Wir können alles – nur nicht darüber reden!

Peter Pagel

Da die neue Nutzung der alten Kasernen im Fall der Filmakademie so erfolgreich war, wurde das Konzept fortgesetzt: Im Medienzentrum können sich Unternehmensgründer zu günstigen Mieten in die alten Backsteinbauten einquartieren und ihre jungen Firmen aufbauen. „So gelingt es uns auch, Absolventen der Akademie nach ihrem Studium in Ludwigsburg zu halten“, erzählte uns Oberbürgermeister Werner Spec im Gespräch. Im Zusammenspiel zwischen Akademie, Medienzentrum und Werkhof zeigt sich auch der wichtige Vorteil, der Ludwigburg von Metropolen wie Berlin oder Hamburg unterscheidet: Alles liegt dicht beieinander, so entsteht ein Campusgefühl wie man es von britischen oder amerikanischen Hochschulen kennt. „Die müssen erst künstlich herstellen, was in Ludwigsburg bereits vorhanden ist“, freut sich Tanino Bellanca, Medienbeauftragter der Stadt.

Als die Akademie 1991 gegründet wurde, war durch die Zunahme der privaten Fernsehsender ein größerer Markt für Fachleute in diesem Bereich entstanden. Der Trend zur zunehmenden Digitalisierung der visuellen Medien sorgte dann in den vergangenen Jahren für eine immer stärkere Verbindung zur Informationstechnologie. „Mittlerweile haben wir im Medienzentrum mehr IT- als Filmunternehmen“, erläutert Bellanca. Statt von Medien- und IT-Wirtschaft zu sprechen, fasst er die beiden Bereiche lieber unter dem Begriff „Kreativwirtschaft“ zusammen.

Akademie
GRÜNDUNG AUF DER GRÜNEN WIESE

Etwas von Grund auf neu ins Leben zu rufen hat in Ludwigsburg Tradition. Im Gegensatz zu den meisten deutschen Städten, ist Ludwigsburg nicht aus einem mittelalterlichen Kern gewachsen, sondern wurde vor etwa 300 Jahren vom württembergischen Herzog Eberhard Ludwig auf der sprichwörtlichen grünen Wiese errichtet. Anfänglich sollte lediglich das Jagdschloss des Herzogs modernisiert werden. Nachdem so eine der größten barocken Schlossanlagen Deutschlands entstanden war, fasste der Herzog jedoch den Beschluss, das Ganze zu einer Residenzstadt auszubauen. Und so prägen keine verwinkelten Gässchen das Stadtbild sondern alles ist wohlgeordnet, breite Straßen schneiden sich in geraden Winkeln. Verglichen mit anderen deutschen Städten ist Ludwigsburg also eine „junge“ Stadt.

Ein weiteres Merkmal von Ludwigsburg ist, dass es über relativ wenig freie Fläche verfügt – Industrieansiedlung kam deshalb nach Abzug des Militärs nicht in Frage, da war IT natürlich eine ideale Ergänzung zur Filmakademie, weil hier kluge Köpfe und nicht große Flächen gebraucht werden. Zumal die Wirtschaftsregion mittlerer Neckarraum – eines der wirtschaftlich stärksten Gebiete in Europa – alles vereint was in Sachen IT in Deutschland Rang und Namen hat von IBM bis Hewlett-Packard. Und nicht nur die IT auch die Automobilindustrie ist natürlich stark in der Region – weshalb man in Ludwigsburg viele Unternehmen aus der Automobilzulieferung findet.

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Peter Pagel
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