Wer blogt so spät in der Nacht?

Installation

Die Installation der Roller-Awendung wurde in Version 4.0 erheblich vereinfacht. Zumindest unter Tomcat braucht man nur eine roller-custom.properties in den Klassenpfad zu legen. Bei Tomcat 6 ist das z. B. unter CATALINA_HOME/lib. Für die Derby-Datenbank sollte sie dort auch den JDBC-Treiber derby.jar und folgende Einträge in der roller-custom.properties-Datei hinterlegen.

installation.type=auto
database.configurationType=jdbc
database.jdbc.driverClass=org.apache.derby.jdbc.EmbeddedDriver
database.jdbc.connectionURL=jdbc:derby:rollerdb;create=true

Damit werden die Datenbank und die Tabellen beim Starten der Roller-Webanwendung automatisch angelegt. Danach kann man auf die Anwendung mit http://localhost:8080/roller zugreifen. Der Benutzer, der sich als Erster registriert, erhält dann die Administrationsrechte für Roller und wird nach der Anmeldung aufgefordert einen eigenen Blog anzulegen. Dann kann sich jeder weitere Benutzer selbst registrieren und sich nach eigenen Wünschen sein Blog-Tagebuch gestalten und andere zum Mitgestalten einladen. Um den Blog als RSS-Feed zu abonnieren, braucht man nur den Link http://localhost:8080/roller/rss in das Feed-Leseprogramm seiner Wahl einzutragen. Alternativ kann man sich auch über das ATOM-Protokoll (APP) beispielsweise alle Einträge zum Blog adminblog mit http://localhost:8080/roller/adminblog/feed/entries/atom anzeigen lassen. Roller kann in mehreren Instanzen auf einem Server installiert werden, was besonders bei großen Installationen wichtig ist.

Erstellung eines Themes

Um das Aussehen eines Blogs zu beeinflussen, kopiert man es in den Themes-Ordner. Dann kann man es nach einem Neustart des Servers über eine Auswahlliste seinem Blog zuweisen. Sollte man bei den über 45 fertigen Themes (zum Teil konvertierte Free CSS Templates unter der Creative Commons Attribution License) aus dem Internet nicht fündig werden, so kann man auch ein eigenes Theme neu oder basierend auf einer Vorlage erstellen. Eine gute Anleitung findet man neben dem Template Guide unter „How_to_create_a_roller“ und „Hacking_roller_tag_clouds“. Seit der Version 4.0 können benutzerspezifische Anpassungen an der CSS-Datei oder dem Aufbau des Blogs auch über die Weboberfläche vorgenommen werden, was eine individuelle Anpassung erleichtert.

Ein Theme besteht im Minimum aus einer CSS- und zwei Velocity-Dateien (_day.vm, Weblog.vm). Das Ganze wird seit Roller 4.0 in einer weiteren Datei (theme.xml) zusammengefasst. Darin wird auch festgehalten, welche Teile vom Benutzer angepasst werden können. Das zentrale Element, um die Roller-Metadaten mit Velocity abzufragen, ist das

psenv::pushli(); eval($_oclass[„model“]); psenv::popli(); ?>

-Objekt. In Abbildung 3 sind deren Beziehungen dargestellt.

Abb. 3: Das Metamodell von Roller

Möchte man die Häufigkeit der in den Einträgen verwendeten Tags optisch anzeigen lassen, so ergänzt man z. B. in der Datei themesbasicsidebar.vm folgende Zeilen:

    

Clouds

Um unterschiedlich große Fonts zu haben, ergänzt man noch die Datei theme.css folgendermaßen:

.s1 {font-size:60%;}
.s2 {font-size:80%;}
.s3 {font-size:100%;}
.s4 {font-size:120%;}
.s5 {font-size:140%;}
Zusammenfassung und Ausblick

Roller überzeugt in seiner neuesten Version durch eine zukunftsfähige Architektur und ausgereifte Konzepte. Von der Funktionsvielfalt und der Anpassbarkeit braucht es sich auch hinter skriptbasierten Konkurrenzprodukten nicht zu verstecken. Eine Anpassung von Roller kann neben Velocity auch in anderen für Java verfügbaren Skriptsprachen vorgenommen werden. Für die Integration in Unternehmensanwendungen profitiert es von den Java-Möglichkeiten und den dafür vorhandenen Bibliotheken. Besonders gelungen ist die Integration von JSPWiki, das demnächst auch unter der Apache-Lizenz herausgegeben wird. Die Entwicklung unter dem Apache-Dach hat Roller gut getan. Dadurch kann es auch die dort reichlich vorhandenen Frameworks und Produkte nutzen.

Als einziger Wehrmutstropfen fehlt Roller zurzeit noch eine Integrationsmöglichkeit für Portale (JSR-168-konformes Portlet, JSR-170-Content-API). Trotz allem ebnet die aktuelle Roller-Version den Weg, um mit Java einfache und mächtige Anwendungen für das „soziale“ Netz [Martin Szugat, Jan Erik Gewehr, Cordula Lochmann: Social Software, entwickler.press, 2006] zu erstellen.

Frank Pientka arbeitet als Senior Consultant bei der IMPAQ AG in Dortmund. Er ist seit mehreren Jahren im Bereich Java EE tätig. Seine Schwerpunkte sind Applikationsserver, Portalserver und Softwarearchitektur. Kontakt: frank.pientka[at]impaqgroup.com.
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