Auf dem Weg zur Vollvernetzung

Bist du noch analog oder connectest du schon?

Carina Schipper

© shutterstock / optimarc

In einer aktuellen Studie ist Mozilla der Frage nachgegangen, wie es um die Beziehungen von Menschen zu ihren vernetzen Geräten steht. Zu letzteren zählen beispielsweise Smart-TVs, Fitnessarmbänder und Router. Die Italiener haben übrigens angesichts der wachsenden Verdrahtung, Angst, den Kontakt zu echten Menschen aus Fleisch und Blut zu verlieren.

Weltweit haben rund 190.000 Teilnehmer Mozillas Fragen beantwortet.In sechs Sprachen hatte Mozilla seine Umfrage unter dem Namen „How connected are you?“ veröffentlicht. Dementsprechend erstreckt sich die Reichweite über den gesamten Globus. Das Unternehmen stellte Fragen wie „Welche Art Connected Device besitzen Sie?“ oder „Wie sieht Ihre schlimmste Befürchtung aus, während wir auf eine stärker vernetzte Zukunft zusteuern?“ Schnell fiel eines besonders auf: Bei Thema connected bestehen deutliche regionale Unterschiede. Beispielsweise besitzen die Leute in Indien eher eine Smart Appliance, währenddessen in Argentinien Smart TVs hoch im Kurs stehen. Allerdings herrscht in einem Punkt Einigkeit. Überall befürchten die Menschen, dass eine vernetzte Zukunft ihre Privatsphäre gefährden könnte.

Privatsphäre ade

Beim Stichwort vernetze Zukunft teilt sich die Welt ziemlich gleichmäßig in zwei Lager. Auf der einen Seite stehen die, die dem was kommen wird mit Skepsis oder Angst entgegensehen. Demgegenüber schaut die andere Hälfte optimistisch auf eine stärker vernetzte Welt. Zusätzlich fällt auf, dass je technisch versierter jemand ist, desto weniger er sich um eine vernetzte Zukunft sorgt. Insgesamt fiebern weltweit nur sieben Prozent der Befragten der Vollvernetzung entgegen. In Indien ist die Vorfreude mit 25 Prozent noch am größten. Unter uns Deutschen hält sich die Begeisterung allerdings in Grenzen. Richtig aufgeregt, was uns alle erwartet sind hier nur 5,4 Prozent. Immerhin ein gutes Viertel hegt überwiegend positive Gefühle. Die Mehrheit, rund 42 Prozent, macht sich schon ein paar Gedanken, was auf sie zukommt und 3,7 Prozent der Deutschen sind entsetzt von der Entwicklung.

Die Antwort auf die Frage, „Wie sieht Ihre schlimmste Befürchtung aus, während wir auf eine stärker vernetzte Zukunft zusteuern?“, fiel ziemlich eindeutig aus. 45 Prozent aller Studienteilnehmer sehen ihre Privatsphäre in akuter Gefahr. Deutschland liegt mit knapp der Hälfte, die diese Meinung teilen, noch über dem internationalen Durchschnitt. Im Ländervergleich tanzt nur Italien aus der Reihe. Dort beunruhigt die Befragten ein möglicherweise drohender Verlust des Kontakts zu anderen Menschen am meisten (30 Prozent). Was das technische Know-how angeht, zeigt sich, wer sich auskennt fürchtet eher um seine Privatsphäre, als jemand, der weniger genau Bescheid weiß.

Technisch versiert zu sein, bedeutet auch, zu wissen, was hinter den einschlägigen Fachbegriffen steckt. Weltweit gesehen könnten weniger als ein Drittel erklären, was IoT (Internet of Things), Botnets, Blockchain, RFID oder Zero Day Vulnerability bedeuten. Weniger als 40 Prozent könnten sagen, wofür DDOS-Attacken oder TOR stehen. Die einzigen beiden Begriffe, unter denen sich mehr als die Hälfte der Befragten etwas vorstellen kann, sind VPN und Connected Devices.

Geschmäcker sind bekanntlich verschieden

Präferenzen können sich zuweilen stark unterscheiden. Das gilt auch für vernetzte Produkte. In Süd- und Mittelamerika konnten sich 50 Prozent der Leute für einen Smart-TV erwärmen. Die Rate diesbezüglich weltweit liegt bei 40 Prozent. Befragte aus den USA berichten zu 20 Prozent Fitness-Tracker zu besitzen. 15 Prozent fahren smarte Autos und bei 8 Prozent hängen zu Hause vernetzte Thermostate. Die Deutschen nennen zu 95 Prozent einen WiFi-Router ihr Eigen. Nicht unbedingt verwunderlich, das die Grundvoraussetzung für Connected Devices nun mal meist das Internet ist. Dahinter rangieren das Smartphone (88 Prozent) und der Laptop (85 Prozent).

Wann wir den Zustand der Vollvernetzung erreicht haben werden, lässt sich wahrscheinlich nur sehr schwer bis überhaupt nicht prognostizieren. Allerdings zeigt sich nicht nur durch die Umfrage von Mozilla deutlich: Wer sich mit der Digitalisierung und Vernetzung der Welt und vor allem seiner persönlichen Umwelt auseinandersetzt, wird mit weniger Bauchschmerzen in die nächsten Jahrzehnte gehen.

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Geschrieben von
Carina Schipper
Carina Schipper
Carina Schipper ist seit 2017 Redakteurin beim Java Magazin, Business Technology und JAXenter. Sie hat Germanistik und Europäische Ethnologie / Volkskunde an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg studiert.
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