Mark Struberg über das neue Apache-Projekt DeltaSpike

Wir wollen das Beste aus Seam3 und CODI unter Apache DeltaSpike entwickeln

Unter dem vorläufigen Codenamen „DeltaSpike“ entsteht gerade ein Apache-Inkubator-Projekt für Erweiterungen des JSR 299: Context und Dependency Injection. Wir sprachen mit DeltaSpike-Mentor Mark Struberg über Inhalte und Ziele von DeltaSpike.

JAXenter: Kannst du den Lesern kurz erklären, was DeltaSpike ist und welche Ziele das Projekt verfolgt?

Mark Struberg: Das Ziel von DeltaSpike (vorläufiger Name) ist es, künftig die besten und bewährtesten Komponenten aus Seam3 und CODI gemeinsam als Apache DeltaSpike Top-Level-Projekt zu entwickeln. Dazu kommt dann noch die CDI-Spring Bridge von Andy Gibson und Rick Hightower sowie ein paar nette Extensions (Quartz und JTA) von den OpenKnowledge-Jungs.

Beginnen werden wir mit den Kernbestandteilen, die rein für Java SE gedacht
sind: AnnotatedTypeBuilder, ProjectStage, Deactivatable (um Extension teils einzeln disablen zu können), @ProjectStageActivate, @ExpressionActivated, @DefaultBean, etc.

Eines der Hauptziele in dieser ersten Phase ist es, die infrastrukturelle Basis sehr stabil bzw. leicht erweiterbar zu bauen und mit JBoss Arquillian gegen alle denkbaren Container zu testen (Weld standalone, OpenWebBeans standalone, Weld und OWB mit Tomcat6, Weld und OWB mit Tomcat7, Weld und OWB mit Jetty, Glassfish-3.1.1, Glassfish-3.1.2, JBossAS7, Resin, TomEE, etc). Wir wollen ‚100% portability‘!

Uns ist bewußt, dass wir dabei vermutlich auch einige Löcher in Weld und OpenWebBeans bzw. der CDI-1.1-Spezifikation selbst ‚flicken‘ werden müssen.
Dies ist ein weiterer positiver Nebeneffekt.

JAXenter: Fast die Hälfte der Core Developer sind von Red Hat. Wie kam es zum Zusammenschluss mit JBoss?

Mark Struberg: Da müsst ihr wohl am besten RedHat/JBoss fragen 🙂 Zwischen den Weld- und OpenWebBeans-Entwicklern herrscht eigentlich bereits seit langer Zeit ein sehr reger Gedanken- und Ideenaustausch. Auch zu Implementierungsdetails. Für sehr viele grundlegende Probleme hatten wir ja sehr ähnliche Lösungsansätze – leider nicht zu 100% identisch und natürlich nicht binärkompatibel. Die Kooperation wurde in den letzten drei Monaten geplant und von allen stürmisch begrüßt. Am längsten dauerte es, dass ‚Ok‘ von den Managern für die IP-Freigabe zu bekommen und einen Namen zu finden.

JAXenter: Das Projekt liegt jetzt im Incubator. Was sind die nächsten Schritte?

Mark Struberg: Derzeit wird das Proposal im Apache Incubator (general-subscribe@incubator.apache.org bzw. dann
general@incubator.apache.org) diskutiert. Während dieser Zeit ist jeder herzlich willkommen, sein Interesse auf Mitarbeit zu bekunden, und wir erweitern dann gegebenenfalls noch die initiale Committer-Liste. Außerdem wird der infrastrukturelle Bedarf geplant und erste Ideen werden geformt.

Anfang nächster Woche startet dann das VOTE für die Aufnahme als Incubation-Projekt, und Mitte des Monats können wir hoffentlich alle so richtig in die Tasten langen.

JAXenter: Und wie kam es eigentlich zu dem Namen?

Mark Struberg: Der Name ‚DeltaSpike‘ war eine schwere Geburt, und wir suchen noch nach einem besseren. Unsere ursprünglichen Kandidaten waren wesentlich kürzer und signifikanter, aber hatten leider alle bereits eine registered trademark. Leider gab es in den letzten Jahren einige Firmen, die versucht haben, ASF-Projektnamen für sich zu vereinnahmen und zu monetarisieren. Aus diesem Anlaß hat die ASF gemeinsam mit anderen OSS-Institutionen beschlossen, ihre Trademarks – zum Wohle aller Contributoren und User – in Zukunft besser zu schützen [1].

Und dazu braucht es einen Namen, der tatsächlich als Trademark verwendet werden kann. Leider nimmt die Juristerei immer mehr Einfluß auf die IT, aber die ASF und JBoss schaffen es hier glücklicherweise, uns Entwicklern den Rücken möglichst gut frei zu halten.

JAXenter: Vielen Dank für dieses Gespräch!

Mark Struberg ist Softwarearchitekt mit über 20 Jahren Programmiererfahrung. Er arbeitet seit 1996 mit Java und ist aktiv in Open-Source-Projekte im Bereich Java und Linux involviert. Mark ist Apache Software Foundation Member und PMC bei Apache OpenWebBeans. Er arbeitet für die Research Group for Industrial Software (INSO) der TU Wien.
Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.