Outsourcing, Managed Hosting & Openstack

„Wir vermeiden dieses Entweder-oder-Dilemma und setzen nicht auf eine herstellerspezifische OpenStack-Version“

Redaktion JAXenter

Kristian Köhntopp

OpenStack – welche Philosophie steckt eigentlich dahinter? Dazu haben wir Kristian Köhntopp, seines Zeichens Leiter des OpenStack-Teams bei SysEleven befragt. Außerdem hat er uns erklärt, was hinter dem Begriff „DevOps as a Service“ erwartet werden kann.

JAXenter: Sie sind bei SysEleven dafür zuständig, OpenStack „zum Rennen zu bringen“: Können Sie kurz darstellen, welche Philosophie dahintersteckt?

Kristian Köhntopp: OpenStack ist ein Open-Source-Projekt, das dem Bau einer Cloud dient. Eine Cloud lässt sich als ein Verbund von Rechnern beschreiben, in dem ein Script virtuelle Maschinen (VMs) in einer gewünschten Größe und Konfiguration bereitstellt – (virtuelle) Hardware wird in Software definiert. Dazu müssen relevante Ressourcen wie CPUs, Arbeitsspeicher, Festplatten, Netzwerk-Ports, Firewall-Regeln, Netzwerkadressen, Routinginformationen, Boot-Images und Startscripte frei verschiebbar im Rechnerverbund vorhanden sein, damit man sie per Software auf Abruf kombinieren kann.

Von OpenStack gibt es herstellerspezifische Versionen. Verschiedene Anbieter paketieren das Open- Source-Projekt auf eine bestimmte Weise. Das ist häufig problematisch, denn für die Bereitstellung einer kompletten, funktionsfähigen Cloud-Umgebung müssen mehrere Anforderungen gleichzeitig erfüllt werden. Die Anbieter im Markt sind häufig auf Storage oder Netzwerke spezialisiert, nur wenige können beides.

Jedoch kann es zum Beispiel nötig werden, eine große Menge Festplattenspeicher bei hoher Performance anzubieten und gleichzeitig eine spezifische Netzwerk-Topologie bereitzustellen. Wer sich nun für eine OpenStack Distribution eines Storage-Spezialisten entscheidet, kämpft hinterher mit Netzwerk-Problemen und umgekehrt.

Bei SysEleven vermeiden wir dieses „Entweder-oder-Dilemma“ und setzen nicht auf eine herstellerspezifische OpenStack-Version. Vielmehr verwenden wir das Open-Source-Projekt direkt und integrieren die Storage- und Netzwerklösungen unserer Wahl. Dies führt dazu, dass wir uns mit den Interna von OpenStack intensiv auseinandersetzen und das Projekt sowie seine Stärken und Schwächen besser verstehen.

Natürlich hat die Entwicklung unserer OpenStack-Plattform „SysEleven Stack“ dadurch länger gedauert, aber es hat sich gelohnt. Wir haben nun sehr präzise Vorstellungen davon, mit welchen tatsächlichen Problemen man bei der Erstellung einer generischen Cloud konfrontiert wird und wie man sie lösen kann.

JAXenter: Sie arbeiten bei SysEleven an einer neuen Plattform, welche von „Infrastructure as a Service“ über „Platform as a Service“ bis hin zu „DevOps as a Service“ dem Kunden beim Management seiner Daten unterstützen soll. Worin unterscheidet sich die neue Plattform von der alten?

Kristian Köhntopp: Die bisherige Hostingplattform von SysEleven arbeitet mit lokaler Virtualisierung. Auf großen Maschinen wird durch Virtualisierung eine bestimmte Anzahl kleiner, lokaler Maschinen erzeugt, die lokale Ressourcen verwenden. Lastverteilung und Ressourcenzuweisung geschehen halbautomatisch gescriptet. Die Ausführung erfolgt durch lokale Administratoren, die via Ticketsystem und Telefon mit Kunden kommunizieren.

Das funktioniert per se gut, ist aber für einen durch Kunden individuell gesteuerten DevOps-Arbeitsstil nicht funktionsfähig. Hier sind eine API und Vollautomaten notwendig, aus denen sich Maschinen, Netzwerke und Storage ziehen lassen, wie Kaffee aus dem Kaffeeautomaten. Genau das bietet OpenStack. Neben der (virtualisierten) Hardware aus dem Automaten sind weiterhin eine organisatorische und technische Infrastruktur nötig, die ebenfalls automatisiert Software installiert, personalisiert und in Betrieb nimmt. SysEleven entwickelt dafür eigene Komponenten, die OpenStack nicht liefert. Hier liegt der Übergang von Infrastructure as a Service (IaaS) zu Platform und Software as a Service (PaaS/SaaS). Noch wichtiger als die Technik sind jedoch, wie so oft, ein operationelles Konzept und die Ausbildung der Kunden und Techniker in puncto Arbeitsweisen und Methodik. Beratung und Schulung sind für uns ein elementarer Teil des Konzepts.

JAXenter: Ihre neue Plattform verspricht „DevOps as a Service“: Was bedeutet das? Ist „Outsourcing“ der DevOps-Rolle nicht kontraproduktiv für ein Unternehmen?

Kristian Köhntopp: „DevOps as a Service“ ist eher als ein Schlagwort als ein Begriff im wörtlichen Sinne zu verstehen. Inhaltlich geht es um die Vermittlung von Arbeitsweisen sowie von technischen und organisatorischen Strukturen. Die Anpassung der Software an eine agile, automatisierte und schnell iterative Arbeitsweise stellt einen zentralen Punkt dar.

Bei DevOps as a Service geht es nicht um ein Outsourcing der DevOps-Rolle. Elementar sind die Zusammenarbeit zwischen Hoster, Agentur und Kunde einerseits und die Integration der Zusammenarbeit von Hoster und Hersteller der Software andererseits. So werden gemeinsame, Unternehmensgrenzen überspannende Abläufe entwickelt und Arbeitsweisen verzahnt. Die Software und die Art der Plattform sind dabei lediglich Werkzeuge, die dazu dienen, die Application-Plattform als tatsächliche Plattform zu betreiben, alle Parteien ins Boot zu holen und gemeinsam an derselben Sache zu arbeiten.

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