Fraglicher Trend

Wie aus Eltern „Supereltern“ werden: Kickstarter-Projekt Smart pee pee hilft dabei

Kypriani Sinaris

©Shutterstock/Alena Ozerova

Auf Kickstarter werden ja viele Produkte vorgestellt, die nicht mehr als nette Gadgets sind. Smart pee pee will mehr. Der kleine Sensor soll frischgebackenen Eltern bei der – man kann es nicht anders sagen – Überwachung der Pinkelaktivität ihrer Sprösslinge helfen. Wer wird hier optimiert, die Eltern oder das Kind?

Für die Messung wird ein kleiner Sender an der Windel befestigt, der über die Messung der Feuchtigkeit und Temperatur die Eltern alarmiert: Es ist wieder so weit, eine frische Windel muss her!

Dazu müssen die Eltern auf ihrem Smartphone eine App installieren, die von dem Sender via Bluetooth über den „Frischestatus“ der Windel benachrichtigt wird und sie so schon wecken kann, bevor das Baby nachts anfängt zu schreien. Zudem soll über das automatisch aufgezeichnete Protokoll in der App, welche es für Android- und iOS-Geräte geben soll, eine Voraussage gemacht werden können, wann das Baby wahrscheinlich wieder ein Geschäft verrichten wird. Dieses Protokoll soll eben dann nützlich sein, wenn das Kind bereit ist, die Toilette zu benutzen.

Und so wird man den Eindruck nicht los, dass das Kickstarter-Projekt vor allem die Optimierung der elterlichen Skills anvisiert: Eltern von heute sind nicht nur sofort zur Stelle, wenn ein Hauch von Nässe den Sprössling reizt, nein, sie sind sogar schon dann zur Stelle, wenn das Baby die Schwelle zum Schreien noch gar nicht erreicht hat. Auf der Projektseite heißt es dazu: „Help new parents to become baby care expert quickly!“ In zwei Tagen hat das Projekt 5.534 USD erhalten. Es scheint also tatsächlich, als gäbe es ein paar Eltern, die dieser Optimierung hin zur Perfektion etwas abgewinnen können.

Großer Markt für Baby-Apps

Die App-Landschaft besteht lange nicht mehr nur aus Spielen, Kalendern und Wetter-Apps. App-Entwickler erreichen Smartphone-Besitzer auch in ihrer Privatsphäre und beeinflussen damit die Art und Weise, wie wir mit privaten Lebenssituationen umgehen. Gerade erstmals werdende Eltern sind natürlich noch sehr unsicher, wie sie sich verhalten sollen und wollen natürlich alles richtig machen: Dementsprechend ist der Markt für „Baby-Apps“ groß. Applikationen wie My Baby Today oder OnDeck Parent sollen helfen, dieser Unsicherheit entgegenzuwirken. Ob das tatsächlich so ist, ist fraglich.

Fazit

Die Vibration oder das Klingeln des Smartphones ist mittlerweile ein ganz natürlicher Sound in unserem Alltag. So natürlich wie ein Kinderschreien. Wenn dieser Alarm losgeht um die Eltern zu wecken, sobald die Temperatur in der Windel des Kindes ansteigt, dann ersetzt dieser Sound praktisch das Schreien des Kindes – wach ist man aber am Ende trotzdem. Es ist äußerst fraglich, welchen Mehrwert dieses Kickstarter-Projekt hat, oder ob es doch nur ein Gadget von vielen ist.

Was meinen Sie? Würden Sie Ihrem Kind einen solchen Sender in die Windel stecken?

Aufmacherbild: Portrait of a cute 3 months baby lying down on a blanket von Shutterstock / Urheberrecht: Alena Ozerova

Geschrieben von
Kypriani Sinaris
Kypriani Sinaris
Kypriani Sinaris studierte Kognitive Linguistik an der Goethe Universität Frankfurt am Main. Seit 2015 ist sie Redakteurin bei JAXenter und dem Java Magazin.
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