More Moonshots - Andy Rubin verlässt das Android-Team

Wie verchromt ist Androids Zukunft?

Claudia Fröhling

Andy Rubin ist nicht mehr länger Android-Chef bei Google. Das gab CEO Larry Page kürzlich im Company Blog bekannt. Rubin ist für die Android-Welt, was James Gosling für die Java-Welt ist. Künftig soll er sich um neue Aufgaben bei Google kümmern. Wir stellen das Enfant Terrible des Internet-Giganten vor und wagen einen Blick in die verchromte Zukunft von Android.

Man soll ja immer gehen, wenn’s am schönsten ist. Dieser Prämisse ist auch Andy Rubin gefolgt, als er kürzlich seine Aufgaben in Googles Android-Team an Sundar Pichai, den Chrome-Chef, abgegeben hat. Dabei ist Rubin weit davon entfernt, in Rente zu gehen, er feierte jüngst erst seinen Fünfzigsten. Nein, er verlässt ja noch nicht einmal seinen Arbeitgeber, bleibt bei Google und öffnet dort ein „neues Kapitel“, was auch immer das heißen mag.

This is wrong on so many levels

Halten wir einen Moment inne und machen uns klar, wer Andy Rubin eigentlich ist. Er hat nicht zufällig die Android-Entwicklung bei Google geleitet. Nein, ohne ihn gäbe es Android gar nicht. 2003 gründete er gemeinsam mit drei Mitstreitern in Palo Alto die Firma Android Inc. „Build smarter mobile devices“ – das war das Ziel der Mobile-Pioniere. Zwei Jahre später schnappte sich Google die Firma samt seiner Mitarbeiter, um mit Android seine eigene mobile Strategie zu starten. Rubin wurde Chef des Android-Teams und blieb es auch, bis jetzt. Der interne Wechsel bei Google kommt dementsprechend überraschend. Man stelle sich vor, Sun Microsystems hätte damals verkündet, dass James Gosling das Java-Team verlässt und sich neuen Aufgaben im Unternehmen widmet.

In den acht Jahren, die Rubin das Android-Team leitete, hat sich die Plattform vom Nobody zum Big Player der mobilen Welt entwickelt. Heute gibt es weltweit 750 Millionen Android-Geräte, auf denen 25 Milliarden Apps heruntergeladen wurden. Das Marktforschungsunternehmen IDC sagt voraus, dass Android-Tablets dieses Jahr sogar das iPad überholen werden [1]. Das liegt vor allem, aber nicht nur an Samsung und deren Galaxy-Palette.

Solange es keine offizielle Meldung gibt, müssen wir weiter spekulieren. Fakt ist, dass der neue Android-Chef interessant gewählt ist. Sundar Pichai leitet das Chrome-Team bei Google und wird künftig beide Teams betreuen. Seit einiger Zeit schon gehen die Entwicklungen von Chrome/Chrome OS und Android auseinander und machen sich teilweise gar Konkurrenz. Auf Dauer kann das so nicht gut gehen, und eine Integration beider Systeme ist unausweichlich. Wie diese dann genau aussehen wird, dürften wir vielleicht schon zur Google I/O erfahren. Markus Jungingers Tipps [2]: Android-Apps laufen auf Chrome (Desktop) oder Chrome-Apps laufen auf Android. Wir werden es sehen. Auf jeden Fall kann es kein Zufall sein, dass erst vor wenigen Monaten ein neuer Roboter auf dem Google-Campus eingezogen ist. Es fällt nicht schwer zu erraten, wie dieser aussieht: genau – verchromt!

Zurück zur Spekulation. Neben Chrome ist noch ein anderer Punkt zu beachten: Larry Page und seine Führungselite bei Google. Ryan Tate von wired.com etwa schrieb, Rubins Weggang sei mit dem von Marissa Mayer vergleichbar und entspreche der neuen Ausrichtung bei Google, wie Larry Page sie sich wünscht [4]. Es werden bereits Abgesänge angestimmt auf das „alte Google“, in dem Mitarbeiter noch experimentieren konnten, flache Hierarchien hatten etc. Larry Page hat erkannt, dass Google erwachsen werden muss, um konkurrenzfähig zu bleiben. Das geht nur mit einem strengen Fokus und einer einheitlichen Linie. Über Sundar Pichai hört man übrigens, er sei sehr Page-treu und ein enger Verbündeter.

Apropos neue Ausrichtung bei Google: eine dritte Spekulation muss an dieser Stelle noch raus. Auf dem Mobile World Congress 2012, also letztes Jahr, war Android das dominante Thema. Googles Marketing war klar ausgelegt auf die Adaption der Android-Technologie. Ziel war es, Entwickler davon zu überzeugen, dass es sich lohnt, mit Android Apps zu entwickeln. Das Marketing für Hardware überließ man größtenteils seinen Partnern.

Seit letztem Jahr hat sich aber vieles geändert. Google hat viel Geld in die eigene Hardware gesteckt, hat mit dem Nexus 4, 7 und 10 mittlerweile viel mehr Auswahl, und wer weiß, was da noch dazu kommen wird. Plötzlich ist es gar nicht mehr so eine gute Idee, den Partnern wie Samsung das ganze Hardware-Marketing zu überlassen. Also gab es ein Umdenken bei Google, und das Ergebnis wurde auf dem Mobile Word Congress dieses Jahr offensichtlich: Android-Brand anyone? Er war so gut wie nicht existent in Barcelona, der kleine grüne Roboter.

„They want Google to be the brand, not Android“, schreibt Fabrizio Capobianco auf Gizmodo [5]. Und das ergibt ja auch absolut Sinn. Google will künftig Shops eröffnen und seine Hardware verkaufen, analog zum enorm lukrativen Geschäft, das Apple mit seinen Stores macht. Zwei Marken parallel verwirren die Kunden, vor allem, wenn andere Hersteller die Marke „Android“ ebenfalls nutzen. Kein Zufall also, dass der Android Market schon vor längerer Zeit in Google Play umbenannt wurde? Und um zurück zum eigentlichen Thema zu kommen: Wie viel Sinn ergibt es, den „Android-Vater“ auf seinem Posten zu lassen, wenn die Marke „Android“ langsam aber sicher ausstirbt?

Entrepeneur at heart

Am Ende ist aber alles wieder mal gar nicht so heiß, wie wir es kochen. Rubin hat nie verhehlt, dass er ein Freigeist ist und sich nur schwer unterordnen kann. Er hat damals Android Inc. gegründet und war Herr der Dinge. Bei Google hatte er sicherlich ebenfalls viel Entscheidungsgewalt, aber der Boss war ein anderer. Er hat versucht, das Android-Team wie ein Startup zu führen, aber das gelingt natürlich nicht wirklich. In einem kleinen Startup kann man der Kreativität freien Lauf lassen, in einem großen Unternehmen wie Google und mit wachsendem Erfolg von Android war Rubin aber sicherlich immer öfter mit dem operativen Geschäft beschäftigt. Sollte er also künftig bei Google Innovationen vorantreiben, werden wir das sicherlich spätestens zur Google I/O erfahren. Wir freuen uns darauf und schließen mit Larry Pages eigenen Worten: Andy, more moonshots please!

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Claudia Fröhling
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