Wir können alles – nur nicht darüber reden!

Peter Pagel

Von Ludwigsburg wissen die meisten Menschen lediglich, dass es irgendwo bei Stuttgart liegt. Vom Rest der Republik weitgehend unbemerkt ist hier jedoch ein lebendiges Technologiezentrum entstanden.

Zehn Minuten fährt der Nahverkehrszug vom Stuttgarter Hauptbahnhof bis Ludwigsburg. Schon beim Verlassen des Bahnhofs wird klar: Lange Wege braucht der Besucher hier nicht zu fürchten. Ein Eindruck, der sich noch verstärkt, wenn man die Stadt weiter erkundet. Die drei Hauptstandorte für Medien und Technologie liegen dicht zusammen: Die Filmakademie und das Medienzentrum sind in Fußentfernung voneinander entfernt und auch das Werkzentrum Weststadt ist nicht weit.

Über 250 Jahre lang prägten das Militär und der Adel die Architektur, die Kultur, einfach das Leben in Ludwigsburg. Für lange Zeit war die Stadt eine der größten Garnisonen Deutschlands. Im Volksmund trug ihr das den Namen „Schwäbisches Potsdam“ ein. Auch Potsdam hat sich ja mittlerweile zu einem der wichtigen Zentren für Medien und Technologie in Deutschland entwickelt. Anfang der 90er Jahre wurde der Militärstandort Ludwigsburg dann endgültig aufgelöst – die bis dahin von der Armee benötigten Gebäude und Flächen konnten für zivile Zwecke nutzbar gemacht werden.

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KASERNEN IN ZIVIL

Aus der Zeit, als das Militär die Stadt dominierte, haftet Ludwigsburg noch immer der Ruf einer – vorsichtig gesagt – etwas langweiligen Beamtenstadt an. Ein Bild, das den Tatsachen immer weniger entspricht. Angefangen hat der Wandel vor 15 Jahren als die, mittlerweile international renommierte, Filmakademie hier gegründet wurde. „Eigentlich wollten die Initiatoren der Akademie damals nach Stuttgart“, erzählt Professor Thomas Schadt, Leiter der Akademie, „eine Filmhochschule hielt man in der Landeshauptstadt jedoch für überflüssig.“ Da kam es gerade recht, dass in Ludwigsburg jede Menge Raum freigeworden war: Eben die leerstehenden ehemaligen Kasernen. Mit der Akademie kamen andere Leute in die Stadt – junge Künstlertypen. Die prägen auch heute das kulturelle Leben in Ludwigsburg. Manchem geht das natürlich auch auf die Nerven, wenn in seinem beschaulichen Städtchen alle Nase lang ein Filmteam den Alltag aufmischt. Letztlich ist man in Ludwigsburg jedoch stolz darauf, dem großen Nachbarn Stuttgart in Sachen Medienkultur etwas voraus zu haben.

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Peter Pagel
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