Eclipse & Academia: Ein Gespräch mit Jens von Pilgrim

Wissenschaftliche und kommerzielle Vermarktbarkeit sind sehr unterschiedliche Dinge

In der Serie Eclipse & Academia berichten Projektleiter an deutschsprachigen Universitäten von der Herausforderung, ein akademisches Projekt in ein wirtschaftlich vermarktbares Produkt zu verwandeln.

JAXenter: Wie stark etabliert ist Eclipse Ihrer Erfahrung nach an den Universitäten?

Jens von Pilgrim: Eclipse hat sich zu einem Standardwerkzeug auch in der Forschung und Lehre entwickelt. Insbesondere im Bereich Software Engineering oder Programmierung ist etwa die Entwicklung von Eclipse-Plug-ins im Rahmen von Abschlussarbeiten selbstverständlich, und in Programmier- und Softwarepraktika wird zusehends Eclipse verwendet. Auch die Umsetzung von Tools im Rahmen von Forschungsprojekten geschieht häufig in Form von Eclipse-Plug-ins.

JAXenter: Welchen Eclipse-Bezug hat Ihr eigenes Universitätsprojekt?

Jens von Pilgrim: In meiner Dissertation habe ich mich mit semi-automatischen Transformationen im Rahmen modellgetriebener Verfahren beschäftigt. Dafür habe ich mit Xtext und EMF eine eigene Transformationssprache (Mitra) geschrieben. GEF3D, das ja mittlerweile Eclipse-Projekt geworden ist, habe ich entwickelt, um in diesem Zusammenhang mehrere Diagramme gleichzeitig und vor allem auch Beziehungen zwischen Diagrammen bearbeiten zu können. In dem Projekt, an dem ich aktuell mitarbeite, entwickeln wir neue Ansätze zur Refaktorisierung. Dabei setzen wir auf den JDT auf.

JAXenter: Welche Probleme gibt es beim Übergang vom akademischen Projekt zum vermarktbaren Eclipse-Projekt zu überwinden?

Jens von Pilgrim: Ein prinzipielles Problem ist natürlich, dass wissenschaftliche und kommerzielle Vermarktbarkeit sehr unterschiedliche Dinge sind. Mit reinen „Tools“ kann man keine Papers veröffentlichen und ein im Rahmen der Forschung entwickeltes Projekt ist meist nicht mehr als ein minimaler Prototyp. Das Problem ist nun, dass die Arbeit zur Erstellung eines brauchbaren Tools (im Rahmen eines Eclipse-Projekts) nicht be- oder entlohnt wird. Um diese Arbeit zu leisten, braucht man dann eine gehörige Portion Idealismus. Das ist natürlich anders, wenn eine Firma gegründet wird und eine Anschubfinanzierung vorliegt. Bei GEF3D hatte ich das Glück, dass die FernUniversität in Hagen und mein damaliger Chef (Prof. Six) die Arbeit unterstützt haben (und mich sowie eine studentische Hilfskraft für das Projekt finanziert haben). Eine offene Frage ist dann, wie die Weiterentwicklung und Betreuung des Eclipse-Projekts finanziert werden, wenn das Forschungsprojekt (oder die Dissertation) abgeschlossen ist.

JAXenter: Welche Hilfestellung kann die Eclipse-Community oder die Eclipse Foundation geben?

Jens von Pilgrim: Zunächst muss ich sagen, dass die Unterstützung seitens der Eclipse-Community und der Foundation wirklich phantastisch ist (an dieser Stelle stellvertretend vielen Dank an Chris Aniszczyk und Ralph Müller). Ich habe hier noch nie eine ablehnende Antwort bekommen – wenn man mal von den leidigen Intellectual-Property-(IP-)Prüfungen absieht. Tatsächlich fand und finde ich die Klärung rechtlicher und formaler Fragen extrem aufwändig (wenn auch wichtig und richtig). Hier wäre mehr Unterstützung hilfreich, was schon bei der Übersetzung der Formulare anfängt (spätestens für die Univerwaltung wäre eine deutsche Version der „Committer Employer Consent Form“ nett).

Generell interessant wäre die Schaffung von Anreizen für die Forscher bzw. die Universitäten (denen gegenüber die Forscher sich zu verantworten haben), um Zeit (und Geld) in die Ausarbeitung von Tools zu investieren. Eine Möglichkeit wären Research Tracks auf den Eclipse-Konferenzen mit Proceedings (sodass man zitierbare Veröffentlichungen vorweisen könnte). Schließlich wäre eine Art Vermittlung zwischen den Autoren von Forschungsprojekten (v. a. bei Einzelprojekten wie Arbeiten im Rahmen von Dissertationen) und Firmen denkbar, aber das müsste man konkreter ausarbeiten.

JAXenter: Vielen Dank für dieses Gespräch!

Jens von Pilgrim arbeitet als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der FernUniversität in Hagen und promoviert dort über semi-automatische modellgetriebene Verfahren.
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