Wie Sie Entwickler und IT-Betrieb als Team zusammenbringen

Alan Hale

Innovative Unternehmen brauchen einen stetigen Strom von neuen Funktionalitäten, um agil zu bleiben. Die erfolgreichsten verwenden DevOps, um mögliche Hindernisse zu überwinden.

Unternehmer wollen heute mehr und schnellere Innovationen. Sie wissen, dass sie im Wettbewerb nur dann bestehen und weiter wachsen können, wenn sie neue Produkte und Dienstleistungen besonders schnell in den Markt bringen und die Erwartungen der Kunden stets übertreffen.

Das erzeugt großen Druck auf diejenigen, die für die Entwicklung und Bereitstellung von neuen Funktionen der von Unternehmen genutzten Software verantwortlich sind. Häufige Releases und kürzere Deadlines werden zunehmend Wirklichkeit, aber im Rennen um die am schnellsten verfügbaren neuen Code-Teile stoßen die IT-Teams oft an ein Hindernis.

Dieses Hindernis steht an der Scheidelinie zwischen Anwendungsentwicklung und IT-Betrieb und damit an der Schnittstelle zweier sehr unterschiedlicher Kulturen.

Konfliktlösung

Da ist auf der einen Seite die Kultur der Entwickler, wo Kreativität, die Freiheit zu experimentieren und die Wahl der Instrumente im Vordergrund stehen. Der Entwickler ist am glücklichsten mit Agilen Techniken, mit denen er einen konstanten Fluss von Software-Releases und -Upgrades produzieren kann, die das Business dort zur Verfügung gestellt bekommt, wo es sie im Hinblick auf die Innovationen braucht.

Auf der anderen Seite der Grenze steht der IT-Betrieb, dem es auf Stabilität und Kontrolle ankommt. Hier soll es möglichst keine Betriebsunterbrechungen geben, und häufig erfolgende Software-Releases können einen komplexen Managementprozess nach sich ziehen. Der IT-Betrieb weiß, dass man das Geschäft voranbringen muss – aber nicht auf die Gefahr hin, dass kritische Systeme ausfallen.

Diese kulturelle Kluft kann alle möglichen „Brennpunkte“ verursachen, bevor ein Stück Software in den produktiven Betrieb geht. Entwickler sind frustriert, wenn sie auf die Bereitstellung von Entwicklungsumgebungen oder auf die Freigabe neuer Anwendungen warten müssen. Der IT-Betrieb wiederum ist verärgert, wenn Entwickler die Angelegenheit in die eigenen Hände nehmen und selbst Umgebungen aufsetzen oder Codes früh in Testumgebungen einstellen. Und wenn der Code scheitert, zum Beispiel aufgrund von Library-Konflikten oder Plattform/Net­working-Differenzen, so ärgert sich jeder über die Fehler der jeweils anderen Seite und über die wertvolle Zeit, die nun durch Debuggen verloren geht. Noch schlimmer aber ist, dass das Business mit den Funktionalitäten, die es benötigt, auf das nächste Release-Fenster warten muss.

Derartige Konflikte sind der Grund dafür, dass es gerade jetzt ein großes Interesse an DevOps gibt – eine Bewegung, die Anwendungsentwickler und IT-Operations-Profis ermutigt, mehr zusammenzuarbeiten, um die Engpässe, die die Freigabe neuer Software verzögern, zu überwinden und dem Business zu helfen, mit der Geschwindigkeit der Innovation Schritt zu halten, um einen Schritt vor der Konkurrenz zu bleiben.

Die Cloud überbrückt die Kluft

Red Hat glaubt, dass die Cloud der beste Ort für DevOps ist. Sie ermöglicht eine Arbeitsweise, von der jedes Unternehmen profitieren kann, unabhängig davon, wie risikoscheu es ist. Eine Plattform-as-a-Service-(PaaS)-Lösung kann durch einen Drittanbieter gehostet werden oder im Haus in einer privaten Cloud-Infrastruktur verbleiben. So oder so, die Vorteile, die die Cloud-Technologien für produktive Umgebungen attraktiv machen, lassen sich auch für die Entwicklung und Bereitstellung von Software nutzen: zum Beispiel geringere Einstiegskosten, kürzere Time-to-Market-Zeiten, On-Demand-Skalierung, zentralisierte Verwaltung, Standardisierung des Provisioning und der Deployment-Techniken.

Noch wichtiger ist jedoch, dass eine Cloud-basierte PaaS einen einheitlichen Ort für die Zusammenarbeit bereitstellt, an dem die Teilnehmer auf beiden Seiten der DevOps eng im Team arbeiten – unabhängig vom physischen Standort. Sie bekommen so ein besseres Verständnis davon, wie die jeweils andere Seite funktioniert.

Insbesondere führen Automatisierungsfunktionen alle Mitarbeiter durch den Prozess der Anwendungsentwicklung und -bereitstellung, wodurch jeder regelmäßig Reports zum Projektfortschritt erhält und sofort informiert wird, wenn weitere Schritte erforderlich sind – unter Wahrung der unterschiedlichen Rollen und Verantwortlichkeiten.

Fachkräfte aus dem Bereich IT-Operations können zum Beispiel in der PaaS-Umge­bung Mustervorlagen anlegen, so dass die Entwickler – wann immer notwendig – sofort auf Entwicklungsumgebungen zugreifen können, die genau die Produktionsumgebung widerspiegeln. Unterdessen erhalten Entwickler Zugang zu Self-Service-Funktionen, mit denen sie skalierbare Anwendungen erstellen können, in beliebigen Sprachen und mit optimierten Workflows für eine höhere Produktivität. Das Ergebnis ist eine effizientere Nutzung von Zeit und Know-how im gesamten IT-Team und bessere  Möglichkeiten zur Innovation im ganzen Unternehmen.

Die DevOps-Roadmap

Man muss natürlich verstehen, dass die meisten Unternehmen erhebliche Investitionen in bestehende Tools und Prozesse getätigt haben. Der Weg zu DevOps muss daher inkrementell erfolgen. Aus diesem Grund ist es wichtig, gemeinsam mit den Unternehmen eine Roadmap zu entwickeln, die ihnen helfen kann, das meiste von dem, was sie bereits haben, in die neuen Technologien wie die Hybrid-Cloud und die neuen Ideen, wie die kontinuierliche Entwicklung, einzubringen

Selbst wenn eine vollständige kontinuierliche Entwicklung und Bereitstellung nicht das Ziel eines Unternehmens ist oder wenn die Vorstellung einer Automatisierung der Anwendungsentwicklung bis zur Produktion eine Horrorvision sein sollte – mit DevOps kann ein Unternehmen genau das von ihm gewünschte „Komfort-Niveau“ realisieren. Dabei kann es die Zuverlässigkeit erhöhen, Risiken reduzieren und die Ressourcen optimieren, die für die Inbetriebnahme neuer Software erforderlich sind.

Der IT-Betrieb erhält die Kontrolle über Umgebungen, Framework und Wiederverwendung, die er benötigt. Er kann die Kosten- und Effizienzvorteile, die virtualisierte und Cloud-basierte Umgebungen bieten, nutzen und Entwicklung sowie Tests erheblich beschleunigen. Im Laufe der Zeit kann man sich dann in Richtung Charge-Back-Mechanismen bewegen und den Business-Einheiten die Kosten des von ihnen in Anspruch genommenen Entwicklungs-Know-hows und der Umgebungen zurechnen.

Unterdessen erhalten die Entwickler schnelleren Zugriff auf neue Umgebungen, eine größere Auswahl an Werkzeugen und die Möglichkeit, schnell zu scheitern, wenn neue Technologien, Frameworks oder Versionen ausprobiert werden. Wenn nämlich ein Ansatz nicht funktioniert, kann man ihn schnell durch einen anderen ersetzen. Man erhält eine höhere Skalierbarkeit von Umgebungen und eine bessere Test-Kontrolle und Wiederholbarkeit. Vor allem können Entwickler mehr Zeit mit der Entwicklung verbringen als mit Warten auf den Beginn einer nächsten Phase oder auf das nächste Projekt.

Zu Agilität und darüber hinaus

Tatsache ist, dass jede Organisation – das IT-Team ebenso wie das Business, für das es arbeitet – agil handeln muss, um innovativ zu sein. Für Entwickler, die seit mehr als einem Jahrzehnt Agile Programmiertechniken verwenden, um die Entwicklungsprozesse zu beschleunigen, ist das ein vertrautes Konzept. Die Intention von DevOps ist es, die gleiche Geschwindigkeit und Effizienz in den IT-Betrieb zu bringen, also eine Win-Win-Situation für beide Seiten zu schaffen, die Barrieren überwindet und die sie mit der gleichen Geschwindigkeit für die gleichen Ziele arbeiten lässt. Entwickler erhalten mehr Freiheit und der IT-Betrieb behält die Kontrolle, die er benötigt.

Im Prozess erlaubt es DevOps, die gesamte Organisation agiler und innovativer zu gestalten. Ein stetiger Fluss neuer Software, die ohne Verzögerung freigegeben wird, kann für die Business-Performance einen großen Unterschied ausmachen, gerade in einer Zeit, in der schnelle Reaktionen auf die Kundennachfrage erfolgen müssen und in der neue Geschäftsmöglichkeiten zu erschließen sind. Hier setzt DevOps an – und Unternehmen sollten diese Möglichkeit ergreifen als ersten Schritt in Richtung einer besseren Business-Agilität und mehr Innovation.

Geschrieben von
Alan Hale
Alan Hale
Als Director der EMEA-weiten Consulting Services leitet Alan Hale von London aus einen Bereich mit rund 100 Mitarbeitern, die sich hauptsächlich auf die technische Unterstützung von Red-Hat-Kunden konzentrieren.
Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.