"Wir zeigen, wie real Java EE 6 heute bereits ist."

Claudia Fröhling

Am 16. November findet auf der W-JAX der große Java-EE-Day statt. Vorab sprachen wir mit den Moderatoren des Days, Peter Roßbach und Lars Röwekamp, um Ihnen einen kleinen Vorgeschmack auf das vielfältige Angebot dieses Tages zu geben.

JAXenter: Die Java Enterprise Edition erlebt derzeit eine Renaissance, passend dazu beginnt der Java EE Day auf der W-JAX mit der Session „Java EE für Einsteiger, Aufsteiger und Umsteiger“. Warum ist gerade jetzt der richtige Zeitpunkt, auf Java EE zu setzen?

Lars: Das ist eine gute Frage. Im Gegensatz zu seinen Vorgängern (a.k.a. J2EE), die sich im Wesentlichen auf rein technologische Aspekte fokussiert haben, erlaubt der aktuelle Java EE Standard eine neue Leichtigkeit der Entwicklung, wie sie zuvor eigentlich nur aus dem OpenSource Umfeld bekannt war. Dies wird unter anderem durch die Einführung neuer Paradigmen, wie „DRY – don’t repeat yourself“, „Convention over Code/Configuration“ und „XML-less Configuration“, erreicht. Zum ersten Mal scheint der ursprüngliche Ansatz von J2EE – „konzentriere dich auf die Business Logik, nicht auf die Technologie“ – tatsächlich erreicht.

Peter: Man muss natürlich fairer halber zugeben, dass noch nicht alles Gold ist was glänzt. Der Java EE Standard bietet uns eine neue Leichtigkeit an. Ein wesentlicher Erfolgsfaktor dürfte dabei die Tatsache sein, dass sowohl Java EE 5 als auch Java EE 6 nicht – wie seine Vorgänger – am Reißbrett erfunden wurden, sondern das Resultat von bereits am Markt etablierter Ansätze, Technologien und Frameworks darstellt. Erst wenn die Community Lösungen für gut befindet, erhalten sie Einzug in die Spezifikation – nicht umgekehrt!

Lars: Peters letzte Aussage kann man nicht deutlich genug betonen. Der aktuelle Java EE Standard ist – zum größten Teil – ein Resultat der aktiven Enterprise Java Community, inkl. Spring, Hibernate, WebBeans oder Google Guice. Ohne diese sehr regen Communities würde es den Java EE Standard in der heutigen Form nicht geben. Das es ihn überhaupt gibt, ist natürlich ein enorm wichtige Tatsache. Nur so kann eine Unabhängigkeit von Produkten und Herstellern garantiert werden. Wirft man einmal einen Blick auf die letzten Unternehmensaufkäufe, wird mehr als deutlich, wie schnell aus einer scheinbar unabhängigen OpenSource Lösung eine proprietäre Technologie werden kann.

JAXenter: Was macht eurer Meinung nach Version 6 zu so einem wichtigen Meilenstein?

Peter: Ich würde die Frage gerne auf die Versionen 5 und 6 ausdehnen. Einige der wesentlichen Grundkonzepte wurden ja bereits von Lars genannt: „Don’t repeat yourself“, „Convention over Code/Configuration“ und „XML-less Configuration“. All diese Ansätze vereinfachen die Programmierung und die Konfiguration von Java EE Anwendungen enorm. Dies führt natürlich auch zu einer Beschleunigung des Entwicklungsprozesses. Was wünscht der Entwickler bzw. der Chef sich mehr?

Hinzu kommt die deutlich verbesserte Testbarkeit von Java EE Komponenten. Dank Verzicht auf technologiebedingte Ableitungshierarchien, wie sie z.B. noch bei EJB 2.x vorlagen, und dem damit neu eingeführten Pojo-Ansatz für Komponenten, sind Unit Tests in nahezu alle Java EE Bereichen problemlos möglich. Zusätzlich hilft beim Testen natürlich auch die Spezifikation eines Embedded Containers sowie die Vereinheitlichung von JNDI Namespaces.

Lars: Ebenfalls wichtig ist für mich, dass die Programmierung der einzelnen Elemente besser aufeinander abgestimmt wurde und der Entwickler somit das Gefühl eines einheitlichen Programmiermodells gewinnt. Das war leider nicht immer so. Ein Beispiel hierfür ist der Dependency Injection Ansatz ohne XML, also auf Basis von Annotationen – im EJB und Ressourcen Umfeld – oder sogar auf Basis von Konventionen – im CDI Umfeld. Interessant wird in Zukunft sicherlich werden, in wieweit auch die IDEs diese Vereinfachungen aufgreifen und unterstützen. Bisherige Ansätze, wie Code Completion innerhalb eines Unified EL Ausdrucks oder aber das automatische Vorschlagen möglicher CDI Injection Kandidaten, zeigen, dass es durchaus eine Menge Potential gibt.

Viele unserer Kunden betonen immer wieder, dass ein „Full-blown Java EE Server“ einfach zu viel des Guten für ihre Projekte ist. Dank des neu eingeführten Web Profiles und der damit gegebenen Möglichkeit, Java EE in leicht abgespeckter Form auch auf einem kompatiblem Web Server laufen zu lassen, ist hier nun Abhilfe geschaffen worden. Ich sehe diesen Schritt als große Chance für Java EE, sich einer deutlich breiteren Entwicklergemeinde gegenüber zu öffnen.

Peter: Als Committer des Apache Tomcat Projektes fasziniert mich zusätzlich natürlich insbesondere die neue Servlet API 3.0 und die damit verbundene Möglichkeit zur Bearbeitung von asynchronen Anfragen. Die Vereinfachung Servlets, Filter oder Listener nun zu annotieren, statt wie bsiher in der web.xml zu deklarieren hat enormes Potential. Die Fortschritte in der Modularisierung bringen zusätzlich Ordnung in die Webanwendungen. Wir legen im Tomcat 7 enormen Wert auf Sicherheit und Stabilität des Deployments. Unsere neue MemoryLeakDetection für das HotDeployment bewährt sich in den ersten Einsätzen und bringt den Entwickler neue Einsichten. Im Tomcat haben wir unser Embedded API überarbeitet und entsprechende Junit Basisklassen bereitgestellt, um einfache Webkomponenten testen zu können. Mit dem Projekt OpenEJB gibt es nun sogar einen Tomcat mit EJB 3.1 Unterstützung.

JAXenter: Wir dürfen euch beide als Moderatoren des Special Days begrüßen. Was erwartet die Teilnehmer? Was ist euch wichtig an diesem Tag?

Lars: Natürlich wollen wir zunächst einmal die Möglichkeiten – aber auch die Grenzen -der aktuellen Java EE Spezifikation aufzeigen. Wir richten uns dabei bewusst an Java EE Einsteiger und Umsteiger bzw. Aufsteiger; also sowohl an Enterprise Java Neulinge als auch an „alte Hasen“ aus der J2EE oder Spring Welt. Durch das Betrachtung der verschiedenen Technologien und deren Zusammenspiel, möchten wir die aktuellen Stärken von Java EE verdeutlichen. Wir werden aber natürlich auch möglicher Punkte zur Verbesserung aufzeigen und so auf Potential für zukünftige Java Spezifikationen eingehen.

Peter: Java EE bringt einen Wandel des Programmierstils mit sich und das braucht erfahrungsgemäß seine Zeit. Der Java EE Day gibt den Teilnehmern die Gelegenheit, die neuen Möglichkeiten für ihr ganz persönliches Projekt- bzw. Produktumfeld zu prüfen. Wir dürfen nicht vergessen, dass Java EE nach wie vor – trotz Vereinfachung des Programmiermodells – einen sehr mächtigen, für manchen Anwendungsfall auch zu mächtigen Technologie-Stack bietet. Nicht immer macht es Sinn Java EE als Ganzes oder auch nur in Teilen zu nutzen. Wir wollen mit dem Java EE Day den Teilnehmen bei der Entscheidung helfen, welche Teile der Spezifikation in den eigenen Anwendungen sinnvoll eingesetzt werden können.

Lars: „Last but not least“ werden wir natürlich auch zeigen, wie real Java EE 6 heute bereits ist. Wir werden auf verschiedene Server eingehen und u.a. zeigen, wie einfach es sein kann Java EE in einem Tomcat zum Laufen zu bekommen – gell, Peter 😉

Lars Röwekamp, Gründer des IT-Beratungs- und Entwicklungsunternehmens OpenKnowledge GmbH, beschäftigt sich im Rahmen seiner Tätigkeit als „CIO New Technolgies“ mit der eingehenden Analyse und Bewertung neuer Software- und Technologietrends. Ein besonderer Schwerpunkt seiner Arbeit liegt derzeit auf den Bereichen Enterprise und Mobile Computing, wobei neben Design- und Architekturfragen insbesondere die Real-Life-Aspekte im Fokus seiner Betrachtung stehen. Lars Röwekamp, Autor mehrerer Fachartikel und -bücher, beschäftigt sich seit der Geburtsstunde von Java mit dieser Programmiersprache, wobei er einen Großteil seiner praktischen Erfahrungen im Rahmen großer, internationaler Projekte sammeln konnte.

Peter Roßbach ist freiberuflicher Systemarchitekt und Coach zahlreicher Java-EE-Anwendungen. Sein besonderes Interesse liegt in der Entwicklung von komplexen Informationssystemen, einschließlich der Gestaltung und Realisierung von testgetriebenen Softwareprozessen. Seit 1997 wirkt Peter Roßbach im Bereich „Java Server und Servlets“ und veröffentlichte das gleichnamige Buch und zahlreiche Fachartikel. Mit dem Buch „Tomcat4x“ und als Autor der TomC@-Kolumne möchte er Sie für das Apache-Tomcat-Projekt begeistern. Er ist aktiver Entwickler des Tomcats und Mitglied der Apache Software Foundation (tomcat.apache.org).

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Claudia Fröhling
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