Andreas Hausers Keynote auf der JAX 2016

„Wer hätte gedacht, dass SAP einmal einen Design-Preis gewinnt?“

Hartmut Schlosser

Digitale Transformation benötigt mehr als Technologie – mit diesem Titel weist Andreas Hauser in seiner JAX-2016-Keynote auf die Notwendigkeit hin, eine rein Feature-zentrierte Software-Entwicklung hinter sich zu lassen. Der SAPler rückte stattdessen die User Experience ins Zentrum des Interesses einer jeden IT-Abteilung.

Sie haben richtig gelesen: Andreas Hauser kommt von SAP und damit von einem Unternehmen, das nicht gerade für seine ergonomisch gestalteten Oberflächen bekannt ist. Umso bemerkenswerter die Tatsache, dass auch SAP die Relevanz von Design Thinking erkannt hat und die positive Gesamterfahrung beim Nutzen einer Software über die reine Funktionalität stellt.

Hässliche Enterprise-Software?

Polemisch hat Java-Champion Adam Bien „Enterprise-Software“ einmal als „hässliche Software, die funktioniert“ definiert, und damit sicherlich auch die Formular-lastigen SAP-Anwendungen mitgemeint. Mit diesem zweifelhaften Ruf des größten Software-Hauses Deutschlands ging Andreas Hauser in seiner JAX Keynote durchaus offen um.

Wer hätte gedacht, dass SAP einmal einen Design-Preis gewinnt?

Diesen Ruf entgegen stellte er die Tatsache, dass SAP mehrfach bereits den renommierten Red Dot Design Award gewonnen hat. „Wer hätte gedacht, dass SAP einmal einen Design-Preis gewinnt?“, kommentierte Hauser nicht ohne Ironie. Als Chef des „SAP Design and Co-Innovation Center“ war es ihm ein Anliegen zu vermitteln, dass SAP die Zeichen der Zeit erkannt habe und das Thema User Experience ernst nehme.

Dabei erweist es sich als schwieriger als gedacht, die Altlasten loszuwerden, so Hauser. Wer in einem Unternehmen funktionierende, aber „hässliche“ Software einsetzt, kann meist nicht ohne weiteres auf neuere, besser designte Software umstellen – einem Dilemma, mit dem sich SAP ständig konfrontiert sieht.

Und das ist durchaus nachvollziehbar: Argumentativ kommt man mit „Hässlichkeit“ nicht sonderlich weit bei Budget-Planungen mit dem Management – mehr noch sprechen technologische Abhängigkeiten zu Legacy-Anwendungen gegen eine einfache Migration auf „schöne“ Software.

Nichtsdestotrotz kann man sich bei Modernisierungen oder Neuentwicklungen mittlerweile durchaus von SAP inspirieren lassen: Tools wie Splash oder Build sind frei zugänglich und sollen auch Nicht-Designern erlauben, Software nach Prinzipien der User Experience zu schreiben. Als Inspirationsquelle empfahl Hauser außerdem ein Bilck auf www. experiencesplash.com oder www.experience.sap.com/designservices/ – der Webseite des „SAP Design and Co-Innovation Center“, auf der offensiv der Slogan „We humanize software experience through design“ prangt.

Engage with your Users!

Vielleicht noch wichtiger ist Hausers zweiter Kerngedanke zur Humanisierung von Software: „Engage with your customers and users“. Eine wertvolle Software kann nur dann entstehen, wenn Sie Ihre User/Kunden mit ihren Bedürfnissen und Arbeitsbedingungen kennen. Gehen Sie zu den Kunden, schauen Sie sich deren Arbeitsumfeld an, sprechen Sie mit den tatsächlichen Benutzern Ihrer Software – und nicht nur mit dem auftraggebenden Management, rät Hauser.

Ein Take-away von der Keynote wollen wir hier noch anführen. Wer SAP-Software bisher – bewusst oder unbewusst – als Entschuldigung herangezogen hat, selbst „hässliche“ Enterprise-Software zu bauen, dem wurde durch Andreas Hausers Keynote die Argumentationsgrundlage entzogen. Enterprise-Software muss nicht hässlich sein – oder vielleicht sollte man sogar sagen, „darf nicht mehr hässlich sein“, damit sie der digitalen Transformation Ihres Unternehmens nicht im Wege steht!

JAX_2016: Keynote Andreas Hauser – Digitale Transformation benötigt mehr als Technologie from JAX TV on Vimeo.

Keynote Abstract:

Enterprise-Software befindet sich im Wandel – die Nutzer wollen weg von Features and Functions hin zu einer positiven Gesamterfahrung beim Nutzen der Software. In dieser Keynote erfahren Sie, wie benutzerzentriertes Design dabei hilft, einen echten Mehrwert für Ihre Geschäftsbereiche im Unternehmen zu generieren, sodass die IT zum strategischen Partner auf dem Weg zur digitalen Transformation wird.

56f167c9cce0b7956fbf33a8version47sizefullAndreas Hauser is Global Head of the Design and Co-Innovation Center at SAP SE. His team’s mission is to humanize business software through design and elevate the importance of design with customers, users and the market. Before, he was Vice President of User Experience at SAP SE for Cloud Solutions. He has more than 15 years of experience as a UX leader. During this time, he gained a lot of experience in building up global user experience teams and establishing an innovation culture in large organizations. Andreas studied Business Information Technology at the University of Cooperative Education in Mannheim and has worked at SAP since 1991.
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Hartmut Schlosser
Hartmut Schlosser
Content-Stratege, IT-Redakteur, Storyteller – als Online-Teamlead bei S&S Media ist Hartmut Schlosser immer auf der Suche nach der Geschichte hinter der News. SEO und KPIs isst er zum Frühstück. Satt machen ihn kreative Aktionen, die den Leser bewegen. @hschlosser
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2 Kommentare auf "„Wer hätte gedacht, dass SAP einmal einen Design-Preis gewinnt?“"

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Cordula
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Wie wär’s mit funktionierenden Links im Artikel, würde die Usability erhöhen 🙂