Wie ticken Programmierer?

19 Programmierer-Archetypen: Der Psychotest für Entwickler

Michael Thomas

© Shutterstock.com/Mukhina Viktoriia

Archetypen sind idealtypischer Vertreter einer Idee (die philosophische Sichtweise) oder beschreiben menschliche Vorstellungs- und Handlungsmuster (die psychologische Sichtweise). Auch den Freunden klassischer Pen-&-Paper-Rollenspiele dürften sie ein Begriff sein. Aus den Überlegungen von Andrew C. Oliver (Mammoth Data) und Sarah K. White (CIO.com) zum Thema Entwicklerpersönlichkeiten haben wir 19 grundlegende Programmierer-Archetypen destilliert. Finden Sie sich in einem davon wieder?

1. Die Diva

Softwareentwicklung ist eine Teamanstrengung, in deren Rahmen jeder Mitarbeiter wichtig ist? Entwickler-Diven sehen das etwas anders. Ihr Aufmerksamkeitsbedürfnis ist potentiell grenzenlos; hat die Führungsriege nicht stets ein offenes Ohr für all ihre noch so trivialen Beschwerden, ist die Diva nur schwer zur Arbeit zu motivieren.

2. Der Rockstar

Der berühmt-berüchtigte 10x-fach-Programmierer ist zwar äußerst talentiert und fachlich kompetent. Allerdings schwebt er gerade aus diesem Grund in der Gefahr, sich über die Maßen von seinen weniger begabten Kollegen abzugrenzen, zum Einzelkämpfer zu mutieren und sich durch ein gesteigertes Ego in die Nähe der Diva zu bewegen.

3. Der Widerwillige

Dank glänzender Aussichten auf dem Arbeitsmarkt von den Eltern zum Informatik-Studium genötigt, kann der Widerwillige zwar durchaus ein guter Programmierer sein. Mindestens genau so groß ist jedoch die Gefahr, dass sich seine Unlust im Alltag manifestiert, sprich: er liefert allerhöchstens durchschnittliche Arbeit ab und lässt den Hammer generell spätestens um 17 Uhr fallen.

4. Der Technologie-Priester

Der Technologie-Priester berauscht sich an Technologie um ihrer selbst willen. Aufgrund seines lebensbestimmenden Eifers hat er keine Geduld für alle jene „Normalos“, die seinen pseudoreligiösen Wahn nicht teilen. Technologie-Priester betrachten ausschließlich die Ansichten von Ihresgleichen als halbwegs berechtigt und verleihen ihrer Verachtung gegenüber den dümmsten anzunehmenden Usern bei jeder sich bietenden Gelegenheit Ausdruck. Sie sind häufig brillante Programmierer, sollten aber von anderen Menschen ferngehalten und niemals nach Mitternacht gefüttert werden.

5. Der Prozess-Guru

Der Prozess-Guru kennt die jeweils neueste Literatur über Entwicklungsmethodologien in- und auswendig und hat mehr über Scrum und XP vergessen, als der Rest der Belegschaft zusammengenommen je wusste. Doziert in Meetings mit Vorliebe stundenlang über den „richtigen“ Softwareentwicklungsprozess, für dessen Endergebnis interessiert er sich jedoch weniger. Plädiert in der Regel für mehr Agile-Training. Ist vermutlich zertifizierter Scrum Master.

6. Der „Jeopardy!“-Champion

Als Meister des obskuren Programmiererwissens ist der „Jeopardy!“ -Champion meist das einzige Teammitglied, das selbst bei den ungewöhnlichsten Detailfragen direkt eine Antwort parat hat. Leider wird diese Fähigkeit in seinem Umfeld nicht allzu oft benötigt.

7. Der Hipster-Hacker (aus der Hölle)

Wechselt Sprachen und Dialekte fast häufiger als seine karierten Hemden. Springt immer auf den neuesten Trend an, verliert aber genauso schnell das Interesse. Features, Bugs? Egal, Hauptsache es ist irgendwie neu und aufregend! Natürlicher Feind des Traditionalisten und Super-Traditionalisten.

8. Der Architektur-Astronaut

Warum einfach, wenn es auch kompliziert geht? Ein Java-Anwendungsserver hier, SOAP-basierte Webdienste da: Der Architektur-Astronaut besteht selbst bei simpelsten Problemen auf komplexe, mehrschichtige, verteilte Systeme. Er liebt die Komplexität einfach über alles. Verbündet sich gelegentlich mit Hipster-Hackern.

9. Der unsichere Evangelist

Hat zwar das gesamte System entworfen, fühlt sich aber dennoch von jedem noch so kleinen Vorschlag bedroht. Klassisches Denkmuster des unsicheren Evangelisten: „Meine Ideen sind gut, deine sind schlecht – es sei denn, ich kann sie irgendwie als meine eigenen verkaufen.“

10. Der Code-Poet

Der Code des Poeten ist fließend, elegant und wunderschön anzusehen. Die Kehrseite: Gerade deshalb arten Meetings mit Code-Poeten immer wieder zu künstlerisch motivierten Grundsatzdiskussion aus. Deadlines sind dem Poeten egal, die genervten Blicke seiner Mitarbeiter fallen ihm nicht auf.

11. Der Cloud-Fanatiker

Der Cloud-Fanatiker möchte am liebsten alles in die Cloud verschieben. Fragen der Sicherheit oder der Latenz fallen dabei gerne unter den Tisch; auch Kleinigkeiten wie Netzwerkausfälle, Dateninteroperabilität oder Herstellerabhängigkeiten interessieren ihn eher wenig. Meist bekommt er die Chose, die er mit seinem Vorgehen angerichtet hat, nicht mit – zu diesem Zeitpunkt hat er nämlich längst das gleiche Spiel bei einem anderen Arbeitgeber von neuem begonnen.

12. Der Traditionalist

„Kotlin ist zu unausgereift, wir sollten lieber Java verwenden!“

13. Der Super-Traditionalist

„Java ist zu unausgereift, wir sollten lieber RPG verwenden!“

14. Der Proprietäre-Software-Priester

Für den Proprietäre-Software-Priester kommen als Tools ausschließlich proprietäre Lösungen namhafter Hersteller in Frage. Steht nicht Perforce, WebSpehre, AIX, Oracle, Microsoft oder IBM drauf, kann es in seinen Augen nur Schrott sein.

15. Der Agile-Anarchist

Paarprogrammierung, testgetriebene Entwicklung, Story-Cards – was ist da? Der Agile-Anarchist lebt nach dem Motto „das Genie beherrscht das Chaos“ und lehnt sämtliche Methoden der agilen Softwareentwicklung ab. Natürlicher Feind des Prozess-Gurus.

16. Der tranige Teamkollege

Vielleicht ist bloß eine schlechte Zeitplanung der Grund, möglicherweise ist es aber auch schlichtweg ein tragender Baustein seines Charakters: Der tranige Teamkollege verpasst mit schlafwandlerischer Sicherheit jede noch so wichtige Deadline. Erfährt am besten ähnlich intensive Betreuung wie die Diva – nur eben aus anderen Gründen.

17. Der Meeting-Muffel

Zugegeben: Lange (!) nicht alle Meetings sind tatsächlich notwendig. Der Meeting-Muffel allerdings ist von der modernen Meeting-Flut derart desillusioniert, dass er derartige Treffen rundherum ablehnt und nie um eine Ausrede verlegen ist, warum er nicht an ihnen teilnehmen kann. Wenn überhaupt, so schlägt er nur alle paar Schaltjahre bei einem Meeting auf – und verpasst somit regelmäßig wichtige Informationen.

18. Der stille Skeptiker

Eine hochgezogene Augenbraue hier, zusammengepresste Lippen da … egal wie kritisch er einer neuen Idee, einem Projekt oder Produkt gegenüber eingestellt ist: Der stille Skeptiker verliert kein Wort darüber. Was er denkt, weiß natürlich trotzdem jeder.

19. Der Metrik-Manager

Praktisch das Gegenteil des tranigen Teamkollegen: Wenn es um die Organisation, um Metriken und Mikromanagement geht, blüht der Metrik-Manager förmlich auf. Mit einem stetig wachen Auge auf Budgets und Deadlines neigt er dazu, seinen Kontrollfetischismus auf das gesamte Team auszuweiten und behindert so mitunter die Einführung neuer Prozesse und Tools.

Aufmacherbild: Finger art of people. The concept of a group of people with different personalities. von Shutterstock / Urheberrecht: Mukhina Viktoriia

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Michael Thomas
Michael Thomas
Michael Thomas studierte Erziehungswissenschaft an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und arbeitet seit 2013 als Freelance-Autor bei JAXenter.de. Kontakt: mthomas[at]sandsmedia.com
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4 Kommentare auf "19 Programmierer-Archetypen: Der Psychotest für Entwickler"

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b2359578
Gast

Ich erkenne mich in keinem der 19 Archetypen wieder. und auch keinen meiner 4 Kollegen

Und nun?
Sind wir jetzt alle keine Entwickler?

Ist halt doch nur ein Pyschotest für gelangweilte Personaler, der mit der Realität anscheinend nur wenig zu tun hat, nicht mehr nicht weniger…

Thorsten Göckeler
Gast

Gut, ich erkenne ein paar meiner Kollegen wieder, und das im positiven Sinne. Aber bei weitem nicht alle, und mich selber auch nicht, noch nicht einmal als Mischung. Und das selbst, wenn ich die Überzeichnung wegnehme.

Außerdem wirken die Erklärungen leicht negativ, weil sie mehr die Besonderheiten herausstellen, die den jeweiligen Archetypen eher unsympathisch machen. Das dürfte den Effekt „das bin ich nicht“ eher bestärken als bestätigen.

Auf jeden Fall bleibt das Gefühl das diese Archetypen entweder keine sind oder nicht vollständig sind.

Micha Eppinger
Gast

Etwas unvollständig, aber sehr kreativ 🙂 Erinnert mich an einen sehr hübsch anzusehenden Artikel bei dem es um Gehälter, Skills, Erwartungen etc. in der IT-Branche geht. Ist auch recht aktuell, falls Sie interessiert sind: http://de.dice.com/nachrichten/it-arbeitsmarkt-der-dice-job-market-report-2016/

Der Rasende Ruby-Rocker
Gast

@ Meine Vorredner: Bin gerade durch Zufall auf diesen Post gestoßen und muss einfach mal sagen: Wow! Echt jetzt? Und ich dachte immer, derart Ironie und Humor befreite Programmierer wären bloße Klischees, aber ihr habt mich wirklich endgültig eines besseren belehrt! 🙂

Nur um noch kurz pro forma meinen Senf zum eigentlichen Thema beizutragen: Ich selbst gehöre definitiv zur Kategorie Nummero 17 – auch wenn ich trotzdem alle wichtigen Infos mitbekomme!