Einsprachig versus polyglott: Wie viele Programmiersprachen muss ein Entwickler kennen?

Michael Thomas

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In einem kürzlich erschienenen JAXenter-Artikel stellte Henri Dubois-Ferriere (Director of Technology bei Jut) die Frage, welche Sprachen ein Spitzenentwickler kennen muss (die Antwort: Es kommt ganz darauf an …). In eine ähnliche Kerbe schlägt aktuell der Programmierer und Autor John Sonmez und wägt das Für und Wider von Einsprachigkeit und Polyglottismus gegeneinander ab.

Denn: Seiner Ansicht nach gibt es für beide Positionen durchaus stichhaltige Argumente:

Warum man mehr als eine Sprache kennen sollte

  1. Mehr Sprachen = Mehr Optionen, d. h. man kann ein gegebenes Problem auf verschiedene Arten angehen.
  2. Der eigene Marktwert erhöht sich, bzw. der Pool der potentiellen Arbeitsstellen vergrößert sich.
  3. Man kann dem Arbeitgeber zeigen, das man willens und fähig ist, sich neue Sprachen anzueignen.
  4. Neues zu lernen macht Spaß und erweitert den Horizont.
  5. Man wird von der technologischen Entwicklung nicht abgehängt, sondern bleibt am Puls der Zeit.
  6. Man lernt seine „Hauptsprache“ mehr zu schätzen. Gleichzeitig kann man durch das Erlernen einer neuen Sprache Konzepte entdecken, die man künftig nicht mehr missen möchte.
  7. Man erlangt potentiell transferierbare Fähigkeiten, die einen insgesamt zu einem besseren Programmierer machen.
  8. Da keine Sprache perfekt ist, wird man durch die Kenntnis mehrerer Sprachen in die Lage versetzt, immer das für eine gegebene Aufgabe beste Werkzeug zur Hand zu haben.
  9. Es zeigt, dass man schnell dazu lernt.

Lesen Sie auch: Learning Skills – wie man neue Programmiersprachen effizienter lernt

Warum eine Sprache ausreicht

  1. Wenn man es zu wahrer Meisterschaft bringen will, so ist dies leichter zu erreichen, wenn man sich auf eine einzige Sprache konzentriert.
  2. Die meisten Arbeitgeber nutzen in ihren Projekten nur eine Sprache – es genügt also, diese zu kennen.
  3. Selbst wenn man nur eine Sprache kennt, gibt es immer etwas Neues zu lernen.
  4. Sprachspezialisten können meist ein höheres Gehalt einstreichen.
  5. Es kommt nicht auf die Zahl der erlernten Sprachen an, sondern darauf, was man mit ihnen macht.
  6. Man muss weniger Entwicklungstools meistern.
  7. Man kann sich bei Bewerbungen besser verkaufen, indem man die Spezialisten- bzw. Nischenkarte ausspielt.
  8. Der Großteil der Softwareprobleme kann mit jeder Sprache gelöst werden. Zusätzliche Sprachen sind also nicht zwingend notwendig.
  9. Es ist besser, eine Sache wirklich gut zu beherrschen, anstatt bei bei zehn lediglich an der Oberfläche zu kratzen.

Die beste Lösung des Dilemmas „Einsprachigkeit versus Polyglottismus“ ist für Sonmez allerdings keine entweder-oder-Entscheidung, sondern liegt vielmehr irgendwo in der Mitte und hängt zudem stark davon ab, in welchem Bereich man als Entwickler tätig ist (bzw. in welche Richtung man sich beruflich entwickeln möchte).

Für ihn persönlich stellt der „T-förmige Entwickler“ das Ideal dar: Dieser verfügt als Basis über Expertenwissen in einer bestimmten Sprache (= die vertikale Linie des T), eignet sich darüber hinaus jedoch konstant (etwas allgemeiner gehaltenes) Wissen in einem oder mehreren anderen Bereichen an (= die horizontale Linie des T), wodurch er das beste beider Welten vereint – er ist also Experte und Hansdampf in allen Gassen zugleich.

Aufmacherbild: Hello Speech Bubble von Shutterstock / Urheberrecht: Aysezgicmeli

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Michael Thomas
Michael Thomas
Michael Thomas studierte Erziehungswissenschaft an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und arbeitet seit 2013 als Freelance-Autor bei JAXenter.de. Kontakt: mthomas[at]sandsmedia.com
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