Wie Open Source ist SAP?

Hartmut Schlosser

Kann SAP als Paradebeispiel für ein Unternehmen gelten, das von einem strikt proprietären Geschäftsmodell zu einer Open-Source-Strategie übergegangen ist? In seinem Blogbeitrag „SAP as a case study for open source engagement“ beschreibt Analyst Matthew Aslett von The 451 Group den Weg von SAP zum Engagement in der Open Source Community.

SAP als „Open-Source-Firma“ zu bezeichnen, liegt ja nicht gerade auf der Hand. Im November 2005 hatte SAP-Präsident Shai Agassi die Open-Source-Bewegung noch als „IP Sozialismus“ bezeichnet und Open-Source-Projekten jede Innovationskraft abgesprochen.

Ein erster Schritt in Richtung Open Source wurde dennoch bereits im Jahr 2004 mit dem Beitritt zur Eclipse Foundation (immerhin als eines der Gründungsmitglieder) getan. Motiviert war diese Entscheidung laut Aslett durch die Strategie, Entwicklungskosten für nicht-geschäftskritische Komponenten einzusparen. Allerdings folgten erste offizielle Code-Beiträge erst drei Jahre später, nachdem die formalen Prozesse für die Nutzung von Open-Source-Software innerhalb interner SAP-Projekte akribisch dokumentiert worden waren. Bis 2006 musste noch jeder Vorschlag, Open-Source-Software einzusetzen, vom SAP Executive Board genehmigt werden. Doch die Prozesse wurden vereinfacht und die Beiträge zu Eclipse-Projekten stieg von drei im Jahr 2008 (Web Tools Platform (WTP), Data Tools Platform (DTP) and Memory Analyzer) auf 25 Projekte bis heute, darunter zu diversen Modeling-Projekten, der OSGi-Implementierung Equinox und zu weiteren, selbst initiierten Projekten wie Pave und Graphiti.

Das SAP-Engagement bei Eclipse ist in der Tat unverkennbar, so änderte SAP ihren Mitgliedsstatus bei der Eclipse Foundation im Juni 2009 auch vom „Strategic Consumer“ zum „Strategic Developer“. SAP war 2009 mit 1.8 Millionen Lines of Code der drittgrößte Contributor zu Eclipse (hinter IBM und itemis).

Auch zu anderen Open-Source-Projekten hat SAP mittlerweile Beiträge geleistet, etwa zu den Apache-Projekte Maven, VXQuery, Tomcat, OpenEJB and ActiveMQ sowie zu Ruby on Rails und JRuby.

Ist SAP also ein Open-Source-Unternehmen?

Natürlich nicht! Das Geschäftsmodell bei SAP wird auch weiterhin auf eine kommerzielle Vermarktung ihrer Business-Suiten und NetWeaver-Produkte abzielen – das Beharren auf die Wichtigkeit von Software-Patenten spricht hier eine ganz deutliche Sprache (siehe Beitrag SAP: Open Source’s Friend or Foe? von Glyn Moody).

So groß der Einsatz von SAP im Open-Source-Umfeld auch ist: SAP steht ob ihrer proprietären Vergangenheit immer schnell im Verdacht, auch das Open Source Engagement rein strategisch einzusetzen – was ja nicht verboten ist (strategische Erwägungen sind Open Source Contributern wie IBM oder Oracle schließlich auch nicht fremd). Etwas überspannt klingen allerdings schon die sich in letzter Zeit häufenden SAP-Verlautbarungen, in denen man sich betont als „Anwalt der freien Software-Welt“ positioniert. Man denke hier nur an SAP-CTO Vishall Sikkas Aufforderung „Let Java be free!“, in der er Erzrivalen Oracle in Gewissen redete, Java doch in Anwender-neutrale Strukturen zu überführen (SAP würde sich in diesem Fall bereit erklären, einen erheblichen Beitrag zu leisten, hatte Sikka damals geäußert).

Wie dem auch sei. In Kürze verspricht ein ausführliches Dokument Aufschluss über die weiteren Open-Source-Aktivitäten bei SAP. Aslet hat angekündigt, dass eine offizielle Mitteilung von SAP kurz vor der Veröffentlichung steht. Über die hehren Absichten von SAP bzgl. Open Source darf bis dahin weiter spekuliert werden. Vielleicht wirft der Bericht ja etwas mehr Licht auf die Frage: Wie Open Source ist SAP?

Geschrieben von
Hartmut Schlosser
Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.