Wer hat Recht im Drama um Node.js?

Hartmut Schlosser
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Im Streit um Node.js gibt es eine neue Wendung. Das Unternehmen Joyent hat angekündigt, ab Januar 2014 kommerziellen Support für Node.js anzubieten. Damit dürfte die politische Dimension der vermeintlichen Gender-Debatte im Node.js-Core-Team endgültig feststehen:

Joyent hat sich offenbar beeilt, mit dem von Ben Noordhuis und Bert Belder gegründeten Start-up StrongLoop gleichzuziehen, das im September dieses Jahres mit einer Venture-Kapitalsumme von 8 Millionen US-Dollar Aufsehen erregte und u.a. eine zertifizierte Distribution von Node.js im Portfolio führt.

Joyent musste sich provoziert fühlen, insbesondere dadurch, dass StrongLoop mit dem Slogan “the company behind Node.js, founded by the Node.js core contributors” an die Öffentlichkeit ging. Ben Noordhuis ist zwar sicherlich eines der aktivsten Mitglieder der Node.js-Community, hatte aber nichts mit der Entstehung der Plattform zu tun.

Node.js wurde 2009 vom damaligen Joyent-Mitarbeiter Ryan Dahl ins Leben gerufen und gilt heute als eine der Plattformen mit den höchsten Wachstumsraten. Das Projekt ermöglicht die Server-seitige Programmierung mit JavaScript, indem es Googles V8 JavaScript Engine im Paket mit einer Plattform-Abstraktionsschicht und einer Core Library auf den Server bringt. Mittlerweile wird das Projekt von Isaac Schlueter geleitet, ebenfalls bei Joyent angestellt.

Und so haben wir hier eine klassische Wettbewerbssituation zwischen dem Node.js-Stammunternehmen Joyent, das wohl seine Felle davon schwimmen sieht, und einem dynamischen Startup StrongLoop, das ein Business-Modell um Node aufbauen möchte. Joyent sieht sich als Stammunternehmen und Hauptsponsor als moralische Heimat von Node.js; StrongLoop stützt sich auf die legitime Verwertungsmöglichkeit eines offenen Projektes und verweist auf das bei Noordhuis vorhandene Core Know How.

Joyent schreit Verrat, StrongLoop spielt die Community-Karte. Joyent erteilt Noordhuis eine Abfuhr, StrongLoop fordert die Befreiung des Node-Projektes von den Ketten des Eigeninteressen verfolgenden Alleinherrschers.

Wer hat Recht?

Wie so oft gibt es auch hier wohl kein Schwarz und Weiß – was etwa Stefan Tilkov auf Twitter so ausdrückte:

Wo genau die beiden kommerziellen Support-Angebote indes wirklich konkurrieren, kann man noch nicht wirklich abschätzen. Auf der Joyent-Seite ist von monatlichen 990 US-Dollar die Rede, für die der Zugriff auf das Joyent-Entwickler-Team, inklusive Notfall-Dienst bei Downzeiten, Node Debugging und Performance Tools, eine Joyent Cloud Subscription und 10GB Joyent-Manta-Object Speicherplatz zur Verfügung gestellt wird. Man sollte nicht vergessen: Joyent ist ein Cloud-Spezialist. StrongLoop positioniert sich als Anbieter eines „API Tier for connecting Enterprise data to devices and browsers.“

In offiziellen Verlautbarungen geben sich beide Streithähne gemäßigt, versuchen aber bei genauerem Hinsehen, sich als Führer des Node.js-Ökosystems zu definieren:

Auf The Register wird StrongLoop CEO Isaac Roth mit den Worten zitiert, es sei aufregend, jetzt mit Joyent zu konkurrieren: Je größer das kommerzielle Ökosystem um Node.js werde, desto mehr Unternehmen könnten Node.js sicher im nächsten Projekt einsetzen. Die Subbotschaft: Wir waren mit unserem kommerziellen Support zuerst da und blicken gönnerhaft auf den Nachzügler Joyent!

Joyent Ingenieur Bryan Cantrill konzentriert sich ganz auf die eigene Rolle im Node.js-Ökosystem:

We learned invaluable lessons while building these large distributed systems, and this new support offering reflects that expertise. As corporate stewards of Node.js, it is our duty to encourage and support developers who are building business applications in Node.js. That is how you build a very successful, collective ecosystem around an open source project.

Als Kommentar zur Gründung von StrongLoop hatte Bryan Cantrill im September gegenüber VentureBeat gesagt:

We at Joyent very strongly believe in the democracy of open source. In all the open-source projects we lead, if people want to fork, they should be encouraged to do so. … We’re not afraid of new ideas, and if they’re valuable, people vote with their feet. If they want to fork Node, go ahead. We believe in the community of Node and their judgement.

Wie dem auch sei – für Entwickler ist die ganze Story erst einmal ärgerlich, denn das Node.js-Projekt selbst wird durch solche unternehmenspolitischen Querelen kaum gewinnen. Und so halten wir es am besten mit dem folgenden Zitat:

Aufmacherbild: Gordischer Knoten #2 von Shutterstock / Urheberrecht: fotosav

Geschrieben von
Hartmut Schlosser
Hartmut Schlosser
Hartmut Schlosser ist Redakteur und Online-Koordinator bei Software & Support Media. Seine Spezialgebiete liegen bei Java-Enterprise-Technologien, JavaFX, Eclipse und DevOps. Vor seiner Tätigkeit bei S & S Media studierte er Musik, Informatik, französische Philologie und Ethnologie.
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