Wie wird man (ein guter) Lead Developer?

Michael Thomas

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Eine Anstellung als Lead Developer oder Technischer Leiter eines Teams kann einen beachtlichen Karriereschub darstellen. Doch der Weg dorthin und der Übergang von der Verantwortung für einen selbst zur Verantwortung für ein ganzes Team kann sich holprig gestalten – oder gar schlichtweg überfordernd sein. Tausendsassa John Sonmez hält zahlreiche Tipps parat, die den Weg etwas ebnen können.

Motivation und Rüstzeug

Das A und O laut Sonmez: Zunächst einmal sollte jeder Aspirant auf eine derartige Position in sich gehen und sich ernsthaft die Frage stellen, warum er diese anstrebt. Will man tatsächlich Verantwortung tragen, andere führen, ihnen bei ihrer Arbeit helfen? Oder geht es im Grunde doch nur um Geld und Prestige? Während Sonmez letztere Gründe zwar zumindest teilweise akzeptieren kann, weist er darauf hin, dass nur derjenige Lead Developer auf lange Sicht erfolgreich sein wird, dessen Motivation in dem Wunsch wurzelt, sein Team zu unterstützen und es dazu zu inspirieren, bestmögliche Arbeit abzuliefern.

Sind die Motive geklärt stellt sich die Frage, welches Zeug man braucht, um Lead Developer zu werden. Für Sonmez ist an dieser Stelle besonders wichtig, zwischen Authorität und Führung zu unterscheiden: Während Authorität verliehen werden kann, muss der Respekt, der für die Menschenführung nötig ist, verdient werden. Dabei operieren viele der effektivsten Anführer Sonmez‘ Erfahrung zufolge gänzlich ohne Authorität – weil sie sie nicht nötig haben. Die mit Abstand wichtigste Voraussetzung ist demnach das Vertrauen und der Respekt der Mitarbeiter, wozu laut Sonmez neben der rein technischen Expertise u. a. auch Verantwortungsbereitschaft, Bescheidenheit, Überzeugungskraft sowie gute kommunikative Fähigkeiten (bzw. Soft Skills) nötig sind. Die klassische „Boss-Attitüde“, also das alphatierhafte behandeln der Untergebenen von oben herab, verbietet sich somit praktisch von selbst.

Was bedeutet es, ein Lead Developer zu sein?

Die zentrale Aufgabe eines Lead Developers ist es Sonmez zufolge schlicht und ergreifend, sein Team erfolgreicher zu machen. Wie so oft steckt der Teufel also im Detail: Wie ist ein derart unscharf umrissenes Ziel zu erreichen? Sonmez identifiziert vier Aufgaben bzw. Anforderungen des Lead Developer-Daseins:

1. Mit gutem Beispiel vorangehen

Um seine Mitarbeiter zu inspieren und ihnen klar zu machen, warum eine bestimmte Entscheidung nützlich ist, sollte man Sonmez zufolge keine bloßen Anordnungen verkünden, sondern stattdessen jederzeit mit gutem Beispiel vorangehen. Will man die Leute beispielsweise dazu bringen, besseren Code zu schreiben, muss man sich zunächst selber anstrengen und entsprechend vorlegen. Gleiches gilt für Sonmez für sämtliche Arbeitsbereiche, seien es so unterschiedliche wie das Schreiben von Unit Test, die testgetriebene Entwicklung oder der Ausbau persönlicher Fähigkeiten und Kompetenzen.

2. Verantwortung übernehmen

Ein guter Vorgesetzter steht nicht nur für seine eigenen Fehler grade, sondern übernimmt auch die volle Verantwortung für alle Fehler, die die Mitglieder seines Teams machen. Der Vorteil: Schirmt der Lead Developer sein Team auf diese Art ab, ist es eher bereit, Risiken einzugehen, was wiederum zu neuen, kreativen Lösungen führen kann. Mit der Übernahme von Verantwortung geht für Sonmez zudem die demütige Haltung einher, die vom Team erarbeitete Anerkennung nicht selbst einzustreichen – selbst dann nicht, wenn diese zu großen Teilen sein Verdienst ist.

3. Kommunikation betreiben und fördern

Auch wenn er nicht als einziger für die Kommunikation zuständig ist, dient der Lead Developer häufig als Sprachrohr des Teams, insbesondere dann, wenn es darum geht, Menschen ohne entsprechende technische Expertise die Arbeit des Teams klar und deutlich zu vermitteln. Dies schließt u. a. ein, dass der Lead Developer ständig eine gute Vorstellung davon haben muss, woran die Team-Mitglieder zum jeweiligen Zeitpunkt arbeiten. Die Kommunikation mit dem Management, den Stakeholdern und Kunden erfordert zudem Fingerspitzengefühl und Verhandlungsgeschick – beispielsweise dann, wenn man Kompromisse eingehen muss, um unnötige Konflikte zu vermeiden, aber auch, wenn man starken Gegenwind aushalten muss, um etwa das eigene Team vor Überforderung zu schützen. Allgemein sollte sich ein Lead Developer Sonmez zufolge dafür einsetzen, die Kommunikation innerhalb seiner Organisation zu fördern.

4. Anderen dabei helfen, ihr Bestes zu geben

Um diese Ziel zu erreichen, muss der Lead Developer laut Sonmez in der Lage sein, andere zu inspirieren. Als eine Grundvoraussetzung hierfür nennt er die ständige Weiterentwicklung der persönlichen technologischen Expertise: Nur ein fachlich kompetenter Lead Developer kann erfolgreich die Richtung des Teams vorgeben. Gleichzeitig, so Sonmez weiter, sollte er die Mitglieder seines Teams anspornen, dasselbe zu tun, wozu auch die Bereitstellung entsprechender (Lern-)Ressourcen zählt. Denn wem das Gefühl vermittelt wird, dass seine Arbeit und er selbst einen Wert hat, erbringt mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit bessere Leistungen.

Aufmacherbild: 3d stainless human social network and leadership as concept von Shutterstock.com / Urheberrecht: everything possible

Geschrieben von
Michael Thomas
Michael Thomas
Michael Thomas studierte Erziehungswissenschaft an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und arbeitet seit 2013 als Freelance-Autor bei JAXenter.de. Kontakt: mthomas[at]sandsmedia.com
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