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Interview mit Ken Walker, Co-Lead der Browser-IDE, über sein Projekt

„Wir verwenden Orion, um Orion zu coden.“

Eclipse Magazin: Kannst du erklären, was Orion ist?

Ken Walker: Das Orion-Projekt, wie es bei Eclipse heißt, zielt darauf ab, Entwicklertools für das Web im Web zur Verfügung zu stellen. Es sind also Komponenten und Teile, die zusammen eine komplette Entwicklungsumgebung ergeben, für die nur ein Browser nötig ist.

EM: Es ist also Eclipse, aber nicht Eclipse, wie wir es kennen. Kannst du den Unterschied erklären?

Walker: Wenn Leute an Eclipse denken, denken sie als Erstes an eine Desktop-IDE oder an eine RCPAnwendungsentwicklungsplattform. Also hauptsächlich Java etc. Bei Orion dagegen geht es um JavaScript-Entwicklung im Browser. Wir nutzen dazu ein Backend, einen Server, der viele Eclipse- Komponenten verwendet – das ist der Vorteil von Eclipse. Es gibt aber auch einen Node-basierten Server in reinem JavaScript. Darin liegt der Unterschied zu Standard-Eclipse. Wir wollen keine Desktop-IDE hervorbringen, sondern eine Cloudbasierte.

EM: Ist ein Umzug in die Cloud, besonders für Enterprise-Entwickler, also unvermeidbar?

Walker: Er ist meiner Meinung nach unvermeidbar. Ein Umschwung zu anderen Cloud-Services ist ja schon zu beobachten, sei es E-Mail oder GitHub zur Quellcodeverwaltung oder Codeanalyse. Man nutzt die Ressourcen, die es schon in der Cloud gibt. Und was die Entwicklungsplattform angeht: Wir denken, dass Quellcodebearbeitung oder Kompilierung in der Cloud tatsächlich praktiziert werden wird. Mit Orion sind wir ziemlich früh dran, wir konzentrieren uns daher hauptsächlich auf nicht kompilierende Technologien: JavaScript, CSS, HTML5 und andere Skriptsprachen. Aber wir haben vor, auch andere Sprachen einzubeziehen.

EM: Zurück zum Anfang: Welche Designziele habt ihr ursprünglich mit Orion verfolgt?

Walker: Wir wollten eine Entwicklungsplattform zur Verfügung stellen, die Entwickler zufriedenstellt – anfangs vorwiegend Webentwickler. Das ist ein ziemlich wählerisches Völkchen. Was Tools angeht, sind sie Minimalisten. Viele benutzen NotePad++, vi oder, wenn sie’s wirklich drauf ankommen lassen, Sublime Text. Kommandozeilentools. Es gibt also nicht viel, wogegen wir uns durchsetzen müssen, um diese Entwickler in die Cloud zu bekommen. Aber wir versuchen eben auch, eine Reihe von Komponenten zur Verfügung zu stellen, die man nutzen kann. Man kann z.B. nur unseren Editor als einzelne, verkleinerte JavaScript-Komponente verwenden und ihn in die eigene Webseite einbetten. Man muss nicht alles von Orion verwenden. Wir versuchen also, solche Komponenten zu schreiben und Plug-in-Architektur und Microservice-Frameworks als Grundlagen für Browserunterstützung und modernste HTML5-Entwicklung zur Verfügung zu stellen.

EM: Welchen Nutzen können andere Projekte aus Orion ziehen?

Walker: Mozilla hat zum Beispiel nur den Editor genommen und ihn in Firefox eingebettet, als Teil der Debug-Plattform und für Scratchpad, womit man innerhalb von Firefox Content evaluieren kann. HP hat erst kürzlich große Teile des Orion Node Servers in die hauseigene ALM-Lösung integriert. Sie machen damit Liveentwicklung in der Cloud. IBM hat gerade auf der [IBM] Rational-Konferenz „Innovate“ in Florida die ALM-Lösung JazzHub angekündigt. Auch hier kommt Orion zum Einsatz. Manche Leute verwenden auch Teile von Orion auf ihren Websites, um Beispiele zu schreiben. Es gibt also viele verschiedene Möglichkeiten, Orion zu konsumieren. Wenn Sie in der JavaScript-Community Promises/A+ verwenden: Wir haben eine Implementierung davon, die jeden Tag verwendet wird. Wir verwenden Orion, um Orion zu coden, wir hosten selbst. All die Komponenten, die wir selbst schreiben, verwenden wir jeden Tag.

EM: Wie einfach ist der Einstieg?

Walker: Sehr einfach. Wir haben ein ziemlich gutes Wiki. Wenn man auf das Eclipse-Wiki geht und nach „Orion“ sucht, kann man dort den Server herunterladen, und mit einem Doppelklick auf das Orion-Logo hat man in etwa einer Minute eine Mehrbenutzer- Entwicklungsumgebung in der Cloud zur Verfügung. Alles, was es für den Node-Server braucht, ist npm install Orion und npm start Orion. Dann läuft Orion überall dort, wo Node auch läuft, und sei es auf meinem Raspberry Pi.

EM: Orion gibt es seit zwei Jahren, und die Releasezyklen sind sehr kurz …

Walker: Ja, der initiale Beitrag kam im Januar 2011. Letztes Jahr im Oktober hatten wir unser 1.0-Release, im Februar das 2.0-Release, und das 3.0-Release kommt in zwei Wochen [Ende Juni, Anm. d. Red.]. Wir veröffentlichen in Viermonatszyklen, worin wir uns vom Standard-Eclipse-Format, dem jährlichen Release, unterscheiden.

EM: Warum geht ihr anders vor?

Walker: Weil es in der JavaScript-Community sehr schnelllebig zugeht. Wir konsumieren einige Komponenten aus dieser Community. Wenn sich diese Komponenten häug ändern, müssen wir in der Lage sein, sie zu integrieren. Und wenn andere Projekte wie Firefox unsere Komponenten konsumieren, wird man nicht ein Jahr auf ein Feature warten wollen. Es gibt viele andere Bibliotheken und JavaScript-Komponenten. Wir sind bei Weitem nicht der einzige Player auf dem Cloud-IDE-Markt. Wahrscheinlich sind wir sogar der jüngste. Aber es formiert sich eine Community, und wir haben schon einige tolle, große Firmen wie IBM, SAP, HP, VMware, Mozilla an Bord. Wir haben eine gute Marschrichtung. Es liegt viel Arbeit vor uns, und wir freuen uns auf tatkräftige Unterstützung aus der Community.

Die Fragen stellte JAXenter-Redakteur Chris Mayer am Rande der JAX US.

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