Projekte richtig planen

Pi mal Daumen: Wie sinnvoll sind Aufwandsschätzungen?

Kypriani Sinaris

©Shutterstock/Maria Novodenskaya

Aufwandsschätzungen scheinen nicht nur ungern gemacht sondern oft auch so gestaltet zu werden, dass ihre Umsetzung nicht realisierbar ist. Der Blogger Nadav Azaria schlägt in einem Blogpost eine neue Art der Aufwandsschätzung im agilen Kontext vor, die eine Trennung von Lernzeit und Arbeitszeit vorsieht.

Um die Qualität einer Aufwandsschätzung zu erhöhen, schlägt Nadav Azaria vor, Tasks zu zweiteilen. Danach sollte sich die Aufwandsschätzung aus der Zeit, in der Neues gelernt werden soll und der Zeit, in der tatsächlich die Arbeit und die Umsetzung dessen stattfindet, zusammensetzen. Dabei macht die Lernzeit den entscheidenden Unterschied: Jeder Mitarbeiter eines Teams lernt unterschiedlich schnell. Gerade bei neuen, unbekannten Aufgaben kann sich also die Zeit, die ein Entwickler braucht um beispielsweise ein neues Tool zu bedienen, stark unterscheiden.

Um diesem Unterschied gerecht zu werden, sollte die Lernzeit als individuell verschiedener Zeitraum berechnet und nur die Arbeitszeit mit einem festen Wert limitiert werden. Zwar neigen agile Strukturen schnell dazu, die Einigkeit aller Team-Member zu fordern, so Azaria, aber hier sei etwas mehr Individualität gefragt.

Planning Poker

Das sogenannte Planning Poker, auch Scrum Poker genannt, ist eine spielerische Art und Weise, Aufwandsschätzungen vorzunehmen, ohne dass sich Teammitglieder bei der Schätzung gegenseitig beeinflussen. Dieses „Spiel“ sieht die Aufwandsschätzung aber als Ganzes, berücksichtigt dabei also nicht die Lernzeit und Arbeitszeit als unabhängige Größen.

Azaria schlägt vor, nur die Arbeitszeit im Planning Poker festzulegen und den Team-Mitgliedern eine individuelle Lernzeit einzuräumen. Dies wäre außerdem eine Möglichkeit, das Lernen neuer Technologien oder Business-Strategien messbar zu machen. Dazu schlägt er eine „Learning Chart“ vor, versehen mit Faktoren, die die Lernzeit pro Sprint repräsentieren. Aber Vorsicht: Ziel soll es nicht sein, auch hier eine möglichst niedrige Zahl zu erreichen, denn das hieße auch, dass im Team kein Lernfortschritt stattfindet. Vielmehr solle die Zeit des Lernens und Arbeitens ausbalanciert werden, so Azaria. Neben einer möglicherweise zuverlässigeren Aufwandsschätzung führe ein ähnliches Zeitfenster fürs Lernen und Arbeiten zu einer Balance zwischen Zufriedenheit und Herausforderung.

Fazit

Die von Azaria vorgeschlagene Zweiteilung der Aufwandsschätzung scheint auf die individuellen Bedürfnisse von Scrum Membern einzugehen. Der Entwickler räumt aber auch ein, dass er selbst nicht genau wisse, welcher Lernfaktor der „richtige“ ist. Repräsentiert eine lange oder eine kurze Lernzeit erfolgreiches Teammanagement? Wahrscheinlich die goldene Mitte: Er schlägt eine ausgeglichene Balance zwischen den Phasen vor.

Aufmacherbild: Time management von Shutterstock / Urheberrecht: Maria Novodenskaya

Verwandte Themen:

Geschrieben von
Kypriani Sinaris
Kypriani Sinaris
Kypriani Sinaris studierte Kognitive Linguistik an der Goethe Universität Frankfurt am Main. Seit 2015 ist sie Redakteurin bei JAXenter und dem Java Magazin.
Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

Hinterlasse den ersten Kommentar!

avatar
4000
  Subscribe  
Benachrichtige mich zu: