstbewusst vertreten und durchsetzen.

Nach Abschluss der Planungen und Analysen nehmen Entwicklungsteams in der Applikationsanpassungsphase alle notwendigen Änderungen vor. Hierzu gehören neben notwendigen Code-, Script- oder Konfigurationsanpassungen auch die Änderungen an Dokumentation und Daten, um die Anforderungen der Zielumgebung zu erfüllen, Änderungen können auch Versionshübe von Softwarekomponenten sein. Denn Ziel ist es, dass sich die Applikation nach der Migration und Integration genauso verhält, wie sie sich vor der Umstellung verhalten hat.

Hilfreich kann in dieser Phase sein, wenn eine Entwicklungsumgebung aus der Cloud hierfür zur Verfügung steht. Mögliche Probleme lassen sich hierdurch leichter und früher identifizieren. Für eine Vielzahl von möglichen Änderungen oder Anpassungen, die häufig vorkommen, ist es sinnvoll, Transformational Building Blocks (TBB) zu entwickeln. Ein TBB ist ein Vorgehensmodell, das die Beschreibung und alle notwendigen Mittel enthält, um eine bestimmte wiederkehrende Anpassung „industriell“ durchzuführen. Ein technischer TBB könnte z. B. die Anpassung der Datenstruktur sowie der Daten selbst einer Oracle-Datenbank von Version 8 auf Version 11 sein. Diese TBBs helfen, die Kosten einer Migration und Integration sowie das Risiko der Umstellung möglichst gering zu halten. TBBs lassen sich hervorragend industrialisieren. Eine IT-Fabrik kann für die TBBs Standardverfahren, Templates, Skripte und Expertise aufbauen und immer wieder anwenden. Große IT-Dienstleister besitzen heute schon solche industrialisierten Angebote und können diese als Standardpakete anbieten.

Sind alle Änderungen oder Anpassungen an einer Applikation beendet, so kann man die operativen Schritte der Migrations- und Integrationsphase in die Cloud-Umgebung vollziehen. Den wesentlichen Aufwand verursachen dabei das Einspielen der Applikation in die Cloud sowie die spezifische Cloud-Script- oder Cloud-Konfigurationsanpassung.

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